Basel

06. November 2019 04:46; Akt: 06.11.2019 06:49 Print

Bei diesem Rotlicht hält niemand an

Sperrt die Polizei auf der Autobahn nach einem Unfall eine Spur mit einer Ampel, wird das Rotlicht garantiert missachtet. Ein Verkehrspsychologe erklärt, warum das so ist.

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14 Fahrzeuge sind in der Nacht auf Sonntag trotz Sperrung per Lichtsignal in die Einfahrt des Autobahnzubringers Luzernerring in Richtung einer Unfallstelle gefahren und wurden gebüsst. Die Unachtsamkeit der Autofahrer ist notorisch.

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2017 kontrollierte die Basler Polizei das Beachten der Lichtsignale auf der A2 in Richtung Deutschland. Dabei hagelte es innert drei Stunden über 500 Bussen, weil viele die roten Ampeln überfahren hatten. 2018 bekamen 153 Autolenkende bei einer Kontrolle auf der A2 bei Basel eine Ordnungsbusse in Höhe von 250 Franken aus dem selben Grund. Diesen Sommer fuhr eine Frau mit elektrischem Rollstuhl auf der Autobahn. Auch damals wurde die Fahrbahn per Lichtsignal gesperrt, um die Frau zu schützen. Und wieder wurden die Ampeln reihenweise missachtet.

Viele halten es für eine Störung

Verkehrspsychologe Urs Gerhard sieht drei Gründe, weshalb Ampeln auf Autobahnen oft ignoriert werden: Erstens gäbe es die Tunnelangst. «Gewisse Autofahrer haben Panik vor einem Stillstand in einem Tunnel», erklärt er. Andere wiederum seien schlicht zu ungeduldig, um die geänderten Verkehrsführung zu beachten.

«Schliesslich gibt es jene, die vermuten, es handle sich beim Signal um eine Störung.» Diese machen den grössten Teil der Rotsünder aus, so der emeritierte Dozent der Universität Basel. «Ähnlich wie bei den Warnlampen im Auto gehen die Fahrer davon aus, dass das Signal keine Dringlichkeit besitzt», wie der 69-Jährige sagt. All dies hätte auch viel damit zu tun, dass Ungewohntes erst einmal ignoriert würde.

«Blind dem Navi folgen»

Toprak Yerguz vom Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt verweist ausserdem darauf, dass sich fehlbare Autolenker «vom nachfolgenden Verkehr gedrängt fühlen». Und nachfolgende Lenker sehen ihre Durchfahrt aufgrund des Voranfahrenden legitimiert. Er fügt aber auch an, dass viele Autofahrer ihrem Navigationsgerät zu sehr vertrauten und deshalb «die Signalisation zu wenig beachten».

Wäre es denn nicht sinnvoller gewesen, die Barriere auszuziehen, die an der Tunneleinfahrt beim Luzernerring schon vorhanden ist? Das sei keine Option, meint Yerguz. Dies müsste man weit vorne ankündigen, was zu aufwendig wäre. Denn: «Diese Lichtsignalanlage ist genauso gut sichtbar wie jede andere in der Stadt.» Gerhard pflichtet dem bei: «Bei einer Barriere besteht ausserdem die Gefahr weiterer Kollisionen», sagt er.

Der Verkehrspsychologe hat aber auch Verständnis für all jene, die über Rot zur Unfallstelle gefahren sind. «Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn sie die Ampel vor der Tunneleinfahrt beim Luzernerring zu spät gesehen haben, gibt es im Tunnel ja kein Zurück mehr.»

(obr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Müller am 06.11.2019 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlplanung

    Das Rotlicht müsste weiter vorne stehen, damit man noch die Spur wechseln kann! Wer direkt bei diesem Rotlicht anhält kann weder wenden noch die Spur wechseln! Völlige Fehlplanung!

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  • Peter am 06.11.2019 06:06 Report Diesen Beitrag melden

    Verkehssicherheit = Steuer

    Hier wird der Autofahrer eh nur schikaniert und solche Signale hauptsächlich eingeschaltet um den Fleißigen Bürger um sein erspartes zu bringen. Alles im Namen der Verkehrssicherheit. Eine verlogenere Politik und justizarbeit gibt es nur hier. Bsp. ZH Nordring gewöhnlich 100. Wenn ein Blitzer steht dann 80.. A1 Rheinfelden <> Brugg 120/100 regelmässige Signalisation einer imaginären Baustelle Wochenlang 80 obwohl kein Mensch und keine Maschine am Arbeiten ist. Hauptsache Blitzen! Das Argument der Verkehrssicherheit ist mit den Budgetierten Einnahmen der Bussen nicht mehr Glaubwürdig!

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  • Ben am 06.11.2019 05:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja noch Fragen

    Nun wenn das Rotlicht eine Spur sperrt, und ich dann feststelle, dass dies aus keinem ersichtlichen Grund geschah und dies immer wieder mal vorkommt (immer im selben Tunel) dann irgendwann erachte ich diese Signalanlage als irrelevant. Noch Fragen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • dmc am 07.11.2019 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seil am Mann

    Klar können Hampelmänner nicht halten! Die werden geführt und können nicht sehen !

  • Mario am 07.11.2019 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wären es Velofahrer...

    Wären es Velofahrer, welche die Ampel missachten, könnte der Aufschrei wohl nicht grösser sein. Nun sind es aber Autofahrer, und da ist natürlich die Ampel schuld. Hauptsache die Autofahrer verhalten sich immer korrekt.

  • Ratmal Werwol am 07.11.2019 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so oder anders?

    Beim Rotlicht auf der Autobahn darf man nicht anhalten, sondern muss die Spur wechseln. Anhalten wär so ziemlich das Dümmste.

    • Tom am 07.11.2019 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ratmal Werwol

      Es ist nicht auf der autobahn sondern bei der einfahrt.

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  • Als am 07.11.2019 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich

    Berner hielt hier an! Hinter mir wurde gehupt? Aber für mich heisst rot Stop?

  • Thömu Meier am 07.11.2019 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anderer Fall

    Im Tunnel Brüglingerstrasse beim Joggeli kracht es auch öfters. Da wird dann immer grosszügig mit Pylonen und Schildern abgesperrt, da fährt keiner mehr durch. Vor der roten Ampel ein Schild mit Unfall wäre wohl für die Sicherheit aller Beteiligten nicht zu viel verlangt.