Fäkal-Bakterien

08. Juli 2019 16:21; Akt: 08.07.2019 17:50 Print

So sehen Laborproben des Liestaler Trinkwassers aus

Noch bis Donnerstag muss die Bevölkerung von Liestal und umliegenden Gemeinden das Wasser abkochen. Bei der Ursachenforschung gibt es eine erste Vermutung.

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«Einen solchen Befund an Anzahl Bakterien im Wasser hatten wir noch nie», kommentierte Kantonschemiker Peter Brodmann die Trinkwasserproben, die er am Freitag untersuchte. Unten Rechts als Vergleich ist eine Reverenprobe von unbelastetem Trinkwasser. Die Verantwortlichen des kantonalen Krisenstabs haben am Montag die Medien über den neusten Stand informiert. Die gute Nachricht: Die Chlorierung des Trinkwasser wirkt. Die schlechte Nachricht: Die Quelle der Kolibakterien ist nach wie vor ein Rätsel. Von der Verseuchung ist sämtliches Trinkwasser in Liestal und den umliegenden Gemeinden Arisdorf, Lausen, Seltisberg, Lupsingen und Nuglar-St. Pantaleon betroffen. Die Kolibakterien im Wasser können zu Magen-Darm-Beschwerden oder Durchfall führen. Die Behörden haben Kontrollstellen eingerichtet. Die Wasserproben geben Aufschluss darüber, wann das Leitungswasser wieder bedenkenlos getrunken werden kann. Die Behörden gehen davon aus, dass das Wasser noch bis Donnerstag, 11. Juli abgekocht oder gekauft werden muss. Am Samstag war in fast allen Supermärkten der betroffenen Gemeinden das Wasser ihne Kohelsäure oder sonstige Zusätze ausverkauft. Am Sonntag hingen in einigen Läden Aushänge wie dieser, die auf die Gefahr im Leitungswasser hinwiesen. Seit Freitag, 5. Juli sollte kein Leitungswasser direkt vom Hahnen mehr getrunken werden. Das Wasser ist mit Bakterien belastet. Im Gegensatz zu den Vortagen gab es am Sonntag in Liestal zumindest bis zum Mittag noch Wasser zu kaufen. Die Läden schienen aus den Engpässen am Freitag und Samstag gelernt zu haben. Leser-Reporterin Vanessa Furrer greift trotzdem noch oft aus Reflex zum Wasserhahn. Die Familie hat sich aber ein System mit abgekochtem Wasser einfallen lassen. Die Behörden geben das unabgekochte Wasser lediglich für die Körperhygiene oder den Abwasch frei.

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Dank der Chlorzugabe der letzten Tage ist das verunreinigte Trinkwasser im Baselbieter Kantonshauptort Liestal sowie in fünf umliegenden Gemeinden wieder sauber. Die Behörden wollen jedoch erst nach weiteren Tests ohne Chlor Entwarnung geben.

Das Chlor habe seine «Wirkung erreicht», teilte der kantonale Krisenstab (KKS) am Montagnachmittag mit. Die letzten Proben des Amtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (ALV) bei Pumpwerken, Trinkwassernetzen und Laufbrunnen hätten keine Kolibakterien mehr enthalten.

Noch keine Vergiftungsfälle bekannt

Bevor man das Leitungswasser wieder freigeben kann, seien jedoch noch Proben abzuwarten, die nach dem Ende der Chlorierung genommen werden. Erst wenn auch diese alle keimfrei seien, könne man Entwarnung geben. Dies sei nicht vor kommendem Donnerstag möglich. So lange müsse man Wasser zum Trinken und Kochen weiterhin abkochen. Man setze aber alles daran, dass das Wasser ab Donnerstag wieder bedenkenlos getrunken werden kann, so die Verantwortlichen.

Konkret muss man Wasser zwingend über drei Minuten kochen lassen. Babynahrung soll man nur mit Mineralwasser zubereiten. Unbedenklich sind Geschirrspülen, Duschen und Zähneputzen. Die Bevölkerung scheint diesen Anweisungen bisher zu folgen: Im Spital Liestal wurde bis Montag keine Person aufgrund der Trinkwasser-Thematik behandelt.

Ursache immer noch unbekannt

Weiterhin unbekannt bleibt derweil auch die Ursache der Verunreinigung. Ausschliessen als Quelle der Verschmutzung könne man derzeit das Grundwasser und die Wasser-Quellen, hiess es weiter. Vermutet wird, dass die Verunreinigung durch eine Baustelle entstanden ist. Erstmals gewarnt worden war vor der Keimbelastung am vergangenen Freitag.

«Einen solchen Befund an Anzahl Bakterien im Wasser hatten wir noch nie. Es war unmöglich, auf die schnelle nachzuvollziehen, wie hoch die Belastung war oder wie gefährlich die gefundenen Bakterien sind», so Kantonschemiker Peter Brodmann.

Kritik zurückgewiesen

Von der Trinkwasserverschmutzung betroffen sind neben Liestal auch die Baselbieter Gemeinden Arisdorf, Lausen, Seltisberg und Lupsingen sowie das solothurnische Nuglar-St. Pantaleon. Diese Gemeinden beziehen zeitweise Trinkwasser von Liestal.

Kritik an der Kommunikation der Behörden liess Rolf Wirz vom Informationsdienst des KKS nicht gelten. Rund um das Ereignis wurde kritisiert, dass die Behörden zu nachlässig informiert hätten. «Noch nie habe ich in einer solchen Breite Informationskanäle bedient, wie am Freitag», erklärte er.

Neben Medienmitteilungen, Informationen via Apps, Webseiten und Sozialen Medien seien auch beispielsweise Alterssiedlungen umgehend informiert worden. «Auch die Spitex haben wir damit beauftragt, bei den Besuchen auf die Wasserverschmutzung hinzuweisen», so Wirz

«Früher war das auch so»

Das Drucken von Flyern oder der Einsatz von Lautsprechern, wie er andernorts erfolg sei, sei in Liestal weder realistisch, noch verhältnismässig gewesen. Auch das Auslösen des Sirenenalarms schlossen die Behörden aus.

«Ausserdem: Was ist falsch daran, wenn man durch die Nachbarn informiert wird? Früher war das auch so», meinte Wirz.

(kom/sda)