11. Dezember 2006 18:18; Akt: 11.12.2006 21:10 Print

Basler Erdbeben: Es hagelt Kritik und Anzeigen

Nach dem künstlich ausgelösten Erdstoss vom Freitagabend in Basel üben Politiker Kritik an den Verantwortlichen des Geothermieprojektes. Bereits sind zehn Anzeigen bei der Basler Staatsanwaltschaft eingegangen, welche mit weiteren Anzeigen rechnet.

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Wegen Schreckung und Sachschäden reichten bis Montagmorgen zehn Personen eine Anzeige bei der Basler Staatsanwaltschaft ein. Sprecher Markus Melzl rechnete am Montag mit weiteren Anzeigen, wie er gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Zu rasch vorgegangen

Der Oberbürgermeister des benachbarten Weil am Rhein (D) kritisierte in einem Brief an die Basler Regierungspräsidentin mangelnde Information der Bevölkerung. «Wir waren informatorisches Niemandsland», schreibt Wolfgang Dietz. Die Erdstösse hätten in der Bevölkerung Weils «zu erheblicher Besorgnis und Unruhe» geführt.

Dietz weist darauf hin, dass die Bohrungen der Geopower Basel AG in unmittelbarer Nähe Weils durchgeführt werden. Er verlangt Auskunft über die Ursachen der Erdstösse, die beabsichtigten Massnahmen sowie die Abschätzung des Risikos.

In Interpellationen stellen auch Basler Parlamentarier Fragen zur Information und zum Risiko während der Tiefenbohrung. Kritik an den Basler Projektverantwortlichen übt zudem die Präsidentin der Schweizerischen Vereinigung für Geothermie, die Zürcher CVP- Nationalrätin Kathy Riklin.

Expertenkritik

Das Wasser sei zu rasch und unter zu hohem Druck in den Boden gepumpt worden, sagte Riklin in einem am Montag publizierten Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Zudem sei Basel nicht der ideale Standort für ein Geothermieprojekt. «Es ist ein politischer Standort», sagte Riklin.

Nur Basel habe Geld gegeben, sagte Riklin der Zeitung weiter. «Wir haben uns vom finanziell Möglichen leiten lassen.» Der Kanton Basel-Stadt ist über die Industriellen Werke Basel (IWB) mit 32 Millionen Franken am 80-Millionen-Projekt beteiligt.

Die Geopower Basel AG wies die Vorwürfe Riklins zurück. Die in Basel tätigen Experten arbeiteten in einem Team, sagte Mediensprecher René Kindhauser. Das Vorgehen sei im Team abgesprochen gewesen.

Geopower-Geschäftsführer Daniel Moll sagte zur Deckung des Schadens, das Unternehmen verfüge über eine Bauherren-Haftpflicht- Versicherung von 25 Millionen Franken. Die bisher gemeldeten Schäden könnten gedeckt werden.

Am Freitagabend hatten Bohrarbeiten am Geothermieprojekt in Kleinhüningen im Nordwesten Basels ein Erdbeben der Stärke 3,4 ausgelöst. Tausende Menschen in Basel-Stadt, Baselland und dem benachbarten Ausland wurden aufgeschreckt. Die Arbeiten sind inzwischen eingestellt worden.



(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wolfgang maurer am 11.12.2006 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative energie

    Ich bin zwar nicht begeistert von diesem vorhaben. Aber es ist sicher besser als Atom Kraftwerke ,den die Zukunft liegt sicher im innern der Erde.Aber wir müssen mehr über die Gehfahren und den nutzen dieser Technik erfahren. Besten Dank W. Maurer von Hegenheim

  • Beat Hemmi am 12.12.2006 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Es war vorhersehbar!

    Es ist bekannt das Basel ein potenzielles Erdbebenzentrum der Schweiz ist.Man muss nur verrückt genug sein um in dieses Wespennest zu stechen. Vieleicht hat es auch was gutes, die Erdbebenlage in Basel wurde vieleicht einwenig entschärft durch diese Aktion...

  • meulipro am 11.12.2006 22:09 Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Stimmt genau. Ihr würdet eure Energie lieber in den Kampf gegen Atomenergie stecken, anstatt wegen einer Bodenerschütterung die Schluss endlich sowiso zu euren gunsten geschah...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Quaker am 22.12.2006 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso denn gerade in Basel ?

    Wieso muss denn ein weltweit noch nicht erprobtes Prozedere ausgerechnet in Basel durchgeführt werden? Die Verantwortlichen sollten doch eigentlich -wie jedes Schulkind in der Region- wissen, dass Basel in einer Erdbebengefahrenzone liegt. Man testet ja neue Feuerzeuge auch nicht an einer Tankstelle

  • Lazzy am 12.12.2006 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Achja...

    Achja, da fällt mir ein, nach Öl muss man ja auch bohren, dazu noch gehen langsam die Ölvorkommen auf der Welt aus! Wind und Sonnenenergie ist im vergleich zur Geothermie Wirtschaftlich gesehen völliger blödsinn, wollt ihr ganze Felder mit Windrädern und Sonnenkollektoren bepflastert sehen???

  • Lazzy am 12.12.2006 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Redet keinen Blödsinn!

    Mann sieht das viele das Projekt stoppen wollen, wissen aber dabei kaum was es uns bedeuten kann! Es gibt viele kleine Vorprojekte in Sachen Geothermie, die erfolgreich getestet wurden! Einfamillienhäuser, die mit solchen kleineren Anlagen unmengen an Strom und Ölkosten sparen!

  • monika nüesch am 12.12.2006 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    beben

    bitte hört auf zu bohren die erde umwelt ist so schon kaputt

  • Eva Bucher am 12.12.2006 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Massiver Eingriff an der Natur

    Wieso nicht die Wind- und Sonnenkraft ausnutzen bevor so ein massiver Eingriff in die Natur unternommen wird? Die Erde in diesem Ausmass auszubeuten find ich schlicht verantwortungslos. Die Erde ist doch die Basis... Wie kann man bewusst an seinem Stuhl sägen auf dem man drauf sitzt?