Eptingen BL

08. März 2020 18:31; Akt: 09.03.2020 12:09 Print

Burgruine lag unter begrabener Katze

Bis zur Ausgrabung war von der Burgruine im Fels der Riedfluh bei Eptingen BL nichts zu sehen. Die Entdeckung dieser Grottenburg ist einem Zufall geschuldet.

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Weil im Jahre 1959 Kinder den Tod ihrer Katze verschmerzen mussten, verdankt die Archäologie Baselland die Entdeckung einer hochmittelalterlichen Grottenburg. Denn die Kinder begruben – in Zeitung eingewickelt – ihr Büsi in einer Felshöhlung bei Eptingen, in der zwischen 1050 und 1200 n. Chr. Ritter gelebt haben sollen, wie die Archäologie Baselland in einem Facebookpost schreibt. Die Kinder hatten nämlich beim Beerdigen ihrer Katze Keramikscherben zu Tage gefördert, die ein Hobbyarchäologe dann nochmals fast zehn Jahre später fand. Bei ersten Schürfungen 1968 stiessen die Archäologen dann sogleich auf eine Burgmauer. 1981 bis 1983 legte dann die Archäologie Baselland die Burgruine frei und konservierte sie. Der Kern der Burg in der Riedfluh sei in der Zeit um 1050 n. Chr. entstanden.Noch vor 1100 n. Chr. erfolgte dann ein weiterer Ausbau, bei dem auch Buntsandstein eingesetzt wurde. In einem letzten Ausbauschritt wurde der Hangbereich vor der Burg überbaut, ein neues Zugangstor errichtet und in einer Felsnische einen Hochsitz zur Überwachung dieser Pforte eingerichtet. Anhand der Fundgegenstände ziehen die Archäologen Rückschlüsse auf die Gewohnheiten und Lebensweisen der Adelsleute: Gefunden wurden zum Beispiel Schachfiguren oder Spielwürfel. Organische Reste deuten auf die Essgewohnheiten der Burgbewohner hin: Die aufgetischten Speisen waren ausgewogen, was ebenfalls von Wohlstand zeugt. Die Archäologen nehmen an, dass die Burg den Herren von Eptingen gehörte. Dieses Adelsgeschlecht taucht in Schriftquellen erst nach 1200 auf. Daher ist die Burg eine wichtige, wie faszinierende Quelle.

Dank dem Begräbnis eines Katers wurde ein Hobby-Archäologe auf hochmittelalterliche Keramikscherben aufmerksam.

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Dass im Jahre 1959 Kinder den Tod ihrer Katze verschmerzen mussten, verdankt die Archäologie Baselland die Entdeckung einer hochmittelalterlichen Grottenburg. Denn die Kinder begruben – in Zeitung eingewickelt – ihr Büsi in einer Felshöhlung bei Eptingen, in der zwischen 1050 und 1200 n. Chr. Ritter gelebt haben sollen, wie die Archäologie Baselland am 5. März in einem Facebookpost schreibt.

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Die Kinder hatten nämlich beim Beerdigen ihrer Katze Keramikscherben zu Tage gefördert, die ein Hobbyarchäologe dann nochmals fast zehn Jahre später fand. Bei ersten Schürfungen 1968 stiessen die Archäologen dann sogleich auf eine Burgmauer. 1981 bis 1983 legte dann die Archäologie Baselland die Burgruine frei und konservierte sie.

Etappenweiser Ausbau

Der Kern der Burg in der Riedfluh sei in der Zeit um 1050 n. Chr. entstanden. Nach einer Brandkatastrophe unterteilten die Bewohner die Räume neu und verstärkten die Bausubstanz. Noch vor 1100 n. Chr. erfolgte dann ein weiterer Ausbau, bei dem auch Buntsandstein eingesetzt wurde. Die qualitätvolle architektonische Ausstattung der Burg könnte Hinweis darauf sein, dass Handwerker der Basler Münsterbauhütte beigezogen wurden. Und dass gewisse Räume repräsentativen Charakter hatten.

In einem letzten Ausbauschritt wurde der Hangbereich vor der Burg überbaut, ein neues Zugangstor errichtet und in einer Felsnische einen Hochsitz zur Überwachung dieser Pforte eingerichtet. Der Typus Grottenburg sei äusserst selten in der Jurakette anzutreffen, schreibt die Archäologie Baselland. Diese kommen eher im alpinen Raum vor.

Adlige waren Zocker

Die Riedfluh wurde denn auch bereits um 1200 – wiederum nach einer Brandkatastrophe – verlassen. Anhand der Fundgegenstände ziehen die Archäologen Rückschlüsse auf die Gewohnheiten und Lebensweisen der Adelsleute: Gefunden wurden zum Beispiel Schachfiguren oder Spielwürfel. Diese zeigen, die Ritter und Adelsdamen hatten auch den Luxus Freizeit.

