308 Milligramm MDMA

03. September 2019 19:20; Akt: 03.09.2019 20:33 Print

Das ist die gefährlichste Ecstasy-Pille der Schweiz

Ein so hoher Wert wurde in der Schweiz noch nie gemessen: Ende Juli entdeckte Safer Dance Basel über 300 Milligramm der psychoaktiven Substanz MDMA in einer Pille.

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Bereits 120 Milligramm MDMA (Ecstasy) können für einen erwachsenen Mann mit 80 Kilo Körpergewicht zu viel sein. Satte 308,8 Milligramm des Wirkstoffs wurden am 31. Juli in einer rötlichen Pille mit der unscheinbaren Form der Nintendo-Figur Wario in Basel gemessen.

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Es ist die stärkste bisher in der Schweiz gefundene Dosierung, wie es seitens Safer Dance Basel heisst. Die von der Suchthilfe unterstützte Organisation bietet an Veranstaltungen anonyme Tests von Drogen an, um deren sicheren Konsum zu ermöglichen und Überdosen zu verhindern.

Gefährliche Nebenwirkungen

«Nach der Einnahme können Nebenwirkungen wie Zähneknirschen, Schlaflosigkeit, Dehydrierung oder Überhitzung auftreten», sagt Jill Zeugin von der Suchthilfe Basel. Bei einer Überdosis drohe ein Kreislaufkollaps.

«300 Milligramm sind eine sehr hohe Dosis», sagt Matthias Liechti, Pharmakologe am Universitätsspital Basel. Ab einer Dosis von 120 bis 150 Milligramm sei bereits mit mehr Nebenwirkungen als gewünschten Effekten zu rechnen. Aus diesem Grund erachtet er es als sinnvoll, die Pillen überprüfen zu lassen.

Tödliche Überdosen kommen vor

Eine Überdosis kann tödlich verlaufen, etwa durch Überhitzung. «Wenn man in einer Menschenmenge tanzt und wenig trinkt, steigt die Körpertemperatur. Das MDMA verstärkt diesen Effekt noch», so Liechti. Ab einem gewissen Punkt sei der Zustand wie ein Fieber. «Ab 40 Grad beginnen Bluteiweisse zu gerinnen, dann versagen die Organe», sagt er. In so einem Fall sei es wichtig, die Person umgehend abzukühlen.

Doch auch zu viel trinken kann schädlich sein: «MDMA trocknet den Mund aus und stimuliert hormonell den Körper, Wasser zurückzuhalten», erklärt Liechti. Wegen dem Durst nehme man mehr Wasser auf, das im Körper bleibe. Gleichzeitig werde über Schweiss Kochsalz ausgeschieden. Im Extremfall könne das zu einem Ungleichgewicht führen, durch welches das Gehirn anschwillt, was lebensbedrohlich sein könne. «Das ist allerdings eine sehr seltene Komplikation», hält Liechti fest.

Risiko ist immer da

«Jeder Drogenkonsum birgt Risiken, dies steht ausser Frage», so Zeugin weiter. Das Risiko einer Überdosierung sei bei derart starken Pillen aber deutlich erhöht, vor allem bei unvorsichtigem und Mischkonsum.

Laut Zeugin belegen durchgeführte Drug-checkings den Trend, dass die Dosen in den Pillen höher werden. Immerhin: Dosierungen über 300 Milligramm wie bei der Wario-Pille seien derzeit «vereinzelte Ausreisser» nach oben.

Schadensminderung im Vordergrund

Weil immer potentere Pillen im Umlauf sind, sei es «umso wichtiger», die Konsumenten vor zu hoch dosierten Drogen zu warnen. Die Erfahrung zeige, dass das Konzept der Prävention und Schadensminderung im Party-Setting «sehr effektiv» sei, weil das Bewusstsein bei den Konsumenten über Gefahren ansteige.

Neben den Einsätzen an Events bietet die Suchthilfe Basel auch ein stationäres Drug-Checking in ihren Räumlichkeiten an der Mülhauserstrasse 111 an. Jeden zweiten Montag können Personen dort Substanzen testen lassen.

In Zürich gibt es ebenfalls ein solches Angebot im Drogeninformationszentrum an der Schützengasse 31. Und auch in Bern können Drogen beim DIB (Drug-Checking, Infos und Beratung) an der Speichergasse 8 getestet werden.

(las)