Absturz 2007

20. Oktober 2009 13:56; Akt: 20.10.2009 14:22 Print

Basler Crash-Flieger war mit Klebeband geflickt

Der Absturz eines Kleinflugzeuges 2007 in einem Basler Wohnquartier mit einem Todesopfer und mehreren Verletzten ist unter anderem auf Zeitdruck und Erfolgszwang zurückzuführen.

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Der damals 59-jährige ehemalige Swissair-Kapitän war am 23. Juli 2007 vom Flughafen Basel-Mülhausen mit einem Eigenbau gestartet, wie das Büro für Flugunfalluntersuchungen (BFU) in seinem am Dienstag veröffentlichten Bericht schreibt. Geplant war ein Rekordflug ohne Zwischenlandung von Basel nach Oshkosh in den USA unter der Bezeichnung «Lindberg Memorial Flight».

Der Erstflug fand am 12. Juni 2007 statt, nach insgesamt 19 Erprobungsflügen wurde der Maschine vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) ein zweites vorläufiges Lufttüchtigkeitszeugnis ausgestellt. Da die Piste des Flugplatzes Birrfeld zu kurz war, sollte das Flugzeug von Basel-Mülhausen starten. Bei der erstmaligen Betankung des Zusatztankes am Vortag des ursprünglich für den 21. Juli geplanten grossen Fluges zeigten sich undichte Stellen an Tanks und den Verbindungen zwischen den Tanks. Bei der anschliessenden Fehlersuche wurden am Treibstoffsystem verschiedene Probleme festgestellt und behoben. Der Abflug wurde dann auf den 23. Juli verschoben.

Schäden mit Aluklebeband repariert

Aber auch dieser Start verlief nicht reibungslos. Als ein Helfer mit dem Piloten sprechen wollte und dazu auf den linken Tritt hinter dem Flügel stand, kippte das Flugzeug nach hinten und prallte mit dem Heck auf den Boden. Die dabei entstandenen Beschädigungen wurden mit Aluklebeband behelfsmässig repariert. Zudem wurde bei der Beschleunigung vor dem Start Rauch im Bereich des Fahrwerks sichtbar. Das Flugzeug beschleunigte nur noch wenig und überflog das Pistenende in geringer Höhe. Wegen der geringen Flughöhe wurde das Flugzeug nicht vom Radar erfasst. Augenzeugen sahen die Maschine in geringer Höhe über Basel, bevor sie mit zwei Bäumen kollidierte und dann in eine Liegenschaft prallte.

Der Pilot kam bei dem Aufprall ums Leben. Die grosse Menge an freigesetztem Treibstoff entzündete sich explosionsartig und der Dachstock der betroffenen Liegenschaft stand sofort in Flammen. Laut früheren Angaben verloren 89 Menschen ihr Zuhause, mehrere Menschen erlitten leichte Verletzungen.

Zeitdruck und Erfolgszwang

Gemäss dem BFU ist der Unfall darauf zurückzuführen, dass das Flugzeug wegen seiner Masse, seiner Schwerpunktlage und der verfügbaren Leistung nach dem Abheben weder in der Lage war zu beschleunigen, noch zu steigen oder eine Kurve zu fliegen. Zudem hätten der Zeitdruck und der Erfolgszwang das Urteilsvermögen des Piloten beeinträchtigt. Ausserdem seien die Begleitung und Aufsicht der zuständigen Stellen während des Erprobungs- und Zulassungsprozesses unzureichend gewesen.

Als Folge des Unfalls hat das BAZL im September 2007 vorsorglich den Start von Experimental-Flugzeugen ab Landesflughafen zu Testflügen verboten. Testflüge über dicht besiedeltem Gebiet wurden ebenfalls verboten. Zudem erliess das Amt im Oktober weitergehende Massnahmen für Experimental-Flugzeuge. Bei komplexen Projekten beziehungsweise Fluggeräten, welche Sonderbewilligungen benötigen, kündigte das BAZL an, die Zulassung enger zu begleiten und zu koordinieren.

(ap)