Schiesserei Café 56

09. Dezember 2018 15:29; Akt: 09.12.2018 16:19 Print

Eiskalte Abrechnung glich einer Exekution

Im März 2017 kam es in einem Basler Lokal zu einer Schiesserei mit zwei Toten und einem Verletzten. Einer der mutmasslichen Täter steht ab Montag vor dem Strafgericht.

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Am 9. März 2017 betraten zwei bewaffnete Männer das Café 56 an der Basler Erlenstrasse und hinterliessen ein Blutbad. Sie erschossen zwei der Gäste. Ein drittes Opfer überlebte die Schüsse schwer verletzt. Die brutale Tat erschütterte die Schweiz.

Bei den Getöteten handelt es sich um einen 28- und einen 39-jährigen Albaner, wie bereits einen Tag nach der Tat bekannt wurde. Auch der 24-jährige Schwerverletzte war albanischer Staatsangehöriger.

Mutmasslicher Täter wurde drei Mal abgeschoben

Nun steht einer der beiden Männer, der zwei Menschenleben auf dem Gewissen hat, am Montag vor dem Basler Strafrichter. Der Angeklagte ist ebenfalls Albaner und muss sich unter anderem wegen mehrfachem Mord und versuchtem Mord verantworten. Der heute 42-Jährige hat eine kriminelle Vergangenheit. 2002, 2008 und 2015 wurde er von verschiedenen Staaten in sein Heimatland abgeschoben.

Wegen Körperverletzung und Geschäften im Drogenmilieu sass er bereits mehrere Jahre im Gefängnis. Rund ein Jahr vor der Schiesserei in Basel war er schon mit dem hiesigen Gesetz in Konflikt geraten. Wegen rechtswidriger Einreise nach Basel verurteilte ihn die Staatsanwaltscaft zu einer Geldstrafe.

Wollten die Täter eine offene Rechnung begleichen?

Laut Anklage waren sowohl die Täter als auch deren Opfer in Drogengeschäfte verwickelt. Wie der rund 20-seitigen Anklageschrift zu entnehmen ist, waren die beiden tödlich Verletzten und der Schwerverletzte strafrechtlich belastet.

Der Angeklagte und sein Komplize hätten eine «offene Rechnung» mit ihren Opfern begleichen wollen. «Die Beschuldigten fassten den Tatentschluss, die drei Männer in gemeinsamer Tatbegehung unter Einsatz von Schusswaffen zu töten, um damit die Macht der nicht näher ermittelten Gruppierung zu demonstrieren und zu festigen», wirft die Staatsanwaltschaft den beiden mutmasslichen Tätern vor.

Vier Schüsse auf Köpfe und Körper

Die Anklage deckt sich mit den Informationen, die 20 Minuten nach der Tat zugespielt wurden. Mehrere Quellen gaben an, es habe sich um einen Racheakt gehandelt. Laut einem Insider wurden einem Drogendealer zwei Kilogramm Heroin gestohlen. Mindestens eines der Opfer soll an dem Diebstahl beteiligt gewesen sein.

Gefühlskalt und «einer eigentlichen Exekution gleich» schoss der Angeklagte mit einer Faustfeuerwaffe des Kalibers 9 mm fünf Mal aus kurzer Distanz gezielt auf die Köpfe und Körper der drei Opfer. «Vier Schüsse trafen planmässig ihr anvisiertes Ziel», wie die Staatsanwaltschaft in der Anklage festhält. Der fünfte Schuss durchschlug die Scheibe des Lokals und brachte somit Unbeteiligte in Lebensgefahr.

Nach 20 Sekunden war die Schiesserei vorbei

Einer der Schüsse durchschlug den Bauch des Opfers, das kurz darauf an Organversagen starb. Dem zweiten Todesopfer, dem 28-jährigen Albaner, schoss der Beschuldigte erst durch den Rumpf und schliesslich «in völliger Kaltblütigkeit aus unmittelbarer Nähe im Bereich der Stirnmitte in den Kopf».

20 Sekunden nachdem der Angeklagte und der Mittäter das Café 56 betreten hatten, verliessen sie das Gebäude, stiegen in das nahe am Tatort parkierte Auto mit Luzerner Kennzeichen und ergriffen die Flucht.

Rund einen Monat nach der Bluttat kommunizierte die Staatsanwaltschaft die Verhaftung des Angeklagten. Seither sitzt er im Untersuchungsgefängnis Basel-Stadt. Der zweite Tatverdächtige ist bis heute flüchtig.

Voraussichtlich wird das Urteil am 13. Dezember gesprochen.

(jd)