«Sie meinen es nicht böse»

10. Dezember 2019 04:48; Akt: 10.12.2019 08:21 Print

High Heels und Röckli für Obdachlose im Winter

Der Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter in Basel wird zur Zeit von Kleidern überhäuft. Die gut gemeinten Spenden sind aber alles andere als wintertauglich.

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«Zur Zeit werden wir mit Kleidern überhäuft!», schreibt der Verein für Gassenarbeit «Schwarzer Peter» auf Facebook. Es treffe vermehrt Sommerkleidung ein. Darunter zum Beispiel haufenweise Schuhe, die nicht geeignet für den Winter sind. Auch verschmutzte und kaputte Sachen gebe es immer wieder. Das Sortieren und Entsorgen würde dem Verein viel Arbeit und damit verbundene Kosten bescheren. Yvonne Bürgin, Gassenarbeiterin und Co-Geschäftsleiterin des Schwarzen Peter, sagt, es sei immer wieder ein Thema, dass Leute ohne zu überlegen Kleidung abgeben und zur Winterzeit ihre Sommerkleidung bringen würden, die sie nicht mehr brauchten. «So kann man den Müll auch entsorgen», schreibt jemand wütend unter den Facebook-Beitrag des «Schwarzen Peters». Dabei gibt es auf der Webseite des Schwarzen Peter eine Liste, die aufführt,welches Kleidungsstück zu welcher Jahreszeit benötigt wird und was der Verein noch braucht. Wo besonders ein Mangel herrsche, sei Kleidung für Männer, sagt Bürgin. Die Baslerin Susan Pedrazzi initierte Anfang 2017 eine Spendenaktion auf Facebook, die innert zwei Tagen über 160 Spendenwillige mobilisierte. Sackweise konnten warme Decken, Winterkleider und Schlafsäcke gesammelt werden. Michel Steiner vom Schwarzen Peter nahm die wärmenden Textilien dankend in Empfang. Dutzende Basler folgten dem Spendenaufruf und brachten volle Säcke. Im Hinterhof des Büros des Schwarzen Peter in der Elsässerstrasse türmte sich die Ware schon nach einer halben Stunde. Die Spenden wurden sortiert und standen danach den Bedürftigen gratis zur Verfügung. Obdachlose können sich im Schwarzen Peter unkompliziert mit oftmals überlebenswichtigen Dingen versorgen.

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Würden Sie im Winter High Heels oder Sandalen anziehen? Wohl kaum. Dasselbe gilt für Obdachlose. Das hält Baslerinnen nicht davon ab, den Verein für Gassenarbeit Schwazer Peter grosszügig mit Sommerschuhwerk zu beschenken. Auf Facebook machte die Organisation mit einem Post ihrem Ärger Luft: «Zur Zeit werden wir mit Kleidern überhäuft! Leider bringt man uns die gesamte Sommerkollektion, die zu Hause den Kasten verstopft, verschmutzte und kaputte Sachen und haufenweise Schuhe, die nicht geeignet sind für den Winter.»

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Das Sortieren und Entsorgen würde dem Verein viel Arbeit und damit verbundene Kosten bescheren, heisst es weiter. Yvonne Bürgin, Gassenarbeiterin und Co-Geschäftsleiterin von Schwarzer Peter, sagt auf Anfrage: «Die Leute meinen es nicht einmal böse, wenn sie uns die ganzen Sachen abgeben. Aber wir und wahrscheinlich auch viele ähnliche Organisationen haben nur einen Mini-Stauraum, um die Kleidung unterzubringen.» Es sei immer wieder ein Thema, dass Leute ohne zu überlegen Kleidung abgeben und zur Winterzeit ihre Sommerkleidung bringen würden, die sie nicht mehr brauchten.

Bei Männerkleidung herrscht Mangel

Dabei führt der Schwarze Peter auf seiner Webseite extra eine Liste, auf der einsehbar ist, welche Kleidungsstücke zu welcher Jahreszeit am meisten benötigt werden. High Heels sind jedenfalls weder zur kalten noch zur warmen Jahreszeit gefragt.

