Riehen BS

20. März 2019 04:58; Akt: 20.03.2019 10:46 Print

Rätsel um invasive Nilgans in Storchenhorst

In Riehen hat es sich ein Nilgans-Paar in einem Storchenhorst gemütlich gemacht. Anwohner vermuten, dass die Vögel brüten. Experten beobachten die Situation kritisch.

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Da hat sich ein Nilgans-Paar buchstäblich ins gemachte Nest gesetzt: In Riehen ziehen die Tiere, die einen Storchenhorst in der Nähe der Lange Erlen bezogen haben, die Blicke auf sich. In der Facebook-Gruppe «Du weisch, dass de vo Rieche bisch, wenn...» wird darüber gerätselt, ob die Gänse «dort oben» brüten. «So lustig, als ich sie kürzlich gesehen hatte, dachte ich, ich spinne», schreibt eine Frau in die Gruppe. Eine Riehenerin gibt an, dass sie das Gänsepaar beobachtet habe, wie es laut schnatternd von Horst zu Horst geflogen sei, bis es den passenden Ort gefunden habe, um sich niederzulassen. «Sie wollten eine andere Wohnung mit Aussicht beziehen», wird gewitzelt.

Dass sich die Gänse in der Region niederlassen ist aber keineswegs komisch: Es ist eine invasive Art. «In den vergangenen Jahren wurden schweizweit im Durschnitt zwischen acht und 13 Paare gezählt», sagt Livio Rey von der Vogelwarte Sempach.

«Sehr aggressive Tiere»

Der ursprüngliche natürliche Lebensraum der Tiere ist Afrika. Mittlerweile leben die Vögel jedoch auch in Europa, weil sie als Haustiere gehalten und in der Wildnis ausgesetzt wurden oder ausgebüxt sind. Über die Niederlande und Deutschland, wo es laut Rey bereits grosse Populationen gibt, würden die Gänse in die Schweiz einfliegen. Rey ist erstaunt über das Riehener Nilgans-Paar: «Ich habe noch nie davon gehört, dass die Gänse in einem Storchenhorst brüten», sagt er. Es sei jedoch bekannt, dass sie gerne Nester von anderen Vögeln beziehen.

«Nilgänse gelten als sehr aggressiv, gerade wenn es darum geht ihr Nest zu verteidigen. Ihre Anwesenheit kann sich negativ auf Bestände anderer Entenvögel auswirken», so Rey. Wegen einem Paar Nilgänse müsse noch kein Brimborium gemacht werden, aber: «Wenn sich eine eingeschleppte Art plötzlich sehr stark vermehrt, ist es oft bereits zu spät, um einzugreifen. Es ist daher bei potenziell invasiven Arten besser, sofort zu handeln und eine Ausbreitung zu verhindern.»

«Eingreifen, solange noch Population klein ist»

Was mit den gefiederten Hooligans passiert, liegt im Zuständigkeitsbereich des Kantons. Walo Stiegeler, Riehener Forstwart und Jagdaufseher, weiss von den Nilgänsen: Er habe sie bereits letztes Jahr beobachtet. «Konsequenterweise müsste die Population jetzt dezimiert werden, solange sie noch so klein ist», sagt auch Stiegeler. Doch obwohl es prinzipiell richtig wäre, die Vögel «umzutun», wie er sagt, werde er die Situation vorerst einfach im Auge behalten. Er will mit den Verantwortlichen zeitnah einen Plan schmieden und das weitere Vorgehen definieren.

Margarete Osellame-Bläsi, Präsidentin der Gesellschaft Vogelkunde und Vogelschutz Riehen, erhält zurzeit viele Telefonate. «Die Leute melden uns ganz aufgeregt die Nilgänse im Horst», sagt sie. Sie werde die beiden kritisch beobachten. «Es wär schon gut, wenn man es umgehen könnte, die schönen Tiere zu töten.» Osellame geht zudem nicht davon aus, dass das Paar im Horst am Brüten ist. «Nilgänse sind Bodenbrüter und nisten lieber in der Nähe des Wassers.»

(jd)