Koks und Speed gegen Sex

25. November 2011 06:07; Akt: 26.11.2011 11:59 Print

Drogenhöhle mit Babystrich in Basel?

Nach dem Gesichtsschuss in einem Basler Tattoo-Studio kommen Details über eine bislang völlig unbekannte Szene zum Vorschein. Es geht um Minderjährige, Drogen und Prostitution. Insider packen aus.

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Sie wollten nur ein bisschen «chillen», verabredeten sich im Tattoo- und Piercing-Studio Cadaphy. Doch dann griff der 23-jährige Pablo* zur Waffe und schoss Lea* brutal ins Gesicht. Seither liegt die 16-Jährige im Koma. Was Pablo zu dieser Wahnsinnstat trieb, ist weiterhin unklar. Die Staatsanwaltschaft konnte sie noch nicht befragen. Jetzt packen jugendliche Szene-Kenner aus.

Marco (Name der Redaktion bekannt) ist 19 und kennt das Opfer Lea sowie mehrere Leute, die in den Tattoo-Fall involviert sind. Und Marco weiss: Im Tattoo-Studio wurde nicht nur gechillt. Im Hinterzimmer des Studios wurden Drogen vertickt. Und das nicht nur an der Feldbergstrasse. In ganz Basel gebe es mehrere solche für Drogendeals «getarnte» Orte.

«Die Mädchen prostituieren sich für Drogen»

Der Teenager weiss von Dutzenden von Basler Jugendlichen, die sich in der Drogen-Szene bewegen. «Viele gehen nicht zur Schule oder sind arbeitslos», sagt Marco. Am Tag hängen sie auf Hauspartys rum. Am Abend, hauptsächlich ab Donnerstag, seien sie in bestimmten Klubs unterwegs. «Dort gibt es schon für Kids ab 15 Drogen und Sex auf den Toiletten.» Die Minderjährigen kommen ohne Ausweis in die Klubs. Dort wird mit Hasch, Koks, Speed und weiteren Drogen gedealt.

«Die Mädchen prostituieren sich für Koks, viele Jungs sind Dealer, um sich ihre eigenen Drogen finanzieren zu können», sagt Marco. Und er ist nicht der Einzige, der von dem Treiben weiss. 20 Minuten Online hat mit einer weiteren Jugendlichen gesprochen, die unabhängig von Marcos Schilderungen die Vorgänge bestätigt. Die 18-Jährige, die sich in diesem Milieu bewegt, sagt: «Die Szene trifft sich in mindestens drei Basler Klubs.» Ausweise kontrolliere dort niemand und unter den Mädchen, die sich für Drogen verkauften, seien nicht wenige Minderjährige.

Niemand realisiere, wie viele Jugendliche in Basel involviert seien, sagen die Kenner der Szene. Die Polizei habe keine Ahnung, sagt Marco. Der Basler Jugendanwalt Beat Burkhardt sagt: «Das ist mir neu, davon ist mir nichts bekannt.» Doch auf die leichte Schulter will man die Sache nicht nehmen. Man gehe den Hinweisen nach, sei sehr interessiert, eine solche Szene - falls sie denn existiere - «trockenzulegen», so Burkhardt weiter. «So etwas akzeptieren wir in Basel nicht.»

Auch Marco möchte dem Ganzen nicht mehr länger zusehen. «Es muss gestoppt werden, sonst gibt es weitere schlimme Fälle wie den Schuss ins Gesicht im Tattoo-Studio.»


Feedback
Haben Sie Hinweise oder Informationen zur Szene? Mail an: feedback@20minuten.ch

(feb/dd/lua)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phil am 29.11.2011 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Naive Behörden

    Logisch geht es in anderen Städten genau so zu und her. Besonders bedenklich ist aber, dass sich die Behörden so überrascht geben. Wirklich naiv, die haben offenbar keine Ahnung, was auf der Strasse abgeht.

  • Petri am 25.11.2011 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Basel muss sich neu ausrichten

    Basel wie auch andere Schweizer Städte haben grosse Fehler in der Vergangenheit gemacht: Man hat unverhältnismässig alle Hanfläden geschlossen und somit den Schwarzmarkt mit härteren Drogen begünstigt. Weiter hat man auch viele Quartiere völlig vernachlässigt, dies führte zu Parallelgesellschaften, mehr Gewalt, schlechter Schulbildung, solchen Studios etc. Die Städte haben genug "Laissez Faire Politik" betrieben, nun müssen Stadtkonzepte neu ausgerichtet werden.

  • giovanni am 25.11.2011 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles kann man kaufen

    unglaublich, heute verkaufen sich sowiso die meisten jungen.. drogen oder geld reicht das man viele frauen hat.. traurig..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dini Mieter am 09.12.2011 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    BlaBla

    Ja im Borderline oder Nordstern wird auf dem Klo gekokst und im Saxo kannst du auch für 20.- kaufen.In jeder Fixerstube kann ein 14 -jähriger Heroin kaufen, und jetzt?

  • Roli Greter am 29.11.2011 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Flucht aus der Vereinsamung

    Es ist traurig mitanzusehen, wie die Menschen nach und nach vereinsamen. Im innersten wünscht sich jeder Mensch Wärme und die Nähe eines geliebten Mitmenschen. Dies ist jedoch in unserer konsum- und leistungsorientierten Gesellschaft kaum mehr möglich. Einerseits fehlt die Unterstützung durch den Staat (Familienpolitik), anderseits wird man durch die Wirtschaft geknebelt. Die Flucht in die vermeintliche Geborgenheit der Drogen ist für viele der einzige Weg aus dem "Sumpf".

  • TheSystemAlien am 29.11.2011 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Aufklärung/Angstmache...

    Wenn die Menschheit nun endlich mal richtig über Drogenkonsum und dessen Folgen und Wirkung aufgeklärt würde, hätten wir schon sehr viele Probleme weniger.. Denkt drüber nach...

  • mindi am 29.11.2011 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    ...und die Eltern wo sind Sie?

    Ich habe fast ....aber nur fast alle Kommentare gelesen..es hat mich schon getroffen, dass fast niemand über die Pflichte von die so genannten Eltern geredet hat, nur gegen unsere Gesellschaft, Politiker und Clubbeseitzer aber fast niemand fragt sicht wo die Muttern oder die Vätern von diese Kinder sind, ich könnte nicht schlafen wann meine Töchtern bis später in der Nacht noch unterwegs wären (Clubs machen meisten um 23 Uhr auf ) also Eltern wo sind sie wann Ihre Kinder unterwegs sind? Ich kann gut verstehe dass manchmal schwer ist aber mit Liebe und viel Zeit kann man viel erreichen...

  • Erevu am 29.11.2011 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Regierungen? Denkt selber!!

    Das Versagen ist doch eindeutig bei den Clubgängern selber zu suchen. Sokrates sprach von angeborener Vernunft und würde diese auch gebraucht werden hätten solche Clubs gar keine Besucher mehr.