Aus 2. Jahrhundert

18. November 2019 16:55; Akt: 18.11.2019 16:55 Print

Römischer Silber-Schatz in Basler Wald gefunden

In einem Waldstück bei Pratteln BL sind 293 Silbermünzen entdeckt. Der Fund gehört zu den grössten römischen Silberhorten der Schweiz.

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Der entdeckte römische Münzhort von Pratteln BL besteht aus 293 römischen Silbermünzen (Denaren). Die Experten Markus Peter und Rahel Ackermann vom Inventar der Fundmünzen der Schweiz untersuchen die Münzen vor Ort. Diese zwölf römischen Silbermünzen wurden in einem abgelegenen Wald auf dem Zugerberg gefunden. Es handelt sich dabei um sogenannte Antoniniane aus der Zeit zwischen 241 und 255 n. Chr. Wahrscheinlich hatten die Münzen damals keinen grossen Wert. Aber: «Der Fund ist für den Kanton Zug einzigartig und ein wichtiges Zeugnis», so Stefan Hochuli, Leiter Amt für Denkmalpflege und Archäologie. Das ist nicht das erste mal, dass römische Fundstücke in Zug entdeckt wurden. Weil in Hagendorn (ZG) ein Neubau anstand, wurden im August 2014 zuvor Rettungsgrabungen durchgeführt, bei welchen diese drei Terrakottafiguren von römischen Göttinnen gefunden wurden. Die Figuren sind rund 20 cm gross und stammen aus dem 1. und 3. Jahrhundert. Eine andere Terrakottafigur einer römischen Göttin wurde bei denselben Rettungsgrabungen gefunden. Diese Figuren wurden an einem in römischer Zeit genutzten Wasserkanal gefunden. Sie gehören zu den bisher grössten Terrakottafiguren der Schweiz. Für einen Neubau eines Bürogebäudes in Rotkreuz (ZG) wurden am 7. August 2015 Bauarbeiten durchgeführt. Bei welchen ein Stosszahn und mehrere Knochen eines Mammuts aufgetaucht sind. Hierbei handelt es sich um Reitersporen, die man im Gebiet Morgarten (ZG) gefunden hat. Hier sind von links nach rechts Reitersporen, der Beschlag eines Kästchens, zwölf Silberpfennige, der Blechschutz einer Messerschneide, zwei Geschossspitzen, zwei Dolche, ein Messer, eine Gürtelschnalle und ein Hufeisen abgebildet. Sie wurden ebenfalls im Gebiet Morgarten (ZG) gefunden. Laut Amt für Denkmalpflege und Archäologie Zug wurden in diesem Gebiet erstmals Funde aus dem Jahr 1315 gefunden. Ebenfalls im Gebiet Morgarten (ZG) fand man im Juni 2015 zwölf Silberpfennige. Am Donnerstag 25. Nov. 1999 informierten der Zuger Kantons-Archäologe Stefan Hochuli (links) und der Grabstellenleiter Johannes Weiss (rechts) über spektakuläre Funde in Steinhausen bei Zug. Dieses Holzpadell stammt aus der Bronzezeit (950 v.Chr.).

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Bei den Münzen handelt es sich ausschliesslich um Denare, die gemäss Mitteilung der Archäologie Baselland von Montag in einem insgesamt sehr guten Zustand sind – teilweise sogar noch prägefrisch. Den römischen Münzhort hatte ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Archäologie Baselland im Sommer 2019 am Abhang des Adlerberges bei Pratteln BL gefunden.

Die älteste Münze ist unter Kaiser Nero geprägt worden, der zwischen 54 bis 68 nach Christus regierte. Die meisten Münzen stammen aus dem zweiten Jahrhundert, die jüngsten Stücke aus der Zeit von Kaiser Commodus – sie waren 181/182 nach Christus in Rom geprägt worden, wie es im Communiqué heisst. Der Fund gehört demnach zu den grössten römischen Silberhorten der Schweiz, in der näheren Umgebung gibt es nur den rund 170 Jahre jüngeren Kaiseraugster Silberschatz.

Halber Jahreslohn von einem Legionär

In der Mitteilung wird der Wert der Münzen als «nicht unbeträchtlich» bezeichnet, er habe ungefähr dem halben Jahreslohn eines Legionärs entsprochen. Welchen Wert die Münzen heute haben, lässt sich laut dem Baselbieter Kantonsarchäologen Reto Marti nicht beziffern. Sie seien nicht schätzbar, da sie einzigartig und nicht verkäuflich seien, sagte er auf Anfrage.

Der Fundort in einem gewöhnlichen Waldstück sei aus heutiger Sicht unspektakulär, hält die Kantonsarchäologie fest. In römischer Zeit müsse dort aber ein auffälliger Stein oder Ähnliches gestanden haben.

b>Hatte Besitzer sein Versteck immer im Blick?

Vermutlich habe der Besitzer seine Barschaft in einem sicheren Versteck aufbewahren wollen, was damals nicht ungewöhnlich gewesen sei, heisst es in der Mitteilung. In Pratteln sind zwei römische Gutshöfe bekannt: Einer in der Flur Kästeli und der andere beim heutigen Dorfkern, von letzterem aus hätte der Besitzer sein Versteck stets im Blick gehabt.

Warum das Vermögen nie mehr geborgen wurde, ist unklar. Die Jahre um 182 nach Christus seien jedenfalls keine Krisenzeit gewesen, heisst es weiter. Die Münzen werden gemäss dem Kantonsarchäologen nun fertig restauriert und genauer bestimmt. Danach soll der Schatz voraussichtlich im Museum.BL in Liestal ausgestellt werden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Matt am 18.11.2019 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :)

    so Sachen finde ich echt cool!

  • Mirko Crocop am 18.11.2019 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Trägt zur weiteren Aufklärung unserer Geschichte in der Schweiz. Finde ich toll!

  • Dani B am 18.11.2019 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Geschichte ist spannend

    Archäologie ist ein überaus faszinierendes und wichtiges Forschungsgebiet. Denn wer nicht weiss woher er kommt, weiss auch nicht wohin er geht. Ich verstehe nicht wie man sich dafür nicht interessieren kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bluvampir am 19.11.2019 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Erklärbär am 19.11.2019 01:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Warum er nie geborgen wurde lässt sich einfach erklären. Wenn nur die Person, die ihn vergraben hat, davon wusste und diese Person verstorben ist, bevor sie die Münzen wieder ausgegraben hat, dann kann es durchaus sein, dass die Münzen dann für tausende Jahre dort unentdeckt liegen bleiben.

  • RaB am 18.11.2019 23:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wertlos

    die schluckt ja kein Automat mehr ;)

  • SimpelSimon am 18.11.2019 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Münzschatz

    Hoffentlich werden noch mehr solche Schätzchen aus unseren Wiesen und Wäldern geborgen:)

  • Rösli Tell dazu am 18.11.2019 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Erben des Geldes?

    Bitte um Nachforschung! Das kann man doch nicht einfach so einsacken! Wäre der Aneigner des Geldes Steuerpflichtig?