Seit 50 Jahren

17. August 2018 05:46; Akt: 17.08.2018 08:18 Print

Mann lebt mit Rekord-Spenderniere

1968 noch ein Experiment, heute eine Erfolgsgeschichte: Walter Thalmann bekam vor 50 Jahren in Basel eine Spenderniere, mit der er noch heute lebt – ein medizinischer Rekord.

Im Video erklärt Prof. Jürg Steiger unter anderem, warum die transplantierten Nieren vergleichsweise lange halten. (Video: 20 Minuten/mis/sis)
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Ein Wunder der Natur – wie man es auch nennen darf –, wenn das Leben einem plötzlich eine zweite Chance schenkt. Solche Gedanken gingen auch Walter Thalmann durch den Kopf, als am 5. April 1968 sein Leben mit 24 Jahren nochmals neu begann.

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Scheinbar «aus Zufall», wie es Jürg Steiger, Chefarzt für Transplantationsimmunologie am Universitätsspital Basel, beschreibt, bekam Walter Thalmann an jenem Tag eine Spenderniere, die sein Leben rettete. Es ist ein medizinisches Wunder, denn die Niere funktioniert laut Steiger auch nach über 50 Jahren noch immer einwandfrei. Der heute 74-Jährige trägt weltweit die am längsten funktionierende Niere in sich. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise sind Spendernieren im Schnitt nur zwischen 10 bis 15 Jahre funktionsfähig. Zur Feier des Rekords veranstaltete das Universitätsspital Basel am Donnerstag ein Walter Thalmann-Symposium.

«Es war ein perfekter Match»

«Ich war überrascht, als ich gerade mal nach einem Tag in den Operationssaal des Universitätsspitals gebracht wurde», erinnert sich Thalmann. Der damals 24-Jährige war erst der neunte Patient, an dem in Basel eine Nierentransplantation vorgenommen wurde. Dieser Prozess verlief ungewöhnlich schnell, wie Steiger erklärt: «Die heutige Organspende-Wartezeit kann bis zu drei Jahren dauern. Bei Walter Thalmann war einfach alles ein perfekter Match.»

Thalmann war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. «Es fühlte sich an wie ein anderes Leben. Ich konnte plötzlich wieder essen und trinken», erzählt er. Ohne diese Transplantation würde er heute nicht mehr leben. Schon früh erkrankte er an einer Autoimmunerkrankung, bei der der Körper anfängt, gegen sich selbst zu kämpfen. Thalmanns Nieren wurden dadurch angegriffen und verkleinerten sich zu sogenannten «Schrumpfnieren».

Geben statt nur nehmen

Genau zehn Jahre später, im Jahre 1978, bekam Ruth Peters, aufgrund einer bakteriellen Infektion, ebenfalls eine neue Niere. Auch sie lebt nun schon seit rund 40 Jahren mit derselben Niere und ist heute dankbar für ihr neu gewonnenes Leben: «Ich war kurz vor dem Sterben und ich dachte, jänu, jetzt muss ich halt gehen. Heute ist mein ganzes Leben mit Dankbarkeit erfüllt.»

Peters setzt sich heute aktiv für die Organspende ein und ermutigte schon viele Nierentransplantations-Patienten, niemals die Hoffnung aufzugeben, denn sie ist der Überzeugung, dass eine positive Lebenseinstellung Einfluss auf den Erfolg hat. «Viele Menschen nehmen nur und geben selber nichts, deshalb möchte ich an dieser Stelle allen Spendern danken.»

(mis )

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fredo am 17.08.2018 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Unendliche Dankbarkeit an Anonym

    Ich lebe auch seit mehreren Jahren mit einer Spenderniere und bin dem Spender unendlich dankbar, auch wenn ich ihn nicht kenne. Nachdem ich vorher 4 Jahre an der Dialyse war hat sich mein Leben schlagartig durch die Niere geändert. Ich bin körperlich fitter und konnte nach vielen Jahren endlich unabhängig Leben. Seitdem feier ich 2x Geburtstag im Jahr.

  • Mozartino am 17.08.2018 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NierenVersagen

    Mein Vater starb 1956 an Nierenversagen ! Ich war damals erst 12 Jahre alt und von OrganSpenden war noch nichts bekannt, sonst hätte er sicher eine Niere z.B. von mir bekommen !

  • dc am 17.08.2018 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Organspendeausweis = kein Anrecht auf Organ

    Schade, dass jeder 4. seine Organe nicht spenden möchte. Ich hoffe, sie wären aber auch so fair und würden dann keine Organe annehmen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Norbert am 17.08.2018 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Gesundheit wünsche ich

    Ich wünsche ihm noch lange gute Gesundheit. Ich habe einen Spenderausweis mit NEIN. Warum? Weil in gewissen EU Ländern wie Austria nicht gefragt sondern gleich ausgeweidet wird. Ich will selber entscheiden können.

  • Mozartino am 17.08.2018 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NierenVersagen

    Mein Vater starb 1956 an Nierenversagen ! Ich war damals erst 12 Jahre alt und von OrganSpenden war noch nichts bekannt, sonst hätte er sicher eine Niere z.B. von mir bekommen !

  • Fredo am 17.08.2018 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Unendliche Dankbarkeit an Anonym

    Ich lebe auch seit mehreren Jahren mit einer Spenderniere und bin dem Spender unendlich dankbar, auch wenn ich ihn nicht kenne. Nachdem ich vorher 4 Jahre an der Dialyse war hat sich mein Leben schlagartig durch die Niere geändert. Ich bin körperlich fitter und konnte nach vielen Jahren endlich unabhängig Leben. Seitdem feier ich 2x Geburtstag im Jahr.

  • HU Wartenweiler am 17.08.2018 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer gibt wird bekommen - wer nicht steht hinten an

    Mit der Organspende ist es absurd. Warum unternehmen unsere Krankenkassen nicht einen Vorstoss. Man meldet sich bei der Krankenkasse als Organspender an und dies wird auf dem Krankenkassenausweis vermerkt. Einfach und günstiger für alle. UND: wer gibt bekommt, wer nicht muss hinten anstehen. = Fairplay rsp sozial. Aber da viel Geld im Spiel ist, ist niemand daran interessiert, das System zu vereinfachen.

  • Beat am 17.08.2018 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Bin dagegen

    Es ist nicht zu übersehen, auf welcher Seite der Autor steht. Der Artikel lässt leider die zu vielen Nachtteile offen oder lässt sie ganz weg. Bis zu 50 Tabletten muss der Patient bis ans Lebensende nehmen. Zudem besteht die Gefahr, dass man höchstwahrscheinlich an Krebs erkrankt. Meistens Leberkrebs. Zudem wird der Spender lebend ausgeräumt, die sind also nicht Tod, wie viele glauben. Bin überzeugt, dass man dies oder jenes mitkriegt. Ausserdem weiss man nicht, von wem das Organ stammt. Ein Inder, der 300 Franken erhielt oder ein Russe, der einen Autounfall hatte. Oder ein Chinese....