Universität Basel

26. Juli 2019 04:47; Akt: 26.07.2019 10:43 Print

Darum opferst du mit Pumpen deine Ausdauer

Viele Sportler kennen das Dilemma: Entweder sie trainieren auf Kraft oder Ausdauer. Jetzt haben Basler Forscher herausgefunden, warum Muskeln nicht beides können.

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Wer seine Muskeln auf Kraft und Masse pumpt, verliert an Ausdauer. Das weiss auch Fitness- und Personaltrainer Tim Kid (hinten) vom Indigo Fitness Club Zürich mit Lehrling Liam Eisenhut. Forscher der Universität Basel um Christoph Handschin haben herausgefunden, wieso das so ist. Der Botenstoff BDNF baut nicht nur die Muskel um, sondern verändert auch die Schnittstelle zwischen Muskulatur (grün) und Nervensystem (rot). Wer sich so viel Muskelmasse antrainiert wie der US-Bodybuilder und ehemalige Mister Olympia Phil Heath, opfert zwangsläufig die Ausdauer seiner Muskulatur. Dafür nimmt die Kraft zu. Wer hingegen dutzende Kilometer beinahe senkrecht den Berg hochfahren will wie der Franzose Romain Bardet an der Tour de France, braucht nicht viel sondern auf Ausdauer spezialisierte Muskelmasse. Schwierig wirds beim Rudersport, etwa für Sofia Meakin (Bild), denn sie muss sowohl stark als auch ausdauernd sein. Wie Ruderer richtig trainieren sollen, ist eine grosse Frage in der Sportwissenschaft. Julia Haller (24) aus Grenzach-Wyhlen (D) trainiert im Basefit. «Krafttraining macht mir mehr Spass», sagt sie. Trotzdem hält sie es für wichtig, Ausdauertraining in ihre Routine einzubauen, auch wenn sie keine Lust darauf hat. «Wenn man zu spezifisch trainiert, verkümmert alles andere», findet sie. Robin Weissenrieder (20) aus Riehen BS ist auch im Basefit anzutreffen. Für ihn ist Krafttraining meditativ und eine wichtige Balance zum Studium. Er fürchtet sich nicht vor einer Mobilitätseinschränkung. «Schliesslich habe ich ja jetzt einen Führerausweis», sagt er lachend. Roberth Paulino (34) aus Pratteln BL sagt: «Es ist sehr wichtig für die Gesundheit, dass man sich auf beides konzentriert. Ich trainiere für ein gutes Körpergefühl».

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Im vergangenen Jahr besuchten in der Schweiz rund 900'000 Personen ein Fitness-Center. Das geht aus dem Branchenreport des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenterverbandes hervor. Doch wer im Gym Krafttraining betreibt, setzt der Ausdauer seiner Muskulatur zu.

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In Fitnesskreisen weiss man das schon länger, nicht aber, warum das so ist. Ein Team von Basler Forschern um Christoph Handschin hat das Rätsel nun durch Untersuchungen bei Mäusen gelöst. Dabei sind die Wissenschaftler auf einen hormonähnlichen Botenstoff gestossen, der vom Muskel selbst gebildet wird und diesen bei entsprechendem Training auf Kraft programmiert. Gleichzeitig sorgt er aber auch dafür, dass die Ausdauermuskulatur abgebaut wird.

Konkret: Wer in der Muckibude mit schweren Gewichten pumpt um möglichst viel Muskelmasse zu gewinnen, hat auf Dauer keine Ausdauer mehr. Durch das auf Kraft ausgerichtete Training wandelt der Körper in den eingesetzten Muskelgruppen die ausdauernden in die starken Fasern um, «um sich an die Belastung anzupassen, der er ausgesetzt ist», erklärt Studienleiter Christoph Handschin.

«Muskel soll bis zur Erschöpfung trainiert werden»

«Man sieht keinen Bodybuilder Marathon laufen», sagt Tim Kid, Fitness- und Personaltrainer beim Indigo Fitness Club in Zürich. «Beide Muskelformen gleichermassen aufbauen ist sehr schwierig», sagt er. Kid rät darum zu einem möglichst breiten und ausgeglichenen Training. «Ein grosser Anteil von Kraft- aber auch Koordinations- und Schnelligkeitstraining ist sehr wichtig.» Das heisse aber nicht, dass man nicht an seine Grenzen gehen darf. Im Gegenteil: «Es ist wichtig, dass der Muskel bis zur Erschöpfung trainiert wird», sagt Kid. «Dann wählt der Körper, ob es zu einer Querschnittsvergrösserung kommt oder man in den Ausdauerbereich kommt.»

«Gesundheitssportler sind von diesem Effekt weniger betroffen als Profis», sagt Christoph Handschin. Bei ersteren stünde beim Training vor allem der Nutzen für das Herz-Kreislauf-System im Vordergrund. Letztere könnten aber durchaus in eine Zwickmühle geraten, wie beispielsweise Ruderer, die sowohl kräftig wie auch ausdauernd sein müssten. «Es ist ein riesiges Wissenschaftsfeld, das sich damit befasst, wie man in diesem Feld ideal trainiert», so der Professor.

