Bluttat in Basel

03. April 2019 17:18; Akt: 03.04.2019 18:50 Print

Die wirren Schreiben der Killerin A.F. (75)

Sie sieht sich als Opfer eines Komplotts: Mit Einschreiben, Rekursen und Klagen hielten die Täterin von Basel und ihr Partner die Behörden auf Trab.

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Über 300 Seiten Korrespondenz zur Justizkorruptionsaffäre sind im Bundesarchiv in Bern abgelegt. R. und seine Partnerin F. hielten die Behörden mit ihren Beschuldigungen jahrelang auf Trab. 1985 wandte sich R. verzweifelt an den damaligen Nationalratspräsidenten Arnold Koller. Er drohte gar damit, zur Waffe zu greifen, um die Justizkorruptionsaffäre zu beenden, sollte Koller eine gesetzte Frist verstreichen lassen. Dem Schreiben legte er einen 14-seitigen «Tatsachenbericht» bei, in dem er das grosse Unrecht ausbreitete, das ihm widerfahren sei. Anlass für die «Justizkorruptionsaffäre» ist unter anderem ein Strafbefehl, der gegen R. erging, weil er einem Aufgebot des Zivilschutzes nicht Folge geleistet hatte. R. weigerte sich zunächst standhaft, deswegen eine Busse anzuerkennen, weshalb er schliesslich den Strafbefehl kassierte. Dabei ging es um eine Busse von 150 Franken. Auch dagegen rekurrierte R. bis nach Strassburg, weil der Strafbefehl in seinen Augen nie rechtskräftig wurde. Er und seine Partnerin F. fühlten sich unkorrekt behandelt von der Justiz. Sie verlangten von den eidgenössischen Räten, dass sie die Gerichte in die Schranken weisen. Vergebens. R. deckte die Justiz mit Einschreiben ein. So verlangte er von der Verwaltungskommission des Bundesgerichts, Fehlentscheide der Vorinstanzen zu korrigieren. In mehreren Rekursen und Klageschriften führte R. zahlreiche «Beweise» auf, die die verbrecherischen Machenschaften der Behörden dokumentierten. A.F. wandte sich im März 2018 verzweifelt an den Landrat und verlangte, dass man ihr die Wohnung in Allschwil zurückgibt, aus der sie widerrechtlich ausgewiesen wurde. Kurz davor muss sie erfahren haben, dass sie spätestens per Ende Juni ihr Zimmer in einem Basler Appartmenthaus verlassen muss. Die Frist verstrich und A.F. erhielt ihre Wohnung nicht zurück. Sie betont im Schreiben vom 24. April 2018 erneut, dass sie ihre alte Wohnung zwingend per 30. Juni 2018 benötige. Die Antwort der ehemaligen Vermieterin: Es bestehe zwischen den beiden Parteien kein Mietverhältnis.

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Mit einem Messer tötete die 75-jährige A. F.* den 7-jährigen Ilias. Die offenbar geistig verwirrte Täterin sah sich selbs jahrelang als Opfer. In den Augen von A.F. und ihrem Lebenspartner R.R.* hatten sich Justiz und Behörden gegen sie verschworen: unrechtmässige Pfändungen, widerrechtliche Strafbefehle und ungültige Gerichtsurteile. Auf mehreren hundert Seiten Korrespondenz führte das Querulanten-Paar einen jahrelangen Krieg gegen den Staat.

Es ist offensichtlich, dass die spätere Täterin Basel die Ansichten ihres 1999 verstorbenen Lebenspartners geteilt hat, davon Zeugen Schreiben, die sie im März und April 2018 an den Landrat verfasste. In der Bildstrecke finden Sie Ausschnitte aus der Akte «Justizkorrptionsaffäre», die im Berner Bundesarchiv lagern und die beiden jüngsten Schreiben der Messerstecherin.

(lha)