Basel-Stadt

29. Juli 2014 16:51; Akt: 29.07.2014 16:51 Print

Durch Gartenarbeit wieder in den Berufsalltag finden

von Mirjam Rodehacke - Seit zehn Jahren reintegriert die Stadtgärtnerei Leute ins Berufsleben, die durch Unfall oder Krankheit länger nicht auf dem Arbeitsmarkt waren. Am Dienstag zog sie eine Bilanz.

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Dieter Simonet und Mareike Holluba von der Stadtgärtnerei Basel demonstrieren eine Aufgabe. (Bild: Mirjam Rodehacke)

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«Bei der beruflichen Reintegration durch die Stadtgärtnerei für Personen mit einer Einschränkung handelt es sich nicht um geschützte Arbeitsplätze, sondern um erste Gehversuche im realen Arbeitsmarkt», sagt Dieter Simonet, Leiter Arbeitsintegration der Stadtgärtnerei Basel. In den letzten zehn Jahren begleitete die Stadtgärtnerei rund 70 Personen. Dies immer in enger Zusammenarbeit mit der IV-Stelle Basel-Stadt.

«Zu 90 Prozent werden die Menschen mit körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung von der IV-Stelle vermittelt. Die übrigen kommen von der Suva oder aus dem Bürgerspital», so Simonet weiter. Die Versicherten erledigen dann nur Arbeiten, die sie mit ihren momentanen Fähigkeiten bewältigen können. Pro Jahr können etwa vier bis fünf Personen an diesem Projekt teilnehmen.

Zwei Phasen bis zum Wiedereinstieg

«Die Stadtgärtnerei ist als Trainingsort für Menschen mit Beeinträchtigung prädestiniert. Dank ihres vielseitigen Arbeitsspektrums von Grünpflege über Topf- und Zierpflanzenproduktion bis hin zu Büroarbeiten eignet sie sich gut als Betrieb für Integrationsmassnahmen», begründet Simonet. «Das Ziel der Einsätze ist dabei einerseits das Wiedererlernen der Regeln in der Arbeitswelt und andererseits das Steigern der eigenen Belastbarkeit», fügt Simone Rychen, Teamleiterin Integration IV-Stelle Basel-Stadt hinzu.

Beispielsweise absolvieren IV-Klienten so genannte Belastbarkeitstrainings, bei denen sie während mindestens vier Tagen zwei Stunden und schrittweise mehr arbeiten: «In den ersten drei Monaten werden diese Tageseinsätze kontinuierlich auf vier Stunden gesteigert», so Rychen. Geübt werde in erster Linie Pünktlichkeit und Präsenz. In einer zweiten Phase erfolgt das Aufbautraining. Dort wird die Arbeitsfähigkeit gefestigt und weiter ausgebaut. Die Einsätze dauern zwischen drei und neun Monaten.

Die Hauptkosten trägt die Stadtgärtnerei

Nach jeweils drei Monaten erfolgt ein Standortgespräch zusammen mit der IV, dem Klienten und einem Vertreter der jeweiligen Abteilung. «Durch die wiedererlangte Arbeitsroutine und Stabilität kann dies eine Rückkehr in die Arbeitswelt sein – eventuell mit einem reduzierten Pensum», so Simonet. Durch den Einsatz kann aber auch deutlich werden, dass der alte Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann und eine Umschulung nötig ist. «Sind alle Integrationsversuche ausgeschöpft und der Klient erweist sich nicht mehr als arbeitsfähig, wird eine IV-Rente beantragt», erklärt Rychen.

«Trotz erfolgreicher Arbeitsintegration seit zehn Jahren erhält die Stadtgärtnerei für die Betreuungs-, Koordinations- und Materialaufwände von der IV aber nur eine Teilentschädigung», so Simonet. Den Rest der Kosten für beispielsweise Betreuungspersonen, Berufskleidung und Werkzeuge zahlt sie selbst. «Trotzdem sind wir nach dieser Zeit überzeugt, einen wichtigen Teil zur beruflichen Reintegration beisteuern zu können», freut sich Simonet.