FCB-Fans zu Streller

16. Juni 2019 14:20; Akt: 16.06.2019 14:20 Print

«Sein Abschied wirkt auf mich trotzig und infantil»

Viele Fans bedanken sich bei Ex-FCB-Sportchef Marco Streller für seine Arbeit. Die Vereinslegende wird jedoch auch für ausbleibende Erfolge und fehlende Fachkompetenz kritisiert.

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«Dass die Fussstapfen riesig sind, dessen bin ich mir bewusst. Ich habe davor Respekt – aber keine Angst. Sonst würde ich die Aufgabe nicht übernehmen.» Die neue Clubleitung des FC Basel mit Marco Streller spricht an der Pressekonferenz nach am 7. April 2017. «Ich habe meine Stärken vielleicht eher in der Kommunikation. Geht es um die Administration, dann ist das weniger der Fall.» Streller (2. von rechts) spricht dabei auch über Schwächen. «Ich finde zudem, dass es gerechtfertigt ist, wenn nun Leute Zweifel haben. Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, wenn ich am Anfang unterschätzt werde.» Diesen Gefallen machten Streller von Anfang an viele ... «Vielleicht bedeutet unser Konzept mit mehr Spielern aus dem eigenen Nachwuchs ja tatsächlich, dass die Zeiten von 17 Punkten Vorsprung vorbei sind. Vielleicht wird die Meisterschaft dadurch dann auch spannender. Aber was ist der Fussball? Für mich ist er ganz klar auch Entertainment!» Dass diese Aussage ihn schnell einholen würde, dachte Streller da kaum. «Es ist nicht hoch genug zu werten. Es ist sensationell. Es war eine unglaubliche Kampagne. Ich bin ja ein Optimist, aber zwölf Punkte hätte ich auch nicht für möglich gehalten.» Ende 2017 kann Streller eine positive Bilanz ziehen – zumindest in der Champions League. Als Belohnung gibt's bei der Achtelfinal-Auslosung Manchester City (rechts Sportdirektor Txiki Bergiristain) «Was mich als Ex-Spieler sehr beeindruckt, ist wie schnell die Mannschaft in einer Partie das System wechseln kann. Diese Flexibilität im Spiel ist wichtig, weil das heute elementar ist im Fussball. Das ist schlicht unglaublich und freut mich riesig für Raphael Wicky und seine Mannschaft.» Es gibt darum auch Lob für trainer Raphael Wicky (rechts) «Irgendwie habe ich das Gefühl, dass uns dieser Misserfolg für die Zukunft auf seltsame Art guttut. In der neuen Saison wollen wir beweisen, dass wir es besser können.» Bereits nächsten Sommer dreht der Wind, YB ist Meister. Die Zuversicht bleibt. «Wicky macht sehr, sehr viel gut und ist noch ein junger Trainer. Aber genau so, wie ich auch Fehler gemacht habe, hat auch er vielleicht den einen oder anderen Fehler gemacht.» Aber dennoch gibt's auch schon leise Kritik am Trainer. 3 Monate später, im Juli 2018, war Wicky bereits entlassen. «Mit 19 Punkten Rückstand auf YB können wir nicht zufrieden sein. Aber es hat trotzdem grosse Freude gemacht, zu sehen, wie die jungen Spieler sich entwickeln.» Die Zwischenbilanz im Dezember 2018 zeigt: Auch mit dem neuen Trainer Marcel Koller (rechts) wird es nicht besser. «Das Team ist sicher besser, als es in der Tabelle dasteht.» Aber Streller will den Durchblick behalten und bleibt optimistisch. «Marcel Koller ist schon sehr lange im Geschäft. Es gibt vieles, was ich von ihm lernen kann und es gibt sicher auch ein paar Dinge, die er von mir lernen kann – obwohl ich ein, zwei Jahre jünger bin.» Von Harmonie ist im Dezember 2018 wenig zu spüren. «Es war nicht immer ganz einfach in einer Situation, als wir schon mitten in der Saison waren. Aber wir sehen den Fussball ähnlich und haben einen sehr guten Draht zueinander gefunden.» Oder täuschte da noch bloss die Optik? Heute, nach dem Rücktritt Strellers, dürfte man sagen: Nein ...

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Fehler gesehen?

Eine stürmische Woche endet beim FC Basel mit einem überraschenden Knall. Der FC Basel-Sportchef ist weg: Zuerst schien es, als müsse Trainer Marcel Koller seinen Posten räumen. Stattdessen hat nun Marco Streller (37) den Rücktritt gegeben, wie am 14. Juni bekannt wurde. «Pipi» Streller hat intern per SMS über seinen Abgang informiert, diese Nachricht gelangte an die Öffentlichkeit.

