Bei minus 269 Grad

02. Mai 2017 15:21; Akt: 02.05.2017 15:21 Print

Basler gewinnen kleinstes Autorennen der Welt

Ein Team der Universität Basel hat am vergangenen Wochenende in Toulouse das erste internationalen Rennen mit Nanoautos gewonnen. Die Rennstrecke mass nur 100 Nanometer.

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Ein Team der Universität Basel hat am Samstag in Toulouse zusammen mit einem US-österreichischen Team das erste internationale Rennen mit Nanoautos gewonnen. Vier Nanofahrzeuge massen sich dabei auf einer Rennstrecke aus purem Gold, die nur rund 100 Nanometer misst.

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Die Strecke mit zwei Kurven musste innerhalb von 38 Stunden bewältigt werden, wie die Universität Basel mitteilte. Die Piloten des Schweizer Nanoautos waren Tobias Meier und Rémy Pawlak vom Swiss Nanoscience Institute und Departement Physik der Universität Basel.

Meier und Pawlak sassen dabei aber nicht an einem Steuer, sondern an einem Computer, über den sie ein Rastertunnelmikroskop bedienten. Die «molekularen Autos» erhalten die Energie für ihre Bewegung durch elektrische Impulse aus der Spitze des Rastertunnelmikroskops, mit dem auch ihre Bewegung verfolgt wird - bei minus 269 Grad Celsius. Mit der Spitze geschoben werden durften die Nanoautos aber nicht.

Zwei Siegerteams

Aus neun Bewerbern haben die Organisatoren vier Fahrzeuge für das Rennen ausgewählt - da es nur vier Rennstrecken gibt. Das Team aus Basel sowie ein US-österreichisches teilten sich den Sieg, wie aus der Facebook-Seite der Organisatoren hervorgeht. Das amerikanische Team folgte auf Platz drei; das deutsche Team musste sich mit dem letzten Platz begnügen.

Das vom französischen Nationalen Forschungszentrum CNRS organisierte Rennen ist nicht einfach nur eine Spielerei von Wissenschaftlern. Die Forscher hoffen auch auf Erkenntnisse über die Kontrolle von Molekülbewegungen. Wenn diese Kontrolle gelinge, «können wir extrem miniaturisierte Motoren erschaffen, die alle möglichen Anwendungen haben», sagte CNRS-Forschungsdirektor Christian Joachim.

«Swiss Nano Dragster»

Das Fahrzeug der Basler heisst «Swiss Nano Dragster», chemisch ausgedrückt handelt es sich um 4'-(4-Tolyl)-2,2':6',2''-Terpyridie. Es habe keine Räder und sei daher eher eine Art «Hovercraft», heisst es auf der Website des CNRS.

Es sei so gestaltet, dass es möglichst wenig Reibung auf der Gold-Rennstrecke verursache, sich also leicht bewegen lasse. Allerdings könnte es dadurch auch «weghüpfen» - dies hätte das Aus für das Schweizer Team bedeutet.

Gebaut - beziehungsweise synthetisiert - hat den «Swiss Nano Dragster» die Forschungsgruppe von Catherine Housecroft von der Uni Basel. Der eigentliche Zweck dieses Moleküls ist, Komplexe mit Metallen einzugehen, die für künftige Fotovoltaik-Technik angewendet werden könnten.

Die Molekularautos sind zwischen einem und drei Nanometern klein. Ein Nanometer ist 30'000 mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares.


Im Video wird der Nano-Dragster der Uni Basel erklärt. (Video: Youtube/Swiss Nanoscience Institute)

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Aaraupanda am 02.05.2017 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Herzlichen Glückwunsch!

    Einfach nur Hammer wie schnell die Entwicklung vorangeht! Manch einer fragt sich bestimmt wieso Wettbewerbe nutzen sollten unsere Wissenschaft voranzutreiben. Ganz einfach: Konkurrenz schürt Verbesserungen. Ich freue mich auf weitere tolle Nachrichten aus diesem Segment!

  • Ein der Stein am 02.05.2017 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    zuviel Wissen?

    Ich finde das für Wissen nie genug ausgegeben kann. Bin auch der Meinung das wir Dort wieder unsere Werte suchen sollten. Und nicht in materielen wie zb (Geld, Institutionen, usw. [sind alles illusionistische-Konstrukte]) Mit Bildung und Wissen kann man die Welt und sich selbst besser verstehen.

  • Mr. Patrick am 02.05.2017 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin ja kein Experte...

    ...aber 38h für 100 Nanometer scheint mir ein bisschen lange. Finde es jedoch imposant dass man sowas in diesem Massstab überhaupt machen kann respekt

Die neusten Leser-Kommentare

  • X.M. am 02.05.2017 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    100 Nanometer in 38 Stunden

    Für einen Kilometer bräuchte das "Auto" dann 32 Mrd. Jahre. Ist immerhin ein Anfang :)

  • Ställe Wörchlin am 02.05.2017 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gutes Beispiel

    genau das kann nach der Energiewende nicht mehr praktiziert werden Es lebe der Atom-Strom damit auch später genug Strom für die Forchung vorhanden ist!

    • Abstimmungsbüchlein am 03.05.2017 03:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Ställe Wörchlin

      Doch wird es auch weiterhin. Denn im neuen Energiegesetz steht ganz klar, dass der Bund für ausreichende Versorgung zu sorgen hat. Unabhängig von der Energie-Quelle.

    • Reto Kleinstein am 03.05.2017 09:26 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Problem, Ausland verkauft uns gerne

      Kohle und Atomstrom, wen auch überteuert, den nachts gibt es bekanntlich keine Sonnen Energie und wen es bewölkt ist bringen unsere brandneuen 40 Kollektoren in Basel auf dem Dach gerade mal noch 1/3 der Produktion, soviel zur verlogenen Energiewende, reden kann man viel, ich habe meine eigenen Fakten auf dem Dach und die zeigen die Wahrheit jeden Tag von neuem.

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  • Realist am 02.05.2017 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Energiewende?

    Mich würde interessieren, welche Energie benötigt wird, in diesen 38h für die Infrastruktur mitsamt Kühlung etc. Hauptsache die Studies haben ihren Spass auf Kosten der Steuerzahler.

    • Michelangelo am 02.05.2017 18:55 Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Wenn durch diese Forschung Solarzellen verbessert werden ist das doch super. Aber klar, Sie haben egentlich immer etwas zu jammern.

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  • Aaraupanda am 02.05.2017 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Herzlichen Glückwunsch!

    Einfach nur Hammer wie schnell die Entwicklung vorangeht! Manch einer fragt sich bestimmt wieso Wettbewerbe nutzen sollten unsere Wissenschaft voranzutreiben. Ganz einfach: Konkurrenz schürt Verbesserungen. Ich freue mich auf weitere tolle Nachrichten aus diesem Segment!

  • Ein der Stein am 02.05.2017 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    zuviel Wissen?

    Ich finde das für Wissen nie genug ausgegeben kann. Bin auch der Meinung das wir Dort wieder unsere Werte suchen sollten. Und nicht in materielen wie zb (Geld, Institutionen, usw. [sind alles illusionistische-Konstrukte]) Mit Bildung und Wissen kann man die Welt und sich selbst besser verstehen.