Basel

22. Januar 2020 12:15; Akt: 22.01.2020 12:15 Print

Eltern brachen Säugling mehrfach die Knochen

Am Donnerstag wird am Strafgericht Basel-Stadt ein besonders brutaler Fall von Kindesmisshandlung verhandelt. Die Tochter wurde den Eltern entzogen.

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Im September 2015 wurde das Kind der angeklagten Eltern geboren. Nur wenige Tage war das Mädchen alt, als die Misshandlungen durch die heute 26-jährigen Mutter und den 32-jährigen Vater begannen. Nach der Geburt zogen Mutter und Baby direkt vom Spital in ein Mutter-Kind-Haus. Der Umzug erfolgte auf Weisung des Familiengerichts. Die Gründe, die zu diesem Entscheid führten, sind der Anklageschrift nicht zu entnehmen. Im Mutter-Kind-Haus wurde das Neugeborene sowohl von den leiblichen Eltern, als auch durch Mitarbeiter der Einrichtung versorgt.

Einige Wochenenden durfte die Familie in ihrer eigenen Wohnung verbringen: Ohne externe Unterstützung, jedoch in Anwesenheit einer der Mütter der Beschuldigten. Die Eltern hatten gegenüber ihrer Tochter eine Garantenstellung. Beide waren in die Pflege ihres Kindes eingebunden und für dessen Wohlergehen verantwortlich, insbesondere, wenn sie mit ihm allein Zeit verbrachten.

Die beiden kamen mit dieser Rolle offensichtlich nicht zurecht. Angeklagt sind fünf Attacken auf den Säugling. Die Eltern misshandelten das kleine Mädchen so lange, bis es mit nicht einmal drei Monaten den Eltern entzogen wurde. Die Anklage zeigt, wie brutal die Beschuldigten auf das Kind einwirkten. Sie brachen dem Säugling mehrfach die Oberschenkelknochen und Schienbeine sowie beide Ellen.

«An Fussgelenken gepackt und Beinchen verdreht»

Die Brüche entstanden indem sie das Baby «heftig an den Fussgelenken packten und dabei die Beinchen herumrissen, respektive verdrehten», wie der Anklage zu entnehmen ist. Die Ellen brachen sie durch einen «heftigen Schlag» sowie «kräftiges Zusammendrücken und Stauchen des Unterarms.»

Anfang Dezember 2015 brachte die Mutter das Baby notfallmässig in die Universitäre Kinderklinik. Dort stellte das Personal den frischen «inkompletten Spiralbruch» am rechten Oberschenkel fest sowie die diversen älteren Knochenbrüche. Ein paar Tage später zog die Beschuldigte aus dem Mutter-Kind-Haus aus. Ihre Tochter konnte sie nicht mehr aus dem Spital abholen: Das Mädchen wurde nach dem Klinikaufenthalt direkt fremdplatziert.

Ob beide Elternteile bei der Gewaltausübung aktiv waren oder jeweils einer der beiden den anderen gewähren liess, ohne die Taten zu verhindern, erachtet die Staatsanwaltschaft als gleich schwer. Sie geht davon aus, dass die Beschuldigten sowohl gemeinsam, als auch alleine handelten und will die Eltern zu zehn Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilen.

Die Verhandlung findet am Donnerstag statt und ist auf einen Tag angesetzt.

(jd)