Crowdfunding

30. Juli 2014 06:12; Akt: 31.07.2014 16:11 Print

Das Volk soll die Kampagne finanzieren

von Lukas Hausendorf - Zwei Münchensteiner Jungpolitiker kämpfen für die Einführung eines Einwohnerrats in ihrer Gemeinde. Die Kampagne wollen sie mit Crowdfunding finanzieren.

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Filip Winzap (BDP) und Adil Koller (SP) haben politischen das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Für gemeinsame Anliegen beschreiten sie aber neue Wege. (Bild: 20 Minuten/Lukas Hausendorf)

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«Münchenstein Vorwärts», proklamieren Adil Koller (21) und Filip Winzap (23). Die beiden Jungpolitiker aus der Basler Vorortsgmeinde wollen etwas bewegen. «Obwohl wir aus unterschiedlichen politischen Lagern kommen – Filip politisiert für die BDP und ich für die SP – entwickeln wir zusammen Ideen, wie wir unsere verschlafene Vorstadtgemeinde aufwecken und weiterentwickeln können», sagt Koller.

Das, finden die beiden, ginge am besten, wenn die Gemeindeversammlung abgeschafft und durch einen Einwohnerrat, also ein Dorfparlament, ersetzt würde. An der Gemeindeversammlung vom 19. Juni nahm ihr Anliegen die erste Hürde. Aber voraussichtlich am 28. September muss der Entscheid noch an der Urne bestätigt werden.

Jetzt müssen die zwei Jungpolitiker ihre erste Abstimmungskampagne stemmen. Geld habe die beiden dafür nicht. Koller leistet gerade Zivildienst und Winzap besucht die Hotelfachschule.

Jetzt wird das Volk zur Kasse gebeten

Druckkosten für Flyer und Versand müssen trotzdem gedeckt sein. Für die Finanzierung setzen die zwei jetzt auf Crowdfunding. Auf der Plattform 100-Days haben sie nun ihr Projekt aufgeschaltet. Dabei treten sie bewusst ganz bescheiden auf. Nur 500 Franken wollen sie sich schwarmfinanzieren lassen. Das ist gut die Hälfte ihrer Kosten, die sie vorerst vorschiessen müssen.

«Wir hoffen natürlich, dass am Ende deutlich mehr rausschaut», sagt Koller. Mit der Spendensammlung über eine politisch neutrale Onlineplattform erweitern sie zumindest ihr Spenderpotenzial. «Wir wollen ganz bewusst auch gleichaltrige erreichen», betont er. Crowdfunding eignet sich dazu, weil es für alle zugänglich ist. Damit können die beiden auch Unterstützer jenseits der Parteigrenzen leicht für ihr Anliegen gewinnen.

Neuer Trend in der Schweizer Politik

Winzap und Koller sind nicht die Ersten, die bei der Kampagnenfinanzierung auf Crowdfunding setzen. Ein namhafter Teil der Kampagne gegen die Initiative «Abtreibung ist Privatsache» wurde schwarmfinanziert. Kampagnenleiterin Lea Kusano konnte so das Geld für Grafiker, Plakate, Sticker und Inserate auftreiben. Über 42'000 Franken. Das zeigt: Bei den Wählern ist etwas zu holen. Koller und Winzap haben noch 93 Tage, um ihr Spendenziel zu erreichen oder gar zu übertreffen.