Elektromobilität

03. September 2018 18:01; Akt: 03.09.2018 18:15 Print

Erster E-Trotti-Verleih startet – ohne Helme

Seit Montag kann man im Raum Basel rund um die Uhr E-Trottis via App ausleihen. Mit bis zu 20 km/h flitzen Trotti-Fahrer durch den Verkehr. Ganz ungefährlich ist die Sache nicht.

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Die sogenannten ScooBoxes für Trottis sind ein Pilotversuch der Firma Ibion in Zusammenarbeit mit den SBB und dem Hamburger Trottinett-Hersteller Walberg Urban Electrics. In Deutschland sind diese aus Sicherheitsgründen noch verboten. In der Schweiz gelten für die motorisierten Trottis die gleichen Regeln wie für Velos. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung warnt allerdings vor Verletzungsgefahr und rät, einen Helm zu tragen.

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«Wir haben einen längeren Test mit Mitarbeitern der SBB in Bern durchgeführt. Da die meisten es für eine super Sache hielten, haben wir beschlossen, das Projekt zu starten», so Projektleiter Roger Rüegg zu 20 Minuten. In Basel soll jetzt getestet werden, wie die E-Trottis bei Reisenden ankommen. Der Verleih startet mit 22 Trottiboxen in Basel, 12 in Pratteln und 7 in Muttenz. Bis Ende Jahr sollen 100 Verleihboxen in Betrieb sein.

Ab 16 Jahren kann jeder ein E-Trotti leihen

Zielgruppe sind junge Leute, die Spass am Fahren haben, aber etwa auch Geschäftsleute, die ein Meeting in Basel haben und sich vom Bahnhof aus flexibel in der Stadt bewegen wollen. Via App kann jeder ab 16 Jahren ein Trotti des Modells The Urban ausleihen. Abgerechnet wird im Minutentarif – eine Stunde kostet sechs Franken.

Die Trottis seien für kurze Strecken besser geeignet als E-Bikes. «Sie sind wendiger und handlicher. Und es macht einfach Spass», so Rüegg. Ein Nachteil ist, dass die Fahrzeuge beim Bahnhof SBB im Velo-Keller versteckt sind. Ausserdem müssen sie im Gegensatz zu den E-Bikes von Pick-e-Bike, die überall abgestellt werden können, nach Gebrauch wieder zurück in die Box gebracht werden. Mit einer Akkuladung sind bis zu 20 Kilometer möglich.


So funktioniert das Verleih-System.

«Wir empfehlen, einen Helm zu tragen»

Die Benutzung der Fahrzeuge ist nicht ganz ungefährlich. Wegen der kleinen Räder seien die Geräte anfällig auf Unebenheiten im Strassenbelag. «Wir empfehlen, auf dem E-Trottinett immer einen Helm zu tragen», so Marc Kipfer von der Beratungsstelle für Unfallverhütung. Ein solcher ist allerdings im neuen Angebot nicht enthalten.

Anbieter solcher Fahrzeuge sollten Tipps zur Sicherheit geben. «Mit E-Trottinetten erreicht man schnell einmal 20 km/h oder mehr, und je schneller, umso grösser die Verletzungsgefahr», warnt Kipfer. Im Verkehr sind die E-Trottinette den Velos gleichgestellt. «Die Benutzung von Radwegen und Radstreifen ist obligatorisch, wo es sie gibt», so Kipfer.

Polizei hat schon Übertretungen geahndet

Ähnlich schätzt auch Martin Schütz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements Basel-Stadt, die Trottis ein. «Wer mit einem E-Trottinett unterwegs ist, sollte vor allem darauf achten, Stürze zu verhindern», sagt er. Die Kantonspolizei sammle Erfahrungen mit Trendfahrzeugen, zu denen die E-Trottinette gehören. «Bei solchen Trendfahrzeugen hat es auch schon Verzeigungen wegen festgestellten Übertretungen gegeben», so Schütz.

Ein E-Trotti, das in den Verkehr gebracht werde, müsse grundsätzlich dieselben Anforderungen erfüllen wie ein Leichtmotorfahrrad oder – je nach Motorenleistung – ein Motorfahrrad. Dies betreffe beispielsweise Bremsen, Licht und Reflektoren. «Für E-Trottinett-Fahrer gelten die gleichen Verkehrsregeln wie für Velo- und Leichtmotorradfahrer», betont auch Schütz.

(lb)