Schwarzmund-Grundel

12. Februar 2020 05:00; Akt: 13.02.2020 10:35 Print

Das ist der Superman unter den Fischen

Die Schwarzmund-Grundel ist nicht gerade hübsch, hat aber ein Talent zur explosionsartigen Verbreitung. Internationale Forscher unter Basler Leitung haben nun herausgefunden, wie sie's macht.

Bildstrecke im Grossformat »
Das ist eine Schwarzmund-Grundel. Innert weniger Jahre ist die Schwarzmund-Grundel zu einer der erfolgreichsten invasiven Fischarten geworden. 2011 wurden sie erstmals in Basel festgestellt. Ihr Talent zur explosionsartigen Verbreitung ist überragend. Bild: Kesslergrundel. Nun haben Internationale Genomforscher unter Basler Leitung herausgefunden, wie sie's macht: Es liegt am Immunsystem. Grundeln können eine Grösse von 18 bis 24 cm erreichen. Grundeln laichen bis zu viermal im Jahr und können in kurzer Zeit grosse Bestände bilden. Bild: Invasive Muscheln, Fische und Krebse - und ihre Beute. Der anspruchslose Fisch, dem verschmutztes Wasser, niedriger Sauerstoffgehalt und starke Trübung nichts ausmachen, liebt langsam fliessende und stehende Gewässer. Bild: Laichfallen in Basel. Velokörbe, angefüllt mit Steinen, halb verdeckten Blumentöpfen und PVC-Röhren, werden in den Hafen gesenkt. Grundeln sind schlechte Schwimmer. Dennoch überwinden sie in kurzer Zeit grosse Distanzen, da sie über eine Saugscheibe am Bauch verfügen, mit der sie sich an Schiffsrümpfe anheften können. Bereits breiten sich zwei Grundelarten aus dem Schwarzen Meer im Basler Hochrhein aus. Untersuchungen im Hafen Kleinhüningen ergaben, dass sich die Invasoren innerhalb nur eines Jahres stark vermehrt hatten. Bild: Grundel in Laichfalle Die Schwarzmund-Grundel ist aber harmlos: Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass sie andere Fische nicht verdrängt und keine Gefahr darstellt für die Biodiversität. Bild: Die Reusen werden ausgeworfen. Erfolgreiche Jagd - gefangene Grundeln. Gefrässige Grundel.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Innert weniger Jahre ist die Schwarzmund-Grundel zu einer der erfolgreichsten invasiven Fischarten geworden. Auch dreckiges und sehr kaltes Wasser vermag sie nicht zu schrecken. In vielen Gewässern Europas und zum Teil in Nordamerika ist sie der beherrschende Fisch. Eingeschleppt wurde die ursprünglich in den südosteuropäischen Binnenmeeren beheimatete Fischart über das Ballastwasser von Schiffen.

Nachdem Wissenschaftler schon vor Jahren nachgewiesen haben, dass die Schwarzmund-Grundel einen negativen Einfluss auf das Ökosystem haben kann, machten sich Forscher an die Ergründung ihres sagenhaften Erfolgs. Ein Team von 20 Forschenden aus ganz Europa und Nordamerika hat nun herausgefunden: Es liegt an den Genen. So hat die Grundel beispielsweise Gene, welche entzündliche Abwehrreaktionen begünstigen, in multipler, bis zu 30-facher Ausführung.

Salz, Trockenheit, Kälte? Alles kein Problem.

Als weiterer entscheidender Wettbewerbsvorteil verfügt die Grundel über genetische Grundlagen, um Osmolyte – Substanzen, die den osmotischen Zustand beeinflussen – sowohl zu produzieren als auch anzureichern. Die Osmolyte helfen den Fischen einerseits dabei, mit Schwankungen im Salzgehalt umzugehen, anderseits aber auch, mit Trockenheit oder Kälte fertig zu werden. Sie ist quasi der Superman unter den Fischen.

«Das könnte auch erklären, warum die Schwarzmund-Grundeln auch in der nördlichen Nordsee vorkommen, also in Wassertemperaturen weit unter jenen ihrer angestammten Heimat», teilte die federführende Wissenschaftlerin, Irene Adrian-Kalchhauser vom Programm Mensch-Gesellschaft-Umwelt (MGU) der Universität Basel, am Dienstag mit.

