Medizinisch wertvoller Hanf

29. April 2015 06:00; Akt: 29.04.2015 11:24 Print

Basler Jungunternehmer ist Weltmarktführer

von Matthias Kempf - Der Basler Jonas Straumann produziert Gas zur Extraktion von Cannabinoiden aus der Hanfpflanze. Eine «Bieridee» hat ihn zum Weltmarktführer gemacht.

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Der Basler Jonas Straumann erobert mit seinem Gas zur Cannabinoid-Extraktion den Weltmarkt. (Links die Dimethylether-Dosen und rechts der Extraktor zur Lösung der fettliebenden Stoffe.) (Bild: mak)

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Jonas Straumann ist immer auf Achse. Erst vor drei Jahren gründete der 28-Jährige sein Unternehmen Dexso, um Extraktoren herzustellen, mit denen fettliebende Stoffe herausgelöst werden können. «Mit dem Extraktor können nebst 26 anderen Pflanzen auch die einzelnen Substanzen aus der Cannabispflanze gewonnen werden. Speziell geht es um den Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD), der für medizinische Behandlungen wertvoll ist», so Straumann. Aber auch für die Küche sei der Extraktor geeignet: «Man kann zum Beispiel Thymian-Essenz extrahieren und damit eine Marinade machen.»

Bei Recherchearbeiten merkte Straumann, dass zur Extraktion bis anhin hauptsächlich toxisches Butangas genutzt wurde. «Dieses ist aber gesundheitlich bedenklich.» Eine Alternative dazu bietet das Dimethylether-Gas. Dimethylether wird aktuell auch in der Lebensmittelindustrie und in medizinischen Anwendungen verwendet. Als der weltweit einzige nicht industrielle Vertreiber von Dimethylether-Gas als Extraktionsmittel sich durch Verunreinigungen den Ruf verspielte, sah Straumann seine Chance gekommen. «Die Idee, ein eigenes Gas zu vertreiben, ist eher im Scherz bei einem Bier entstanden.»

Die Bieridee hat Straumanns Unternehmen die Bezeichnung Born Global eingebracht. So werden Jungunternehmen genannt, die nicht langsam am Heimmarkt wachsen, sondern von der ersten Stunde an den Weltmarkt im Visier haben. Mittlerweile beliefert Dexso sieben Länder in Europa. In weiteren sechs Ländern steht er in Verhandlungen. Damit ist der Basler innert kürzester Zeit zum Weltmarktführer für Dimethylether-Dosen aufgestiegen.

Aufstrebender Cannabidiolmarkt

«Die weltweite Nachfrage nach Cannabidiolprodukten boomt», sagt Rudolf Brenneisen, emeritierter Professor der Universität Bern und Leiter der Schweizer Arbeitsgruppe für Cannabinoide in der Medizin (SACM). «Dem Cannabidiol werden viele Heilwirkungen nachgesagt. Ein grosses Thema wird die Behandlung von jugendlicher Epilepsie», so Brenneisen. Auch Brustkrebs könne mit CBD bekämpft und Muskelerkrankungen gelindert werden. Allerdings fehlen hier noch die medizinisch relevanten Studien.

Ein interessanter Zielmarkt für Straumanns Gas-Dosen sind die USA, wo er mit möglichen Partnern verhandelt. «Ziel ist es, an die grossen Distributoren zu liefern», so Straumann. Durch die Legalisierungstendenzen auf dem amerikanischen Kontinent und die Butangas-Beschränkungen in den USA sieht Straumann dort die grössten Chancen für sein Produkt.

Teure Produkte

Der Anbau von Cannabispflanzen mit einem hohen Cannabidiolanteil sei in der Schweiz unbedenklich, so Brenneisen – sofern der THC-Gehalt unter einem Prozent liege. Es können Pflanzen mit einem Cannabidiolanteil von bis zu 20 Prozent gezüchtet werden. Diese können dann mit Straumanns Extraktor extrahiert werden. «In der Medizin zieht man aber reines Cannabidiol vor, da die Extrakte durch weitere vorhandene Substanzen leichte Nebenwirkungen haben können», so Brenneisen.

Gefährlich seien diese aber nicht, denn «Hanf ist eine der am wenigsten toxischen Pflanzen. Vergiften kann man sich daran nicht.» Das Problem für Patienten ist der hohe Preis von reinem Cannabidiol. Zwar sei dieser wegen vermehrtem Konkurrenzkampf am Sinken, bewege sich aber immer noch zwischen 50'000 und 100'000 Euro pro Kilo.