11. April 2008 22:57; Akt: 11.04.2008 23:03 Print

Blutiger Familienstreit vor Gericht

Vor dem Basler Strafgericht hat am Freitag ein Prozess gegen fünf Türken begonnen, denen die Beteiligung an der Tötung eines Landsmannes vorgeworfen wird. Die Anklage lautet auf Mord, versuchten Mord und Gehilfenschaft zu Mord.

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Bei den fünf Angeklagten handelt es sich um vier Brüder im Alter zwischen 37 und 43 Jahren und ihren 27-jährigen Neffen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, am 26. Oktober 2005 in der Nähe des Lokals «Sichtbar/Unsichtbar» in Kleinbasel einen Landsmann umgebracht zu haben. Der älteste Bruder und der Neffe sind der Täterschaft, die übrigen Brüder der Gehilfenschaft angeklagt.

Mordversuch in Zürich

Der älteste Bruder muss sich zudem wegen eines weiteren Mordversuchs in Zürich im Oktober 2001 verantworten. Der auf elf Arbeitstage angesetzte Prozess hat am Freitag mit der Befragung des ältesten Angeklagten zur Person und zum Vorfall in Zürich begonnen.

Der heute 43-Jährige verbrachte in der Türkei mehrere Jahre im Gefängnis und wurde dabei auch gefoltert. 1990 kam er in die Schweiz, sein Asylantrag wurde 1991 gutgeheissen.

Mit dem Vorfall in Zürich, bei dem am 16. Oktober 2001 zwei Männer durch Schüsse schwer verletzt wurden, habe er nichts zu tun, sagte der Angeklagte. Einer der beiden Angeschossenen ist seit dem Vorfall vollständig arbeitsunfähig.

Familienstreit

Hintergrund des Tötungsdeliktes von Basel bildet der Streit zwischen zwei türkischen Familien. Auslöser scheint gemäss Anklageschrift die Vorstellung des jüngsten der vier angeklagten Brüder gewesen zu sein, seine damalige Freundin habe eine Affäre mit einem Sohn des späteren Opfers.

Den tödlichen Schüssen vor der «Sichtbar/Unsichtbar» gingen mehrere Zwischenfälle mit körperlicher Gewalt und verbalen Drohungen voraus.

So kam es unter anderem am Morgen des 26. Oktober 2005 zu einer tätlichen Auseinandersetzung, bei der auch der älteste der angeklagten Brüder verletzt wurde. Laut Anklageschrift ging die Initiative immer von den Angeklagten aus.

Spätestens im Verlauf seines Aufenthaltes in der Notfallstation habe er konkret beschlossen, den Bruder seines vermeintlichen Nebenbuhlers zu töten, wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor.

Zum tödlichen Showdown kam es kurz vor zehn Uhr abends. Die vom ältesten Angeklagten abgegebenen Schüsse trafen aber nicht den Bruder, sondern den Vater des angeblichen Nebenbuhlers. Auf das bereits mit dem Tod ringende Opfer habe der Neffe der angeklagten Brüder noch mit einer Stahlrute eingeschlagen, heisst es in der Anklageschrift.

Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt. Die Beweisaufnahme sieht auch die Einvernahme zahlreicher Zeugen vor. Die Verhandlung ist abgesehen von der Urteilsverkündung nicht öffentlich. Das Urteil wird voraussichtlich am 25. April eröffnet.

(sda)