Uhren- und Schmuckmesse

25. März 2009 10:06; Akt: 25.03.2009 10:40 Print

Die «Baselworld» tickt anders

Die Krise kostet auch in der Schweizer Uhrenbranche Jobs, doch vor der Weltmesse für Uhren und Schmuck «Baselworld» gibt sich die Branche vergleichsweise gelassen. Hersteller wie Händler spüren Vorsicht bei der Kundschaft, die aber weiter kaufe.

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Mit Entlassungen bei Girard-Perregaux, Ebel, Zenith, Movado oder Roger Dubuis und dem Konkurs von Villemont macht auch die Schweizer Uhrenbranche Negativschlagzeilen. Doch glaubt man anderen Firmen, ist die Lage weit weniger dramatisch. So sieht etwa die Swatch Group als Branchen-Rückgrat bereits wieder erste positive Trends.

Kurz vor der weltweit wichtigsten Branchenplattform, die am Donnerstag in Basel die Tore öffnet, mag niemand Schwäche zeigen. Die meistgehörten Argumente für Gelassenheit sind indes plausibel. So hatten sich bis 2008 Absatz- und Umsatzrekorde gejagt; selbst für verrückte technische Ideen war Geld bereit gestellt worden.

Preis/Leistungs-Verhältnis

Top-Uhrmacher sind aber rar, und so verlängerten sich die Lieferfristen. Zudem verzerrten ungeduldige Mehrfach-Besteller, die nach Erhalt der Ware die übrigen Bestellungen stornierten, das Bild der Nachfrage. In der Krise sei ein gutes Preis-Leistungs- Verhältnis gefragt, heisst es jetzt reihum bei Uhren- wie Schmuckfirmen.

So gewinnt etwa die auf mechanische Uhren mittlerer Preislage spezialisierte Zeno Watch in Basel weiter neue Kunden, wie ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagt. Mit insgesamt rund 110 000 verkauften Uhren im Jahr lebe Zeno sehr gut in ihrer Nische - Probleme bekämen eher austauschbare reine Labelmarken.

Unter dem Strich rechnet François Thiébaud, Präsident des Schweizer Ausstellerkomitees an der «Baselworld», heuer mit 15 bis 20 Prozent weniger Bestellungen als in den Vorjahren. Damit komme man etwa auf das ansehnliche Niveau von 2007 oder 2006.

Etablierte Marken stabil

Uhrenherstellern, die zu keinem Grosskonzern gehören, könnte eine krisenbedingt gebremste Nachfrage vielleicht sogar helfen: Deren heikles Verhältnis zur dominanten Uhrwerk-Produzentin ETA, die zur Swatch-Gruppe gehört, könnte sich entspannen, schätzt man bei Zeno. Alternative Werke sind in der Schweiz teuer oder rar.

Die Bijouterie-Kette Christ, mit 83 Filialen die grösste im Land, spürt ebenfalls mehr Interesse der weiter kaufenden Kundschaft am Preis-Leistungs-Verhältnis. Speziell gut liefen etablierte Marken, sagt ein Sprecher - auch beim Schmuck, weil frau so günstiger zu «Blingbling» komme als etwa mit grossen Edelsteinen.

Noch schwer abschätzbar ist, wieweit die Herstellerpreise unter Druck geraten. Technisch habe etwa China massiv aufgeholt, sagt der Zeno-Sprecher weiter: Zum Beispiel sei ein aktuelles Tourbillon (Werkteil zur Kompensation der Schwerkraft) aus China «schrecklich gut», verglichen mit den teuren Schweizer Manufaktur-Vorbildern.

Liquidität entscheidend

So erwartet die Branche eine Marktbereinigung durch die Krise. Diese könnte auch das Aus für Unternehmen bringen, die schon andere Probleme wie eine offene Nachfolgeregelung hatten, vermutet der Christ-Sprecher. Im oberen Preissegment zeigt sich zudem, wer in den fetten Jahren Reserven angelegt hat, statt Profite abzuschöpfen.

Der Krise ganz entkommen dürfte indes kein Uhrenhersteller, denn gelitten hat die Zahlungsmoral. Die sei inzwischen «ganz schlecht», heisst es bei Zeno: Geht es einem Händler schlecht, bediene er wohl prioritär die must-have-Marken, und kleinere Lieferanten müssten warten.

Mit Coop als grossem Eigentümer kann Christ gelassener bleiben als manche Familienbetriebe. An margendrückenden Panik-Rabatten hat niemand Interesse, und so stehen jetzt in der Krise besonders die Beziehungen zwischen Lieferanten und Händlern auf dem Prüfstand.

(sda)