Basel

11. Mai 2017 18:07; Akt: 11.05.2017 18:22 Print

Besetzer haben sich im Klybeck einquartiert

Vor einem Monat kam es in einer Liegenschaft an der Türkheimstrasse zu einer Räumung. Die Besetzer haben sich nun neu in der Schlossgasse eingefunden.

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Seit dem 10. Mai ist die Liegenschaft an der Schlossgasse 12 besetzt.

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«Es herrscht Aufbruchstimmung!» steht in grossen Lettern im Communiqué von Socken Bop. Socken Bop ist eine sprechende Socke und vertritt die Besetzergruppe, die sich in der leerstehenden Liegenschaft an der Türkheimerstrasse eingefunden hatte, bis diese nach nicht einmal zwei Wochen am 10. April von der Polizei wieder geräumt wurde. Genau einen Monat nach der Räumung hat sich die Gruppe nun in der Schlossgasse 12 einquartiert.

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Das dortige Wohnhaus steht schon seit mehreren Jahren leer. «Ungepflegte Häuser werden früher oder später baufällig oder gehen kaputt», schreibt die Gruppe im Communiqué. Individuell sprechen will keiner der Besetzer. Mit der Besetzung wollen sie sich der Verdrängung der «kleinen Leuten» aus der Stadt entgegenstellen – und damit auch der rot-grünen Regierung, die «lieber mit Spekulanten und Multis Cüplis trinkt», anstatt gegen die Verdrängung aktiv zu werden. Man wolle ein Zeichen setzen für «ein solidarisches Zusammenleben».

Eigentümer der Liegenschaft wartet ab

Jeder, der zum Beispiel nicht alleine kochen, lernen oder Musik hören wolle, sei willkommen. Auch, wer von Mieterhöhung oder Rauswurf bedroht sei: «Schliessen wir uns zusammen, besetzen die Häuser und verwalten uns selbst!», so der Aufruf. Man solle nicht nach dem Diktat von Wirtschaft und Politik leben, sondern «alles verändern, wie wir es haben wollen!»

Doch will es der Eigentümer der Liegenschaft auch so haben? «Vorläufig warten wir ab», sagt Christian Müller, Geschäftsführer der CM Bauten GmbH, der die Liegenschaft an der Schlossgasse gehört. Am Nachmittag des 10. Mai seien zwei der Besetzerinnen zu ihm ins Büro gekommen und hätten ihn über die Besetzung informiert. Er wurde zu einer gemeinsamen Besprechung in der Schlossgasse eingeladen. «Dort haben wir erklärt, was wir wollen, und sie haben erklärt, was sie wollen», so Müller.

Wohnhaus wurde bereits 2016 besetzt

Ob sich die Vorstellungen der Besetzer mit den Bedingungen des Liegenschaftseigentümers zusammenbringen lassen, bleibe abzuwarten. Eine Anzeige gegen Hausfriedensbruch, welche bei Unnachgiebigkeit zu einer Räumung führen würde, habe Müller keine aufgegeben. «Die Besetzer haben das Gespräch mit mir gesucht, nun sprechen wir miteinander. Eine Anzeige ist deshalb sicher noch nicht nötig. Es könnte ja auch gut verlaufen.» Zu den Vorwürfen der Gruppe in ihrem Communiqué sagt Müller: «Dass die Liegenschaft so lange leersteht, war nicht geplant.» Die Umbauarbeiten haben sich verzögert und sollen nun im Spätsommer oder Herbst beginnen. Auch werde die Liegenschaft aus den 1920ern schlichtweg renoviert. «Luxuswohnungen sind keine geplant. Das Objekt wäre dazu auch gar nicht geeignet», fügt er an.

Bereits im Mai 2016 war dasselbe Haus in der Schlossgasse kurzzeitig von einer anderen Gruppe besetzt worden. «Nach einer Kontrolle der Polizei sind die Besetzer freiwillig gegangen. Zu einer Räumung kam es nicht», sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz. Betreffend dem aktuellen Fall «steht die Polizei mit dem Liegenschaftseigentümer in Kontakt», so Yerguz. Mehr liesse sich soweit nicht dazu sagen.

(rob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jamaika Jamal am 11.05.2017 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausmisten

    In welchem Land sind wir eigentlich das die Leute glauben sie dürfen sich alles erlauben? Eine gründliche Razzia wäre hier fällig.

    einklappen einklappen
  • Typhoeus am 11.05.2017 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider gibt es nur einen Weg

    Mit Polizeiaufgebot räumen und Tür zumauern

    einklappen einklappen
  • Dogcop am 11.05.2017 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasser und Strom

    Und die grösste Frechheit ist, dass man denen nicht mal Wasser und Strom abstellen darf. Wenn nichts mehr geht, verschwinden sie sicher rasch wieder. Aber nein, wir Steuerzahler dürfen Löhnen. Danke Politik in Basel.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pfützolof am 12.05.2017 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Daumen runter

    Leider vergesst Ihr alle, dass dies nur die Sache des Besitzers ist, und der ist mit den Besetzern in Kontakt. So, wie es aussieht, kommen sich die beiden Parteien gegenseitig entgegen, was alle Eure "Meinungen" (Räumen, Abreissen, Wasser und strom abstellen) zu reiner Polemik degradiert. Wenn der Besitzer das duldet, habt Ihr eh nichts zu sagen. Zeigt nur wieder mal die verbohrte Eistellung vieler Leute.

  • PS;L am 12.05.2017 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Probleme?

    Solange es den Eigentümer nicht stört, wieso der Ganze Hass? Es braucht doch schon einiges damit ein Haus lange genug leersteht, dass es für Besetzer interessant ist. Auch wird nach einer Besetzung meist endlich was getan. Das Haus renoviert ober neu gebaut. Alles ist besser als diese leeren Ruinen - da kann ich die Besetzer verstehen! Es schadet keinem und der Wasser Energieverbrauch ist verschwindend klein. Da Kostet der Private Taxi-dienst des Polizeichefts das X-fache! Ich selbst könnte nie so leben, aber ich bin froh, tun es einige!

  • Reto D am 12.05.2017 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Anstelle der "rostigen Paragraphen" wäre

    ....ein kantonales Zwischennutzungsgesetz zu erlassen, welches bei längern Leerständen greift und auch im Interesse der Eigentümer liegt (Nutzungsordnung, Beschränkungen, Sicherheitshinterlegungen, Abgeltung u. dgl.). Es würde auch der Behörde die Handhabe geben, diesem Wildwuchs ohne Verzug Einhalt zu gebieten.

  • Marq46 am 12.05.2017 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein/Dein

    Mein/Dein ist bei Hausbesetzer schon lange kein Thema mehr.Und warum muss bei jeder Hausbesetzung alles versprayt werden, und zwar mit Texten die so primitiv wie die Hausbesetzer selber sind (siehe Türkheimerstrasse). Suchen diese Leute wirklich Wohnraum? Nein, sie haben alle ein Aufmerksamkeits-Syndrom. Mal sehen wie Hausbesetzer reagieren würden wenn sie mal selber Hausbesitzer sein sollten .........

  • Erfreute Leserin am 12.05.2017 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück und guten Mut!

    Warum freut man sich denn nicht über junge Menschen, die was anderes probieren? Liest sich doch toll, zusammen leben, sich helfen, solidarisch sein und mal probieren, ob Schritte gegen die Profitlogik des Kapitalismus gemacht werden können. Ausserdem sind sie mit dem Eigentümer in Kontakt, auch das liest sich doch ganz sympathisch! Viel Glück und guten Mut!