Am ehesten finde man beide Muskelformen bei Zehnkampf-Profis, vermutet Fitnesstrainer Kid. «Diese Sportart erfordert alle Disziplinen.»

Erkenntnisse für Kampf gegen Muskelschwund

Überraschend für die Forscher ist auch die Entdeckung, dass die Abwesenheit des Botenstoffes vor Muskelschwund im Alter schützen könnte. «Normalerweise beginnen Menschen zwischen 30 und 40 Jahren, Muskelmasse abzubauen», so Handschin. Das wirke sich ab einem gewissen Grad auf die Lebensqualität aus und sei «einer der Gründe, wieso Senioren irgendwann ins Altersheim müssen», wie der Forscher erklärt.

Bisher sei das einzige Rezept dagegen Krafttraining gewesen. Doch bei gealterten Mäusen ohne den Botenstoff wurde ein besserer Zustand der Muskulatur festgestellt als bei der Kontrollgruppe mit dem Botenstoff. «Funktioniert das bei Menschen gleich, würden sich Therapiemöglichkeiten gegen Muskelschwund im Alter ergeben», hofft Handschin.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ausdauersportler am 26.07.2019 05:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uralt!

    Sorry, aber das ist seit 100 Jahren bekannt. Das gleiche Dilemma hat man ja bei "schneller" und " Ausdauermuskulatur"

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  • Donie am 26.07.2019 06:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gar nicht so schwer

    Du musst nur den grössten reiz an die roten muskelfasern setzen. Keine pausen machen sonder zwische sätzen wechseln und ganzkörperspannungen fördern, spannungszeit in de sätzen hochhalten und dir auch 2 bis 3mal ausdauersport in der woche gönnen. So hasst du ziemlich gute ausdauer und auch definierte muskeln. Klar könnte man anders grössere muskeln haben, aber beweglichleit ist auch lebensqualität

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  • Ali Bumye am 26.07.2019 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fachwissen izzda

    es gibt Slowtwitch und Fasttwitch muskelfaser. der Anteil der beiden Fasern im Korper ist genetisch bedingt! Von FT zu ST ist es möglich die Muskulatur ausdauernder hinzukriegen. umgekehrt ist dies fast unmöglich dass aus einem Marathonläufer ein Weightlifter wird. Es kommt natürlich auch auf die methodik vom Training an die angewendet wird. Man kann beim Kraft training auch glichzeit ein aussuergeprägtes training anwenden ( wenn man wüsste wie).

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger Vogel am 27.07.2019 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das seine....

    Hauptsache man macht was für den Körper und es machr Spass. Das soll jeder mit sich selber ausmachen. Die meisten Proleten hier drin haben eh keine Ahnung von Training nd Ernährung.

  • senin am 26.07.2019 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was ist mit andy?

    Andreas Hug (andy hug) (tezujin)(blue eyed samurai) 1964 - 2000 ehemaliges K-1 Zugpferd und Karate, K-1 legende ist wohl der beste Beweis das sich muskuläre Kraft und Kondition beides zusammen sehr gut aufbauen lassen. aber klar, Muskeln sind schwer und müssen durchblutet werden deshalb wird man nie einen Marathon läufer sehen mit grossem voluminösem muskel.

  • Johnny Englisch am 26.07.2019 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    okay dann

    ich trainiere regelmässig im Kraftraum, dazu gehört aber mindestens 1 mal wöchentlich ein Cardio Einheit. Ich fordere jeder der kein Sport macht raus, mich beim Ausdauer, Kraft oder Geschwindigkeit zu bessern. Any takers?

  • Sepp am 26.07.2019 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Alles oder nichts

    Das schlimmste ist, nichts zu machen

  • Einzelkämpfer am 26.07.2019 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt nicht ganz.

    Jene Leichtathleten-Sprinter (100m / 400m) mit Oft sehr Muskulösem Oberkörper,beinahe wie dem eines Bodybuilders (z.b. Ben Johnson), sowie Kunstturner,welche über Beides )Kraft und Ausdauer) verfügen,oder auch Boxer,welche Oft ebenfalls sehr Muskulöse Bodys haben,und Trotzdem viel Kondition, widersprechen dieser "Erkenntnis".

    • Huhu Uhu am 26.07.2019 11:36 Report Diesen Beitrag melden

      Doch, stimmt

      Nein, tun sie nicht. Natürlich ist z.b. ein Boxer ein Allrounder. Er wird aber weder in der Ausdauer noch in der Kraft jemals sein persönliches, genetisches Optimum raus holen können. Ein 100m Sprinter im Gegensatz ist ein Spezialist und geht den Kompromiss ein, in der Ausdauer weit weg von seinem genetischen Optimum zu sein und dafür aber in der explosiv Kraft sein genetisches Optimum komplett zu nutzen. Man hat die Wahl: Spezialist oder Allrounder. Beides gleichzeitig geht nicht. Je nach Sportart ist das eine oder das andere gefragt.

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