Bluttat in Basel

22. März 2019 10:31; Akt: 23.03.2019 00:42 Print

«Unser Junge ist weg, es geht uns ganz schlecht!»

Eine 75-jährige Schweizerin tötete am Donnerstag einen Siebenjährigen in Basel auf offener Strasse. Die Mutter befand sich zur Tatzeit im Spital.

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Der Schock in Basel sitzt tief, Anteilnahme und Fassunglosigkeit sind gross. Nur 300 Meter vom Gotthelf-Schulhaus entfernt wird am Donnerstagmittag der 7-jährige Primarschüler I.M.* auf brutale Arte und Weise getötet.

Der Bub ist nach dem Unterricht auf dem St. Galler-Ring alleine auf dem Heimweg als er um zirka 12.30 von einer 75-jährigen Frau attackiert wird. Die Schweizerin sticht auf I.M. ein, der Knabe bricht blutüberströmt auf dem Trottoir zusammen.

Die mutmassliche Täterin verlässt den Tatort. Kurz darauf wird der schwer verletzte Bub von seiner Klassenlehrerin gefunden, die auf dem Velo auf dem Heimweg ist, wie Kriminalkommissär Peter Gill sagt. Sie alarmiert sofort die Rettungsdienste. Notarzt und Sanität der Rettung Basel-Stadt versuchen das Kind zu reanimieren. Im Uni-Kinderspital wird er notoperiert. Vergeblich: Der Schüler erliegt seinen schweren Verletzungen.

Wie Augenzeugen gegenüber der «Basler Zeitung» angeben, wies das Kind Verletzungen im Halsbereich auf. Anwohner berichten zudem von einem Streit, den sie gehört hatten.

Das Tatmotiv ist völlig unklar

Gleich nach dem Alarm wird die Fahndung nach der Täterin eingeleitet. Wenig später stellte sich eine 75-jährige Schweizerin bei der Staatsanwaltschaft und teilt mit, dass sie das Kind angegriffen habe. Die Frau wird festgenommen.

Der Grund des Angriffs und der Tathergang sind noch weitgehend unklar und Gegenstand der Ermittlungen der Kriminalpolizei sowie des Instituts für Rechtsmedizin. «Wir wissen nicht, in welcher Beziehung die mutmassliche Täterin zu dem Kind stand», so Kriminalkommissär Peter Gill. Darum bittet die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe.

«Wir sind sehr darauf angewiesen, dass sich Zeugen bei uns melden.» Das Delikt sei sehr gravierend und schlimm. Wer Hinweise geben könne, solle sich bei der Kriminlapolizei Basel-Stadt Tel. 061 267 71 11 in Verbindung setzen.


(Video: Tamedia/Mischa Hauswirth)

Mutter lag zum Tatzeitpunkt im Spital

Wie mehrere Quellen gegenüber 20 Minuten bestätigen, war der Bub ein Kosovo-Albaner. Die Mutter lebt laut albinfo.ch seit sieben Jahren in der Schweiz, der Vater sei in Basel aufgewachsen.

Normalerweise wird der 7-Jährige von seiner Mutter von der Schule abgeholt, erzählt ein Bekannter der Familie gegenüber albinfo.ch. Doch in den letzten Tagen musste sie sich im Spital behandeln lassen, wie sie dem «Blick» berichtet. Vor zwei Tagen habe sie ihren Sohn das letzte Mal gesehen, als er sie am Krankenbett besuchte. «Es geht uns ganz schlecht. Wir können nicht glauben, was passiert ist. Unser Junge ist weg!», sagt sie der Zeitung.

Die Familie wurde am Nachmittag von der Staatsanwaltschaft über die Tötung ihres Kindes informiert. «Die Familie wurde dann den gesamten Nachmittag im Universitäts-Kinderspital von einem Care Team betreut», so der Sprecher der Staatanwaltschaft Peter Gill. Berichte wonach die Mutter erst am Abend von der Bluttat erfuhr, seien falsch, stellte er klar.

Mitschüler sind geschockt

Simon Thiriet vom Erziehungsdepartement Basel-Stadt bestätigt auf Anfrage von 20 Minuten, dass der Bub die Primarschule im Gotthelf-Schulhaus besuchte. «Die ganze Schule ist nach dieser traurigen und unfassbaren Tat geschockt. Es gilt nun, am Freitag zusammen mit Spezialisten des Schulpsychologischen Diensts, den Vorfall mit den Klassen zu thematisieren und ein erstes Mal zu verarbeiten.»

Am Samstag um 14 Uhr soll in Basel ein Trauermarsch für den ermordeten 7-Jährigen Knaben stattfinden. Dazu aufgerufen wurde via Facebook-Post. Kosovarische Kreise unterstützen den Aufruf.

*Name der Redaktion bekannt

(lha/qll)