Weiter weisen verkohlte organische Reste auf die Essgewohnheiten der Burgbewohner hin: Die aufgetischten Speisen waren ausgewogen, was ebenfalls von Wohlstand zeugt. Die Archäologen nehmen an, dass die Burg den Herren von Eptingen gehörte. Dieses Adelsgeschlecht taucht in Schriftquellen erst nach 1200 auf. Daher ist die Burg eine wichtige, wie faszinierende Quelle. Im 3D-Modell kann die Burg nun virtuell besichtigt werden.

(obr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pascal Keller am 08.03.2020 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    toller Beitrag

    bitte bringt mehr solche Beiträge. sowas ist informaiv und interessant.

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  • Sprechblase am 08.03.2020 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top

    Vielen Dank für den Beitrag u. eben, bitte mehr davon. Wohne in BL und kenne den Ort.

  • Chief Operating Officer bei Umbrella Cor am 08.03.2020 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kenn ich...

    Dort waren wir auch schon. Intressannt dort :0)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • wagner marcel am 09.03.2020 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    burgen

    als Burgen kenner immer ein muss haben auch eigene HP www.burgenseite.ch

  • M. Wallace am 09.03.2020 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr cool!

    Bin aus SG und ständig auf der Suche nach interessanten Burgruinen. Werde auf jeden Fall einen Trip zu dieser Burg einplanen. Danke für den interessanten Beitrag!

  • Wahrheitsfinderin am 08.03.2020 23:08 Report Diesen Beitrag melden

    Verstecktes ins Licht tragen

    Was wird man wohl in RFs Altlasten-Gartenboden finden, wenn man mal anfängt dort zu graben? Ich meine, ausser seiner Persönlichkeit...

  • Klaas K. am 08.03.2020 22:31 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Unglaublich, wie solch einfach gestrickte Artikel bei der 08/15 bzw. Durchschnittsbevölkerung mit einfacher Basisausbildung, Begeisterung auslösen. Lachhaft.

    • Dagobert D. am 08.03.2020 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaas K.

      Wieso einfache Basisausbildung? Ich bin Doppeldoktor und finde das überhaupt nicht lachhaft? Ist doch schön mal einen Artikel ohne Corona...

    • Jennifer de Bosch am 08.03.2020 23:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Klaas K.

      Es sind halt nicht alle so "hochgebildet" wie ein Klaas K.! Auch wenn wir alle nur mit der einfachen Basisausbildung gewappnet sind, haben Sie nicht das Recht uns als lachhaft zu bezeichnen. Auch Sie kommen irgendwann einmal auf den Teppich herunter: Hochmut kommt vor dem Fall.

    • Mirim am 09.03.2020 00:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaas K.

      Ich denke Klaas K sein leben lang gewartet damit er diesen Satz irgendwann, irgendwo reinschreiben kann.

    • Eva am 09.03.2020 00:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaas K.

      Man ist nie ausgelernt... und der Charakter eines Menschen ist immer noch das wichtigste, wichtiger als Bildung... Man stellt sich nicht über anderen... Respekt ist das A und O in der Gemeinschaft!

    • *Lexy* am 09.03.2020 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaas K.

      Haben sie den irgend eine Art von Ausbildung gemacht? ps: Alles aus Entenhausen zählt nicht.

    • Babsy Moser am 09.03.2020 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaas K.

      Einbildung ist keine Ausbildung!

    • h.müller am 09.03.2020 07:16 Report Diesen Beitrag melden

      ach was

      Klaas, ich bin mir sicher dass Sie den doppelbändigen wissenschaftlichen Grabungsbericht über diese Ruine nicht gelesen haben. (ich schon) . Natürlich ist der Artikel hier nur ein Abriss davon, aber er macht viele Menschen auf diesen interessanten Platz aufmerksam und ist tausendmal besser als der endlose Quatsch über irgendwelche ach so wichtige Promis, neueste Tablets und sonstige Volksverblödung.

    • Adam am 09.03.2020 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eva

      Genau ihre Meinung! Wenn da nicht der Durchschnittschweizer wäre der sich besser als alle anderen findet nur weil er Schweizer ist. Kann man hier täglich zur genüge lesen. Alles ist besser hier. Und plötzlich liest man, daß die romands einen test gemacht haben in welchem zum Vorschein kommt, das zum Beispiel unser Fanta weniger Frucht, dafür mehr zucker hat als in der EU. Oder bouillon würfel, die haben hier weniger Gemüse etc drin als in der EU... Usw

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  • Spezialex am 08.03.2020 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Gab es 1959 schon Kinder, dachte die seien jünger.