Polizei-Grosseinsatz

16. Mai 2011 12:22; Akt: 16.05.2011 18:13 Print

Der Ziegelwerfer gibt nicht auf

von Adrian Müller - Seit 10 Uhr morgens schmeisst in Basel ein Mann Ziegel von einem Dach. Spezialeinheiten der Polizei finden kein Mittel gegen den Radaubruder. Schulkinder können nicht in ihre Wohnungen zurück.

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Der Ziegelwerfer von Basel konnte um 10.30 Uhr nach 48 Stunden auf dem Dach unter Kontrolle gebracht werden. Er hatte seit Montag an der Bruderholzstrasse im Gundeldingerquartier für Aufsehen gesorgt. (Er trägt keine Maske, das Bild wurde verpixelt.) Eine Ambulanz brachte ihn nach dem Zugriff in die psychiatrische Klinik. Spezialisten der Polizei versuchten während zwei Tagen vergeblich, den Ziegelwerfer zur Aufgabe zu bewegen. Am Dienstagabend hatte er für kurze Zeit von den Ziegeln abgelassen und balancierte mit einer Leiter. Diese liess er allerdings kurz darauf auf die Strasse hinunterfallen. Seine bevorzugte Beschäftigung war es, Dachziegel auf die Strasse zu werfen. Die Polizei hatte mittlerweile ihre Taktik geändert: Kein Wasser und keine Zigaretten mehr für den Querulanten. Gleichzeitig versuchten Beamte, durch ein Loch im Dach zum Ziegelwerfer zu gelangen. Vergeblich. Am Dienstagmittag zeigte der verstörte Mann erste Ermüdungserscheinungen. Trotzdem dachte er nicht ans Aufgeben: Der Ziegelwerfer tobte weiter. Stunden nach Beginn des Dramas am Montagmorgen hat eine Familienangehörige vergeblich versucht, ihn zum Aufgeben zu bewegen. Der Unruhestifter hatte sich auf einem Dach an der Bruderholzstrasse verschanzt. Sicherheitskräfte hatten die Umgebung abgesperrt und ein Sprungkissen aufgeblasen. «Er schreit dauernd herum», sagte eine Leser-Reporterin. Der Mann spreche Schweizerdeutsch und mache einen angeschlagenen Eindruck. Seit Montagmorgen um 9 Uhr warf der Radaubruder mit Ziegeln um sich. Diese hat er auch gegen Polizisten geworfen. Spezialkräfte der Polizei versuchten, mit dem Unruhestifter zu verhandeln. Angefangen hat es damit, dass er Schuhe und Erdsäcke von seinem Balkon geschmissen hat. Danach stieg er aufs Dach und wendete sich den Ziegeln zu.

Fehler gesehen?

Ein psychisch angeschlagener Mann ist komplett ausgerastet und wirft an der Bruderholzstrasse in Basel seit ungefähr 10 Uhr morgens Dachziegel, Schuhe und Erdsäcke von einem Hausdach auf die Strasse. «Er zeigt noch immer keine Ermüdungserscheinungen», sagt eine Reporterin von 20 Minuten vor Ort am späten Nachmittag.

Inzwischen hat sich der Mann auf einen Kamin zurückgezogen. Spezialeinheiten der Polizei sind laut einem Leser-Reporter um 17 Uhr auf das Dach gestiegen und versuchen, den 30- bis 40-jährigen Radaubruder zur Aufgabe zu bewegen. Sie haben dem Mann auch Zigaretten und Wasserflaschen gereicht, welche dieser ebenfalls vom Dach geworfen hat.

Was den Basler dermassen zum Ausrasten gebracht hat, ist zur Stunde unklar. Ein Nachbar erklärt gegenüber 20 Minuten Online, der Ziegelwerfer habe in der Vergangenheit schon mehrmals während der Nacht herumgeschrien und dabei seine Freundin beschimpft.

Kinder müssen draussen bleiben

Wegen dem Radaubruder bleibt die Umgebung des Wohnblocks weiterhin abgesperrt, dutzende Anwohner können nicht in ihre Wohnungen zurückkehren. «Zahlreiche Schulkinder können nicht nach Hause gehen», berichten Augenzeugen. Die Stimmung unter den Nachbarn sei mittlerweile aufgeheizt.

Zu Beginn des Dramas schmiss der Mann Erdsäcke und Schuhe von seinem Balkon. «Als die Polizei eintraf, flüchtete er aufs Dach», so ein Anwohner. Dort steht er noch immer und wirft mit Ziegeln um sich. Er habe das halbe Dach abgedeckt und diverse Ziegel als Munition vor sich aufgestapelt, sagt Augenzeuge Martin Graf. «Er hat Ziegel auf Polizisten geworfen, als diese durchs Dachfenster steigen wollten», so Graf.

Mann ist psychisch angeschlagen

Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort. «Der Mann befindet sich seit Jahren in psychiatrischer Behandlung», sagt Polizeisprecher Klaus Mannhart zu 20 Minuten Online.

Die Sicherheitskräfte sind für alle Fälle gewappnet: Unterhalb des Daches wurde ein grosses Sprungkissen aufgeblasen. Nebst der Polizei sind auch Feuerwehr und Sanität vor Ort. Die Tramlinien 15 und 16 sind seit Stunden unterbrochen.

(Mitarbeit: Felix Burch, Anna Lüthi)