Basel

29. März 2011 15:07; Akt: 29.03.2011 21:33 Print

EBL: Mehr grüne Energie im Visier

Die Elektra Baselland (EBL) hat 2010 Umsatz und Betriebsergebnis gesteigert. Der Jahresgewinn - 2009 wegen eines Aktienverkaufs ungewöhnlich hoch - sank wieder. Mittel- und langfristig will die EBL viel mehr Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien anbieten.

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Die am Mittwoch den Medien präsentierten Eckdaten (neu konsolidiert ausgewiesen) sehen gut aus: Der Umsatz stieg um 2,6 Prozent auf 156,7 Mio. Fr., doppelt so stark das Betriebsergebnis (EBITDA) auf 36,5 Mio. Franken. Ohne einen grossen Aktienverkauf wie jenen der Alpiq-Aktien im Vorjahr fielen das Finanzergebnis von 89,6 auf 17,8 Mio. Fr. und der Jahresgewinn von 54,7 auf 13,3 Mio. Franken.

Der Stromverbrauch im EBL-Versorgungsgebiet wuchs indes ebenfalls: um rund 4 Prozent auf rund 678 GWh, nach einem Minus von 2 Prozent im Jahr 2009. Mit dem Ende der Wirtschaftskrise verbrauchten 2010 Gewerbe ( 8%) und Industrie ( 7,1%) deutlich mehr Strom. Nach der Strommarktöffnung sind laut EBL-Angaben noch keine Grosskunden abgesprungen.

Schweizweit aktiv

Die EBL-Wärmesparte profitierte vom kalten Winter mit 30 Prozent mehr Wärmeabsatz; insgesamt waren es 106 GWh. Lokale Wärmenetze und - Grossanlagen betreibt die EBL heute in mehreren Kantonen und mit verschiedenen Techniken. Contracting-Anlagen legten deutlich zu und schrieben laut Finanzchef Alain Jourdan erstmals schwarze Zahlen.

Die Telecom-Sparte steuerte 19,8 Mio. an den Umsatz bei, gut 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Sparte hat eine andere Dynamik als Strom und Wärme; Anlagen sind nicht nur teuer, sondern veralten auch schnell. - Der EBL-Personalbestand stieg insgesamt um 6,5 Prozent auf 238 rechnerische Vollstellen.

EBL-Chef Urs Steiner hakte die Zahlen rasch ab und erläuterte mit Verweis auf die Atomkatastrophe in Japan seine Visionen. Insbesondere die Energieeffizienz müsse man stark steigern; zudem solle die EBL stark auf erneuerbare Energien im In- und Ausland setzen. AKW bleiben indes in den nächsten Jahren unverzichtbar.

Ökologisierung aufgegleist

Die präsentierte Strategie hat allerdings nichts mit Fukushima zu tun: Sie stammt von 2006 - Steiner sieht sie nun voll bestätigt. Hintergrund sind ablaufende Lieferverträge mit der AKW-Betreiberin Atel (2013/2029) sowie den Rheinkraftwerken Birsfelden (Heimfall 2034) und Augst (2045). Ob danach von dort weiter Strom bezogen wird und wieviel, sei heute offen.

Wichtig seien Anlagen, deren Produktion man selber steuern kann. So wolle die EBL lokale Wärmenetze zwischen Muttenz und Gelterkinden zusammenhängen und mit einem neuen Holzschnitzel-Ofen auch Strom produzieren. Insgesamt strebe sie bis 2014 zusätzlich über 300 GWh aus erneuerbaren Energien (Biomasse, Wind, Sonne, Wasser) an.

Der EBL-Chef stellte Verwaltungsrats-Entscheide für Mitte April in Aussicht. Auf die Strommarkt-Dynamik angesprochen, blieb er vage - persönlich gehe er jedenfalls von zunehmend engeren Kooperationen von kleineren Unternehmen wie EBL und EBM aus. Als Genossenschaft könne die EBL immerhin ihre Gewinne voll investieren.

(sda)