Liestal BL

04. Dezember 2018 09:39; Akt: 04.12.2018 13:23 Print

Polizistin stiehlt Geld und kommt ungestraft davon

Wegen verbotener Video-Überwachung und schlechter Kassenführung wird das Verfahren gegen eine Polizistin eingestellt.

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Eine Polizistin stahl immer wieder Geld aus der Cafeteria-Kasse. Weil der Diebstahl viel zu spät angezeigt wurde, kam sie mit der Straftat davon. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas (Symbolbild))

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Eine junge Polizistin hatte im Polizeiposten Gutsmatte in Liestal über einen längeren Zeitraum vermutlich mehrere Tausend Franken mitgehen lassen (20 Minuten berichtete). Da ihre Vorgesetzten sie daraufhin nicht anzeigten, sondern nur entliessen, zeigte sie einer ihrer Kollegen anonym an.

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Nun muss die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen, wie die Basler Zeitung berichtet. Grund dafür sind unter anderem die heimliche Video-Überwachung im Polizeigebäude und die schlechte Kassenführung.

Schlecht geführte Cafeteria-Kasse

Die Diebstähle und die daraus resultierende Entlassung der Polizistin ereigneten sich im Juni 2011. Die Beamtin fand nach ihrer Entlassung erneut eine Stelle bei der Polizei im Kanton Aargau. Die Staatsanwaltschaft erfuhr davon allerdings erst vergangenen März. Das Kader behielt die Vorfälle bis dahin für sich und verzeigte sie nicht. Da die Vergehen von der Polizei nicht gemeldet wurden, wurde das Verfahren wegen mehrfachen Diebstahls viel zu spät eröffnet.

Da die Kasse der Gutsmatte-Cafeteria sehr schlecht geführt worden war, konnte nicht nachvollzogen werden, wie viel Geld die Polizistin tatsächlich gestohlen hatte. Nachgewiesen werden konnten lediglich 30 Franken. Ein solch geringfügiger Diebstahl verjährt bereits nach sieben Jahren. «Aufgrund dieser letztlich völlig unklaren Situation rechtfertigt sich eine Eröffnung des Strafverfahrens nicht», erklärte die Staatsanwaltschaft gegenüber der Zeitung.

Heimliche Überwachung der Mitarbeiter

Das Material der heimlich installierten Kamera konnte zudem nicht verwendet werden. Die Überwachung der Mitarbeiter hätte mit der Staatsanwaltschaft abgesprochen werden müssen. Bei dieser hätte es sich gar um einen Straftatbestand handeln können. Auch die unzulässige Überwachung wurde nicht rechtzeitig angezeigt und ist somit verjährt. Zuletzt bleibt noch die Begünstigung der Polizistin durch den Verzicht auf eine Anzeige. Auch dabei handle es sich um ein Antragsdelikt, das nicht rechtzeitig zur Anzeige gebracht wurde.

«Da es sich bei allen, klarerweise vorliegenden Straftatbeständen um Antragsdelikte handelte und bei all diesen Delikten weder bei der Polizei noch bei der Staatsanwaltschaft innert Frist Strafanträge gestellt wurden, liegt ein Prozesshindernis vor, sodass keine Strafverfahren zu führen sind», erklärte die Staatsanwaltschaft zusammenfassend gegenüber der BaZ.

(lb)