Wagenplatz

03. Juni 2014 23:00; Akt: 04.06.2014 11:40 Print

Demonstranten ziehen durch Basler Innenstadt

Am Dienstag griff die Polizei am Wagenplatz durch und räumte Teile des von den Bewohnern besetzten Areals. Am Abend kam es zu einer Demo.

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Rund 200 Personen demonstrierten am Abend gegen die polizeiliche Räumung. Vereinzelt kam es zu Sachbeschädigungen. Die letzten Sympathisanten standen neben der Landestelle und der Hafenscharte, sie wurden von der Polizei zurück gehalten. Die Demonstranten feuerten Knallpetarden ab und zündeten Pyros. Die Polizei versuchte gemeinsam mit der Feuerwehr in einem ersten Versuch die letzten Besetzer vom Dach der Hafenscharte zu holen. Die Polizei rückte mit dem Feuerwehrkran an. In der Zwischenzeit dehnten sich die Wagenleute nochmals und wirkten sehr locker. Die Polizei entfernte sie, einige wurden mit Kabelbindern gefesselt. Bei einem Besetzer griffen die Polizisten härter durch... ...zum Schluss wurde auch die letzte Person vom Dach geholt. Noch bis heute Abend werden auch die letzten Holzbauten abgerissen. Die Polizei führte 17 Wagenleute ab. Die Polizei sperrte das Areal ab... Wagenleute verstehen den Bau eines Zaunes nicht. Die Polizei hält sich zur Zeit noch im Hintergrund auf. Ein Teil der Wagenleute zündeten Scheiterhaufen aus Protest an. Ein anderer Teil der Wagenleute hat mit dem Abbau der Hafenscharte begonnen und bringt Gegenstände in Sicherheit. Die Bauarbeiter helfen einen Wagen auf das Areal des neuen Wagenplatzes zu transportieren. Die Stimmung ist geteilt. Die einen nehmen es hin, die anderen sind am klagen. Am anderen Teil des Areals hat die Räumung bereits begonnen. Mit einem Bagger werden die Holzbauten abgerissen. Die Polizei sei nur zur Unterstützung vor Ort, so Barbara Neidhart, Sprecherin Immobilien Basel. Am 3. Juni haben die Behörden gehandelt und die zusätzlich belegte Fläche der Wagenburg geräumt. Nach Angaben der Bewohner wird die Wagenburg durch einen hohen Zaun abgetrennt.

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Rund 200 Wagenplatz-Sympathisanten zogen am Dienstagabend druch die Basler Innenstadt. Sie protestierten damit gegen die Räumung einzelner Teile des Wagenplatzes, die sich nicht auf den vertraglich zugesicherten 2500 Quadratmeter befanden.

Die teils vermummten Aktivisten machten ihrem Ärger Luft. Sie zogen vom Claraplatz zum Sitz des Sicherhetsdepartements am Spiegelhof und weiter in Richtung Waghof, wo am Nachmittag zuvor 36 bei der Räumung festgenommene Aktivisten vorübergehend festgehalten wurden. Vereinzelt setzten Demonstranten Böller und Pyros ein, Gegenstände wurden gegen das Gebäude der Basler Staatsanwaltschaft geworfen. «Das ärgert mich», sagte ein Aktivist. «So muss man nicht auf unser Anliegen aufmerksam machen.»

Räumung am Nachmittag

Nach einem ruhigen Morgen liessen Anfang des Nachmittags einige Besetzer mehrere polizeiliche Ultimaten, das Areal zu verlassen, ungenutzt verstreichen. Um etwa 15 Uhr räumten dann Polizeiangehörige das Areal. Nach Auskunft eines Polizeisprechers wurden 36 Personen weggeführt. Manche mussten weggetragen werden.

Mehrere junge Leute, die auf das Dach einer Baute auf dem Areal geflüchtet waren, mussten mit Unterstützung der Feuerwehr von dort heruntergeholt werden. Weil versucht wurde, eine Barrikade zu durchbrechen, setzte die Polizei Pfefferspray ein. Die Besetzer wurden einer genaueren Personenkontrolle unterzogen. Ihnen droht nun eine Verzeigung wegen Haus- oder Landfriedensbruchs, Nichtbefolgens einer polizeilichen Anordnung oder Behinderung einer Amtshandlung, wie der Sprecher weiter sagte.

Regierungspräsident setzte Ultimatum

Am Samstag hatten die Wagenleute ihre Wohnwagen verschoben und im Dreieck angeordnet, so dass sie wie von der Regierung gefordert noch 2500 Quadratmeter belegen. Der Kulturraum Uferlos, die Hafenscharte, der öffentliche Spielplatz, die Grillstelle für das Quartier und der Gästebereich mit öffentlicher Küche befinden sich jedoch weiterhin ausserhalb des erlaubten Areals.

Damit widersetzen sich die Wagenleute einem Ultimatum von Regierungspräsident Guy Morin. «Falls sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, wird das besetzte Areal auf die geduldete Fläche geräumt», hatte die Regierung am Dienstag verkündet.

«Es handelt sich hierbei nicht um eine Räumung, sondern um einen Rückbau», betonte Barbara Neidhart, Mediensprecherin von Immobilien Basel am Dienstagmorgen vor Ort. Um 15 Uhr begann die Polizei nach mehreren Ultimaten damit, die Besetzer vom Areal zu befördern. Das Areal war weiträumig abgesperrt, auch Journalisten war der Zugang untersagt.

Wagenplatz wird eingezäunt

Bereits am Dienstagmorgen haben Bauarbeiter damit begonnen, einen Zaun um die Wagenburg zu errichten. «Es ist lächerlich – als wären wir Tiere im Zolli», so eine aufgebrachte Bewohnerin gegenüber 20 Minuten.

«Der Zaun wird nur einen Meter hoch sein und soll als optische Grenze dienen. Die Wagenleute haben ihr Areal bereits selber mit einem Band abgegrenzt. Der Zaun entsteht zu ihrem eigenen Schutz, damit sie ihren eigenen abgegrenzten Teil haben», erklärt Neidhart.

(bro/huf/pjz)