Grundeln in der Reuse: Im Mai 2013 berichtete 20 Minuten über die Felduntersuchung einer Forschungsgruppe der Uni Basel.

(jd/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SeimenSky am 12.02.2020 05:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Essen

    Das einzige was mich interessiert, kann man die essen?

    einklappen einklappen
  • Ruedi am 12.02.2020 06:24 Report Diesen Beitrag melden

    keine Verdrängung?

    Vermehren sich explosionsartig und fressen andere Fische (Bild12), gefährden und verdrängen aber andere Fische nicht. Wie soll das denn gehen? Hat es endlose Ressourcen in unseren Flüssen?

    einklappen einklappen
  • Dondoro am 12.02.2020 07:20 Report Diesen Beitrag melden

    Nahrung für Raubfische

    Die einheimischen Raubfische wie Barsch, Zander, Hecht, Wels und Forellen freuen sich über so viel Futterfisch

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Patricia Holm am 12.02.2020 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Gefährliche Schwarzmundgrundel?!?

    Sorry, Leute, da hat sich wohl mal wieder der Fehlerteufel eingeschlichen! Wir untersuchen diese Tiere seit 8 Jahren und können sagen: Doch, sie haben nachteilige Effekte auf das Ökosystem und können die einheimischen Arten im Gewässer sehr wohl schädigen! Kürzlich konnten wir zeigen, dass die Grundel gerne Eier von Nasen (geschützte Fischart!) verspeist und wir wissen, dass sie mit den Gewässerbewohnerinnen in starker Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum steht. gez: Patricia Holm und das Grundelteam, Uni Basel

    • Traumjobs fürs Leben am 13.02.2020 20:54 Report Diesen Beitrag melden

      Grundel chippen

      In welchem Biologie-Buch steht das Evolution 1 Schaden ist`?Wenn die Grundel sich erfolgreich vermehrt ,bedeuted es das sie mit den Bedingungen gut zurechtkommt und sich ihren Platz verdient hat.Natürlich gibts dann weniger Beschäftigungsprogramme..

    einklappen einklappen
  • Rene Dubiel Baselfischgmbh am 12.02.2020 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Invasionsbekämpfung SMG

    So sieht es im Rhein aus! Ich habe Lösungen!

    • Rene Dubiel Baselfischgmbh am 12.02.2020 15:39 Report Diesen Beitrag melden

      Invasion im Rhein

    einklappen einklappen
  • Rene Dubiel Baselfischgmbh am 12.02.2020 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Thema:"Schwarzmeergrundeln"

    So sieht es im Rhein aus! Und ich habe viele Lösungen zur Bekämpfung! Aber!

  • Beobacht98er am 12.02.2020 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Info!

    "Die Schwarzmund-Grundel ist aber harmlos: Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass sie andere Fische nicht verdrängt und keine Gefahr darstellt für die Biodiversität." Anscheinend genau dieselben 'Wissenschaftler',welche auch diesen Beitrag verfasst hatten... Diese Grundel ist sehr wohl schädlich! 1. Ist es die grösste Art der Grundeln. 2. Grundeln, wie es der Name schon sagt, hausen auf dem Grund, wo auch die allermeisten Fische laichen! Dass sie sich auch vom fremden Laich ernährt wurde irgendwie komplett vergessen? Wie dem auch sei, man kann die Biester ebenfalls verzehren.

    • Simon am 12.02.2020 15:39 Report Diesen Beitrag melden

      Von fremdem Laich ernähren?

      Schwarzmund-Grundeln fressen nur sehr selten Laich. Und sie konkurrieren in erster Linie mit anderen Grundeln, die genauso Neozoen sind. Für einheimische Fische ist sie also - wie im Artikel erwähnt - keine grosse Bedrohung. Lass die Wissenschaftler doch einfach ihre Arbeit machen. Die wissen schon was sie tun.

    einklappen einklappen
  • Sushi für Basel am 12.02.2020 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht essen!

    Die schmecken scheusslich ;))