Bauer wird Opfer von Vandalen

08. August 2019 13:21; Akt: 08.08.2019 13:21 Print

«Einfach doof, idiotisch und hochgradig gemein»

Im Maislabyrinth von Dieter Weber aus Liestal BL wüteten Vandalen. Er machte den Vorfall publik. Sein offener Brief verbreitet sich rasend schnell im Internet.

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Am Mittwoch entdeckte Bauer Dieter Weber, dass sein Maislabyrinth verunstaltet worden war. Maisgräser wurden niedergetrampelt, Bierflaschen liegengelassen sowie die Labyrinth-Tafeln verschmiert und ihre QR-Codes unbrauchbar gemacht.

Dieter Weber wollte die Enttäuschung über den Vorfall nicht in sich hineinfressen, sondern veröffentlichte einen offenen Brief an den Vandalen namens «Flo» auf seiner Website. Der Link dazu verbreitete sich in den Sozialen Medien wie ein Lauffeuer.

«Dein Besuch bei uns im Maislabyrinth hat dir hoffentlich Spass gemacht. Dass du, vermutlich gestern, hier warst, hast du uns ja in aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben. Nicht nur weil du deine Anwesenheit auf Englisch auf unserer Kasse notiert hast. Auch sonst hast du ja deutliche Zeichen hinterlassen», schreibt der Biobauer. Er bezeichnet das Verhalten als «einfach doof, idiotisch und hochgradig gemein».

Sechs Stunden zusätzliche Arbeit

Webers Arbeitstag beginne meist schon um 4 Uhr: «Du verstehst sicher, dass ich da um 22 Uhr abends nicht noch ins Maislabyrinth stehen und dich und deine Kollegen kontrollieren kann», heisst es im Text weiter.

Mit einem wasserfesten Stift hätten die Vandalen den richtigen Weg durch das Labyrinth auf den aufgestellten Tafeln markiert. Die Reinigung der Tafeln und die anderen Aufräumarbeiten hätten Weber sechs Stunden zusätzliche Arbeit eingebrockt, erklärt er.

«Hast du eine Vorstellung davon, wie viel Arbeit es macht, so ein grosses Labyrinth auf die Beine zu stellen? Möchtest du mir nächstes Jahr dabei helfen? Stundenlang bei jedem Wetter den Weg herausschneiden, Unkraut jäten, fehlende oder schlecht aufgelaufene Reihen von Hand nachsäen, Blätter links und rechts des Weges wegschneiden, kommst du uns helfen?», fragt Weber den Unbekannten.

«Es gibt leider viele Flos»

Er appelliert an das Gewissen der Vandalen. «Wenn du uns, wie gestern geschehen, betrügst, passiert genau das, was du vermutlich deinem Papi oder deinem Mami nicht wünschen würdest: Dass sie tagein tagaus arbeiten und am Ende um ihren verdienten Lohn gebracht werden. Warum hast du das uns zugemutet?»

Weber schliesst den Brief mit einer Einladung: «Ich nehme mir gerne Zeit, um mit dir und einen Kollegen nochmals durchs Labyrinth zu gehen. Ich werde euch auf dem Spaziergang erklären, was es heisst, Landwirt zu sein. Was es heisst, fremden Leuten immer und immer wieder blind zu vertrauen. Aber auch was es heisst, wenn man enttäuscht und betrogen wird. So wie nun von Dir. Ich freue mich, dich kennen zu lernen.»

Gegenüber 20 Minuten sagt Weber, dass er den Vorfall nicht dramatisieren wolle. Aber: «Leider gibt es viele Flos auf dieser Welt, die die Arbeit anderer nicht schätzen. Es sind nicht nur Jugendliche. Manche sind Grosseltern, die mit ihren Enkelkindern ins Labyrinth gehen, ohne zu bezahlen.»

(kom)