In Kirchenrat gewählt

09. September 2019 12:07; Akt: 09.09.2019 16:18 Print

Pfarrerin schrieb für rechtsextreme Plattform

Im Kirchenrat der Basler Reformierten sitzt neu eine Pfarrerin, die auf dem Blog «Politically Incorrect» regelmässig gegen den Islam hetzte. Die Kirche weiss von der Vergangenheit der Frau.

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Christine Dietrich, Pfarrerin der Dorfkirche Kleinhüningen, wurde Anfang September in den Kirchenrat der Basler Reformierten gewählt. Die Frau hat allerdings eine problematische Vergangenheit: Sie habe, laut deutschen Medien, für einige Jahre eine der grössten Hetz-Plattformen Europas betrieben, wie die «Schweiz am Wochenende» berichtet.

Ein Hetz-Blog getarnt als Newsseite

Bereits 2007 hätten sich die Predigten der Berner Pfarrerin, die sie vor ihrer Gemeinde in Uri hielt, um den Islam gedreht. Eine damalige Predigt trug etwa den Titel «Hurra, wir gehen unter». Sie habe ihren Zuhörern die Schwächen der Demokratie erklärt: «Unser System ist langsam, schwerfällig, umständlich. Der Islam hingegen hat Tempo, Stil und Autorität. (...) Wenn die Entwicklung so weitergeht, müssen wir alle unseren Anrufbeantworter vielleicht bald neu besprechen – auf arabisch.»

Nach ihrer Zeit als Pfarrerin in der Kirchgemeinde von Uri begann sie im Internet zu predigen. Auf der Plattform «Politically Incorrect» (PI) veröffentlichte sie ihre Beiträge, wie 2o Minuten damals berichtete. Damals habe der Blog «gegen die Islamisierung Europas» 20'000 Besuchende täglich verzeichnet. Publiziert wurden Schlagzeilen wie «Schwerverbrecher konvertieren zum Islam».

Dietrich habe stets die Botschaft verbreitet, der Islam sei eine Bedrohung für den Westen. «Unser Weg ist für viele Christen zu anstrengend. Sie sind fasziniert vom Islam, der auf den ersten Blick klare Antworten auf alle Fragen bietet», so die Pfarrerin.

Nachdem der norwegische Neonazi Anders Breivik auf Utøya 77 Menschen tötete, habe sie mit einem Kollegen von Breivik sympathisiert, wie der «Spiegel» enthüllte. Deutsche Medien enttarnten sie schliesslich als Strippenzieherin der Plattform, worauf die Kirche eine interne Untersuchung durchführte. so 20 Minuten 2011.

Dietrichs Vergangenheit spielte keine Rolle

Der Synodalrat habe Dietrich daraufhin verboten, weiterhin Texte auf PI zu veröffentlichen. Die Staatsanwaltschaft stellte ein Verfahren gegen sie ein, weil ihr keine hetzerischen Äusserungen gegen den Islam vorgeworfen werden konnten.

Als Dietrich 2015 das Pfarramt in der Kirchgemeinde Kleinbasel im Kanton Basel-Stadt übernahm, sei ihre Vergangenheit nicht thematisiert worden. Am 4. September wurde sie vom Kirchenparlament in den Kirchenrat gewählt.

Mit den Vorwürfen konfrontiert sagt Matthias Zehnder, Sprecher der Evangelisch-Reformierten Kirche, gegenüber der «Schweiz am Wochenende», dass die von ihr gehaltenen Predigten «nie Anlass für Beschwerden» gegeben haben. Auch Dietrich verweist auf den Inhalt ihrer Predigten.

Religionswissenschaftler Oliver Wäckerlig vom Pastoralsoziologischen Institut St. Gallen sagt aber: «Christine Dietrich ist eigentlich eine christliche Zionistin mit islamfeindlichen Positionen. Von diesen hat sie sich nach Kritik nur sehr lau distanziert.»

Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz KIOS, bedauert solche islamfeindlichen Aussagen. «Ich habe zwar nichts gegen konstruktive Kritik, aber solche Vorurteile, wie Christine Dietrich sie verbreitet, gefährden den Frieden. Wir alle sollten den Frieden wahren.» Ausserdem sollten alle öffentlichen kirchlichen Gremien einen unbefangenen Dialog miteinander beibehalten.

Christine Dietrich war für eine Stellungnahme gegenüber 20 Minuten nicht zu erreichen.

(mhu)