Psychiatrie BL

16. November 2019 17:34; Akt: 16.11.2019 17:34 Print

Mehrfachmörder sind meistens verheiratet

Eine neue Studie aus der Schweiz soll Hinweise darauf geben, wie Mehrfachmörder funktionieren. Die Analyse zeigt: Die Täter sind mehrheitlich männlich.

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Die Psychiatrie Baselland (PBL) hat 33 Massenmorde – Tötungsdelikte mit neben dem Täter mindestens drei Todesopfern – in der Schweiz zwischen 1972 und 2015 untersucht. Bis auf eine Frau waren alle Täter Männer. Die meisten davon Schweizer, verheiratet und in Familienkonflikte involviert. Ein Drittel zeigte schon als Kind Verhaltensauffälligkeiten, schreibt die Psychiatrie in einer Medienmitteilung.

Andreas Frei, bis vor kurzem Leiter der Fachstelle Forensik der Psychiatrie Baselland, präsentierte diese Ergebnisse an einer Abschieds-Fachtagung in Liestal. Zusammen mit der Psychologin und PBL-Praktikantin Andrea Ilic hatte er die Akten der Morde untersucht, um die Täter und deren Motive zu analysieren. Dies sei ein wichtiger Schritt in der Prävention, wie es in der Medienmitteilung heisst.

Die beiden Forschenden fanden heraus, dass mehr als die Hälfte der Massenmorde auf Familientragödien entfielen und sich der Täter in den meisten Fällen anschliessend selbst das Leben nahm.

Auslöser kann der Verlust des Arbeitsplatzes oder ein Nachbarschaftsstreit sein

Der Grossteil der Täter litt unter Persönlichkeitsstörungen und suizidalen Tendenzen, nahm aber keine psychotherapeutische Hilfe in Anspruch. Etwa ein Drittel war zuvor in einer längeren Therapie. In wenigen Fällen verübten die Täter den Massenmord, nachdem sie aus einer stationären Therapie entlassen worden waren.

Die meisten Täter standen unmittelbar vor der Tat in psychosozialen Konflikten, wie beispielsweise im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Auslöser waren dann etwa der Verlust des Arbeitsplatzes, Beziehungsprobleme oder ein Nachbarschaftsstreit.

Die Täter hatten meist ein soziales Netzwerk und keine Vorstrafen

Bei rund der Hälfte der untersuchten Massenmorde planten die Täter ihr Delikt in der vollen Absicht, sich anschliessend das Leben zu nehmen. Die meisten Täter waren zwischen 36 und 65 Jahren alt, Schweizer Bürger, hatten keine Vorstrafen und waren in ein soziales Netzwerk eingebunden. Die einzigen psychologischen Merkmale waren, dass ein Drittel der Täter als Kinder oder Jugendliche verhaltensauffällig war, Missbrauchserfahrungen hatte und sich trotz einem sozialen Netzwerk an den Rand gedrängt fühlte.

(mhu)