Picasso Panorama

05. Februar 2019 05:46; Akt: 05.02.2019 05:46 Print

Picasso, wie man ihn nie zuvor zu sehen bekam

Pablo Picasso stellte die Kunstwelt auf den Kopf. Eine vier Milliarden Franken schwere Schau in der Fondation Beyeler zeigt erstmals auch das Frühwerk des Jahrhundertkünstlers.

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Eine junge Frau vor «La Vie, 1903», einem Werk aus der Blauen Periode Picassos. Die Sonderausstellung «Der junge Picasso – Blaue und Rosa Periode», zeigt das Schaffen des Jahrhundertkünstlers in kaum zuvor gesehener Dichte und Breite. Zur Eröffnung der Ausstellung in Riehen am 1. Februar reiste auch Pablo Picassos Sohn Claude an, hier vor einem Selbstportrait seines Vaters von 1901. Der Ehrengast wurde von Fondation-Direktor Sam Keller begrüsst. Die Fondation Beyeler und Picasso haben eine spezielle Verbindung. Galerist Ernst Beyeler () und Pablo Picasso waren zu lebzeiten eng befreundet. Beyeler vermittelte über 1000 seiner Werke. Das Selbstportrait des jungen Picasso von 1901, damals war er gerade mal 20-jährig. Die Blaue Periode wurde eingeläutet durch den Suizid seines Künstlerfreunds Carles Casagemas. In der Folge war sein Werk geprägt von melancholischen Motiven. Etwa "La Mort (La Mise au tombeau), 1901". Der junge Pablo Picasso auf der Place Ravignan in Paris. Der Spanier siedelte in die französische Metropole über, wo seine erste langjährige Lebensgefährtin Fernande Olivier lebte. In der Folge hellten sich seine Bilder auf. Die Rosa Periode begann. Wie hier bei «La Toilette, 1906» begannen rosa und ockerfarbene Töne zu dominieren. «Acrobat et jeune arlequin, 1905» war bereits ein Vorbote des Kubismus. In Paris begann Picasso seine Bildsprache zu reduzieren. «Les Deux Freres, 1906» ist ein weiteres protokubistisches Werk aus der Rosa Periode. «Yo Picasso» titelte der junge Künstler dieses Selbstbildnis 1901. «Arlequin et sa Compagne» von 1901, in der Blauen Periode waren die Gaukler noch melancholisch. Ein Selbstportrait von 1906. In seinem Duktus kündet sich bereits der Kubismus an. Der «Tête d'un Arlequin» aus der rosa Periode ist bereits etwas freundlicher. 1907 bricht der Kubismus richtig durch: Die «Femme (Epoque des Demoiselles d'Avignon)» in jenem Stil, der Picasso zum wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts machen wird.

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«Der junge Picasso – Blaue und Rosa Periode» ist im europäischen Kulturkalender das Ausstellungsereignis des Jahres. Die Schau in der Riehener Fondation Beyeler ist eine Aneinandereihung von Superlativen. 75 Werke des wichtigsten Künstlers des 20. Jahrhunderts mit einem Versicherungswert von vier Milliarden Franken sind auf 1622 Quadratmetern zu sehen. Zur Vernissage reiste sogar Picassos Sohn Claude an. Die Fondation Beyeler bezeichnet die Schau als das aufwendigste und ambitionierteste Ausstellungsprojekt seiner Geschichte. Das müssen Sie dazu wissen:

Umfassendste Picasso-Ausstellung

Die Ausstellung zeigt umfassend wie nie zuvor das Frühwerk des Jahrhunderkünstlers Pablo Picasso. «Wer glaubt, Picasso zu kennen, kann hier sein blaues und rosa Wunder erleben», verspricht Museumsdirektor Sam Keller. Die Blaue und Rosa Periode zeigt das Schaffen des noch jungen Spaniers zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Blaue Periode begann, als Picasso unter dem Eindruck des Suizids seines Künstlerfreundes Calres Casagemas melancholische Bilder von Menschen am Rand der Gesellschaft malte, die vorwiegend in Blautönen gehalten waren.

Die Rosa Periode startete ab 1904, als Picasso nach Paris übersiedelte und in Rosa- und Ockertönen Gaukler, Artisten und Akrobaten zu malen begann. Hier fand er schon zu einer reduzierten Bildsprache, in der sich der Kubismus ankündete, der ab 1907 dann die Kunstwelt auf den Kopf stellen würde.

Blaue und Rosa Periode - was können Menschen auf der Strasse damit anfangen? (Video: 3ssat)

Die Sonderausstellung wird ergänzt von vorwiegend kubistischen Werken aus dem Bestand der Fondation Beyeler, die selbst eine bedeutende Picasso-Sammlung besitzt. So sind insgesamt etwa 110 Werke von Picasso zu sehen.

Zusätzliches Personal

Um die Sicherheit der Werke garantieren zu können und mit dem erwarteten Besucheransturm klar zu kommen, wurden 60 zusätzliche Mitarbeiter rekrutiert. Um an die Werke zu gelangen, war vielfach auch Verhandlungsgeschick nötig: Die 75 Werke der Sonderschau sind allesamt Leihgaben von 41 Leihgebern, darunter 28 Museen. «Das mit die beliebtesten Werke von Museen und Privatsammlungen und zum Teil auch sehr heikle, enorm kostbare Werke», erklärt Kurator Raphaël Bouvier.

5000 Besucher am Tag

Der Ansturm auf die Ausstellung ist riesig. Am ersten Ausstellungstag am Sonntag waren mehrere Tausend Kunst-Fans in der Fondation Beyeler. Die Picasso-Schau ist noch bis am 26. Mai zu sehen, bis dahin soll das Publikumsinteresse anhaltend hoch sein. Die Fondation rechnet mit 3000 bis 5000 Besuchern pro Tag. Der Besucherrekord von 370'000 Eintritten hält noch die Gauguin-Ausstellung. Es wäre keine Überraschung, würde Picasso den französischen Impressionisten auf die Ränge verweisen. Viele davon reisen aus dem Ausland an.

Das wird auch für die Hotellerie ein fettes Geschäft. Basel Tourismus verkauft extra Picasso-Packages. «Ein solche Blockbuster-Ausstellung generiert etliche zusätzliche Übernachtungen», sagt Christoph Bosshardt, Marketingleiter von Basel Tourismus. Genaue Zahlen kann er allerdings nicht nennen.

Auch bei Schulen ist Picasso hoch im Kurs. Schon jetzt seien die Workshops für Schulklassen fast alle ausgebucht, heisst es auf Anfrage.

Selbst ist der Picasso

«Glaubst du, du bist Picasso oder was?» Diese Spruch ist selten als Kompliment gemeint. Kreative Frühaufsteher können in der Fondation Beyeler den Test machen. Donnerstags von 9 bis 10 Uhr wird jeweils zum «Zeichnen mit Picasso» geladen. Angeleitet von einem Zeichenexperten können während einer Stunde Picassos Meisterwerke studiert und Techniken und Arbeitsweisen direkt vor den Originalen erprobt werden.

(lha/sda)