«Schock, Trauer und Enttäuschung»

14. Mai 2019 17:50; Akt: 14.05.2019 20:40 Print

Kater Gringo (1) wurde aufs Übelste zugerichtet

Bei Katzenhaltern in Reinach BL geht die Angst um. Mehrere Fälle von vermuteter Tierquälerei erschüttern die Gemeinde. Das jüngste Opfer, Kater Gringo, kämpft um sein Leben.

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Ein Schädel-Hirn-Trauma, gebrochener Kiefer, Frakturen an allen Zehen an einer Vorderpfote, abgeschnittene Schnurrhaare. Das ist nur ein Auszug aus der Liste der Verletzungen, die die behandelnden Ärzte beim einjährigen Kater Gringo festgestellt haben. «Als ich am Sonntag aufgestanden bin, fand ich meine Katze schwer verletzt in meiner Wohnung vor», schrieb ihr Besitzer in einem Mail an 20 Minuten.

«Wie ein Häufchen Elend, die Augen geschlossen das vordere rechte Pfötchen hängend und ganz dick. Er stank nach Kot und reagierte nicht. Bei Berührungen miaute er ganz komisch und seine Atmung war rasend schnell», erzählt der junge Mann.

Zunächst hätten er und seine Freundin vermutet, dass Gringo angefahren wurde. Am Verletzungsbild habe sich aber bald gezeigt, dass dieses Szenario eher unwahrscheinlich ist. Auch die Tierärztin habe es ausgeschlossen. Wahrscheinlicher ist, dass Gringo Opfer eines Tierquälers wurde. «Ich bin schockiert, traurig und enttäuscht», beschreibt der Besitzer seine Gefühlslage gegenüber 20 Minuten.

Reinacher leiden mit Gringo mit

«Was gibt es nur für furchtbare Menschen? Gute Besserung dem Büsi!», schreibt eine Reinacherin auf Facebook. Dort bewegt das Schicksal von Gringo viele Tierfreunde. «Es bricht mir das Herz», schreibt eine andere. Ein entsprechender Post wurde in mehreren Gruppen geteilt und wird fleissig kommentiert. «Mir laufen die Tränen, wie schrecklich. Ich hoffe, euer Schatz erholt sich», so eine Userin.

Laut den Tierärzten stehen die Chancen gut, dass Gringo sein Martyrium übersteht: «Seine Organe sind in Ordnung. Und er ist ein junger, zäher Kater», berichtete sein Besitzer am Dienstag.

Geht in Reinach ein Tierquäler um?

Gringo ist kein Einzelfall. Erst am Freitag wurde der Polizei ein weiterer Fall aus Reinach gemeldet und Anzeige gegen Unbekannt erstattet. «Die Besitzer fanden ihre Katze mit diversen Verletzungen zu Hause auf», so Polizeisprecher Roland Walter. Auch der sechsjährigen Häxli wurden wie Gringo unter anderem die Schnurrhaare abgeschnitten. «Das ist nun definitiv mutwillig erfolgt», stellte der behandelnde Tierarzt gegenüber «Telebasel» fest.

«Sie geht kaum raus und hat sehr Angst, wenn man sie anfasst», sagt der Besitzer von Häxli. Seit dem Vorfall habe sich ihr Wesen ganz verändert und sie sei sehr unruhig geworden.

Erst Ende März war nur unweit dieses Quartiers ein Igel aufgeschlitzt und in einem Briefkasten entsorgt worden. Und Anfang Mai wurde ebenfalls in Reinach eine tote Katze in einem Vorgarten gefunden. Einzelheiten dazu sind nicht bekannt.

Kantonstierarzt mahnt zu Besonnenheit

«Entscheidend sind die tierärztlichen Befunde», sagt der Baselbieter Kantonstierarzt Thomas Bürge. Tierquälerei könne ohne genaue Untersuchung nicht ausgeschlossen werden, allerdings erhärte sich der Verdacht nur in den wenigsten Fällen.

Katzen seien als Freigänger grundsätzlich unfallgefährdet, im Verkehr oder durch Stürze beim Klettern, so Bürge. «Wenn eine Katze angefahren wird, kann sie im Schock so davonlaufen, dass gar ihre Krallen abbrechen», sagt er.

(las)