Besonders bei Kleidung für Männer herrsche Mangel, sagt Bürgin. «Was wir sonst noch benötigen sind zum Beispiel dicke Winterjacken, Handschuhe, Kappen, grosse Rucksäcke, geschlossene Schuhe, Isoliermatten oder taugliche Schlafsäcke», erklärt sie. Am besten sollten es Militärschlafsäcke sein, die bis zu minus zehn Grad gebraucht werden könnten.

Dutzende schlafen bei Minustemperaturen im Freien

Denn rund 50 Obdachlose schlafen in Basel auch bei Minustemperaturen im Freien. «Das sind oftmals Leute, die das schon seit Jahren so machen», erklärt Michel Steiner, Co-Leiter des Schwarzen Peter. Einige hätten auch psychische Probleme und Mühe, mit anderen in einem Mehrbettzimmer zu schlafen. Für Leute in einer solch prekären Lebenssituation seien Sachspenden ein wesentlicher Beitrag zur Überlebenshilfe: Sehr viele Leute würden solche Kleiderspenden abholen, so Steiner.

Der Schwarze Peter ist nicht die einzige Organisation in Basel, die Überlebenshilfe für Randständige bietet. Einen warmen Platz und warme Mahlzeiten für Obdachlose bietet das Soup & Chill. Auch dort werden Sachspenden angenommen. Nebst warmen Kleidern für den Winter freuen sich die Betreiber auch über Lebensmittel und Küchenwaren. Auf Facebook hat das Forum für Armutsbetroffene dazu einen Aufruf publiziert.

(mhu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rita am 10.12.2019 06:57 Report Diesen Beitrag melden

    Man nennt dies nicht spenden

    sondern gratis entsorgen. Und doch, diese Spender meinen es auch so.

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  • Eidgenossin am 10.12.2019 05:09 Report Diesen Beitrag melden

    Frech und Hirnlos!

    Schmutzige Kleider spenden für Obdachlose Menschen ist eine bodenlose Frechheit! Stöckelschuhe und Sommerkleider für den Winter spenden ist absolut Hirnlos!

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  • Sepp am 10.12.2019 05:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Obdachlose

    Obdachlose? Und dies im Reichsten Land Europas! Wenn die Städte, Gemeinden diesen armen Menschen wenigstens im Winter eine warme Unterkunft anbieten würden, aber Nein, Hauptsache man schmeisst das Geld in die EU, Entwicklungshilfe, dabei sollte man für die eigene Bevölkerung Hilfsgelder frei geben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 10.12.2019 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    London ist vorbildlich...

    In London gibt's ein Kleiderstand nur mit Mantel bestückt mit dem Satz: If you need one, take one, if you have one, give one... Eine tolle Aktion die Sinn macht, statt seinen Schrott gratis zu entsorgen!

  • Martial2 am 10.12.2019 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschämend sowas...

    Lieber nichts spenden als ein solcher Schrott der niemand brauchen kann. Das nennt sich einfach gratis Entsorgung!!

  • Heher am 10.12.2019 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkaufen

    Man könnte die Schuhe auf einschlägigen Portalen und Webseiten teuer verkaufen und das Geld nutzen, um Obdachlosen zu helfen.

  • popi am 10.12.2019 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr macht mich traurig

    Sorry, aber es ist wirklich nicht einfach. Ich wollte Oho - Ostschweizer helfen Ostschweizern - Geld spenden, weil die Spenden lokal verwendet werden. Als ich dann das Schreiben selber gesehen habe, dass mit dem Geld einer Asylantenfrau, welche noch keinen definitiven Aufenthalt hatte, eine Nähmaschine bezahlt wurde, machte mich das traurig. Hier beim Schwarzen Peter kann man persönlich spenden und es wird auch wieder reklamiert, das macht mich auch traurig. Also liebe Hilfsorganisationen was wollt ihr denn jetzt? Geld für Alk und Drogen zu Weihnachten?

  • popi am 10.12.2019 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Das nächste mal bitte:

    Zum Spendenaufruf eine Einkaufsliste beilegen.