Dornach SO

23. Februar 2017 05:52; Akt: 23.02.2017 05:52 Print

Ein Islamwissenschaftler als Schnapsbrenner

Ungewöhnliche Karriere: Bevor Antonio Esposito (29) neuer Schnapsbrenner der Brennerei Zeltner in Dornach wurde, studierte er Islamwissenschaft an der Universität Basel.

In der 100 Jahre alten Brennerei Zeltner in Dornach steht seit Ende Januar ein Islamwissenschaftler vor den Brennöfen. (Video: FH)
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In der Brennerei Zeltner in Dornach wird seit 100 Jahren Schnaps gebrannt. Lange Zeit stand der Brenner und ehemalige Zentralpräsident des schweizerischen Brennverbandes Ruedi Zeltner selber vor den Öfen. Nun will der mittlerweile 95-Jährige kürzer treten und gibt seine Brennerei in neue Hände. «Es fällt mir sehr schwer loszulassen», so Zeltner.

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In seine Fussstapfen tritt nun ein junger Quereinsteiger. Bevor sich Antonio Esposito aus Laufen für die Stelle als Brenner beworben hat, studierte der 29-Jährige nämlich Islamwissenschaft an der Universität Basel. Wer nun glaubt, dass dies in einem Widerspruch mit dem strikten Alkoholverbot des Islam steht, irrt: «Mein Studium hatte nichts mit Religion zu tun», sagt Esposito. Vielmehr geht es um die Kultur und Geschichte der islamischen Welt. Esposito bezeichnet sich selbst als nicht religiös.

Hingegen habe er schon immer eine geistes- und eine naturwissenschaftliche Seite in sich gehabt, erklärt er. Da er auf seinem Studiengebiet keinen passenden Job gefunden habe, habe er sich spontan auf die Stelle beworben. «Überraschenderweise wurde ich sofort zu einem Vorstellungsgespräch und einem sogenannten Testbrennen eingeladen», so der Baselbieter.

Eine Wissenschaft für sich

Istvan Akos von der Brauerei Unser Bier, der die Brennerei zusammen mit 22 Aktionären übernommen hat, sei sehr von seinem Können beeindruckt gewesen und habe ihn noch am gleichen Tag eingestellt. «Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet», freut sich Esposito. Sein Interesse an Schnäpsen kommt nicht von ungefähr – aufgrund seiner italienischen Herkuft habe er bereits Erfahrung in der Likörproduktion. «Als Brenner hat man jedoch die Möglichkeit einen Schnaps von Grund auf selber zu produzieren», so der 29-Jährige.

Eine Ausbildung zum Brenner gebe es in der Schweiz nicht. Da der Beruf in direkter Verbindung mit der Produktion von Alkohol stehe, werde er vom Bund nicht unterstützt. «Alles, was ein Schnapsbrenner braucht ist Erfahrung und eine gute Nase», erklärt er. Eine genaue und vor allem feine Arbeitsweise während und nach dem Brennen sei sehr wichtig und entscheidend. «Je sanfter man mit dem Schnaps umgeht, desto weniger Aromen gehen schlussendlich verloren», so Esposito.

Freude am Schnaps brennen

In der Brennerei werden hauptsächlich sogenannte Lohnbrände produziert. «Rund 2000 Anwohner, darunter viele Bauern, bringen ihr Obst in die Brennerei», erzählt Esposito. Verarbeitet würden unter anderem Zwetschgen, Mirabellen, Kirschen oder Birnen. «Momentan brennen wir vor allem Traubenschnaps», sagt er. Für ihn gebe es nichts Schöneres, als am Ende des Tages das fertig produzierte Destillat in den Händen zu halten. «Schnaps brennen macht mir sehr viel Spass», sagt er.

Islamwissenschaftler brennt nun Schnaps

(fh)

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