An Strellers Abgang scheiden sich die Geister, wie ein Blick in das FCB-Fan-Forum schnell zeigt. Was sich deutlich heraus kristallisiert: Streller ist als Mensch ein Sympathieträger. «Strellers Abgang ist irgendwie traurig, er wird für mich immer eine der prägendsten FCB-Figuren bleiben», wird er verabschiedet. Und: «Ehre wem Ehre gebührt. Streller, danke.»

«Grandios gescheitert und FCB gegen Wand gefahren»

Seine Leistungen als Sportchef der vergangenen Saisons werden jedoch kritisch hinterfragt. «Ich mag Streller als Person extrem. Aber als Sportchef hat er auf ganzer Linie versagt und mitgeholfen, einen hervorragend geführten Klub innert kürzester Zeit an die Wand zu fahren», schreibt ein Fan. Das grandiose Scheitern von Streller sei die Folge einer «dümmlichen» Strategie, dass die «FCB-DNA» bei der Besetzung von Stellen höher gewertet werde als Fachkompetenz.

Der Zeitpunkt des Rücktritts hätte nicht unpassender sein können, ärgert sich User Lophophora. «In dieser Phase zurückzutreten, ein paar Tage vor Trainingsbeginn, wo der Sportchef die Saisonvorbereitung langsam aber sicher abgeschlossen haben sollte, ist unterirdisch lieber Marco», formuliert er.

«Rücktritt war Bauch-Entscheidung»

Der letzte Schritt sei wie viele seiner Entscheidungen aus dem Bauch heraus geschehen, äusserst sich ein Fan. Unter dem Pseudonym Swisspower schreibt er: «Als Spieler waren diese Emotionen top, aber in einer Management-Funktion braucht es Ruhe, Planungsvermögen und analytisches Denken. Streller sollte seine Berufswahl überdenken.»

Einige wenige Kommentatoren sind erleichtert, dass der Sportchef seinen Posten geräumt hat. «Sein Abschied wirkt auf mich trotzig, infantil und jähzornig. Ich bin froh, ist er nun endlich weg, und ich heule ihm keine Träne nach», kommentiert ein FCB-Fan. Er wünscht sich einen neuen Mann an der Spitze, der mit Bedacht gewählt wird. «Dort gehören Wirtschaftsexperten, Sportwissenschaftler, Juristen, Strategen und gut vernetzte Leute hin, aber keine Ansammlung von Ex-Tschüttelern.»


(jd)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pierre Waeber am 16.06.2019 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    STRELLER

    Ein guter Fussballer ist noch lange nicht ein guter Sportchef.

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  • Giuseppe Trappatelli am 16.06.2019 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tschüss Marco

    Streller hat in seiner bekannten Überheblichkeit gemein, was Christoph Spycher bei BSC YB kann, kann er beim FCB sicher auch, wenn nicht sogar besser. Er hat dabei übersehen, dass ihm 2 Faktoren fehlen. Nämlich Fach- und Sozialkompetenz. Darum die logische Konsequenz, tschüss weil Flasche leer. Ich habe fertig.

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  • Alex Felix am 16.06.2019 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Kunst der falschen Entscheidungen

    Unter Bernhard Heusler und Georg Heitz hätten wir uns das ganze Schlamassel (und es ist noch längst nicht vorbei!) ersparen können. Man kann es schon als Kunst bezeichnen, in so kurzer Zeit soviele falsche Entscheidungen zu treffen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erich Bütler am 17.06.2019 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit Burgener

    Streller als Anfänger hätte Unterstützung und nicht Rückenschüsse gebraucht. Weg mit Burgener! Vorher gehts nicht aufwärts.

  • Wendel am 17.06.2019 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sündenbock

    Es ist schon traurig wie sich die sogenannten Fussball Experten auf M. Streller einschiessen und in Alls alleiniger Sündenbock darstellen. Ja er hat Fehler gemacht,doch Marco musste auf Geheiss des Präsidiums das Kader reduzieren und junge Nachwuchsspieler in die erste Mannschaft integrieren und bekam bestimmt das nötige Kleingeld für gute neue Junge Spieler nicht zur Verfügung, den es muss ja gespart werden.

  • Scheuert B. am 17.06.2019 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Streller hat sich geopfert

    Schweizer Fussball wurde langweilig. Immer nur Basel. Jetzt haben sie sich strategisch zurückgenommen, um dann wieder aufzudrehen.

  • Grotten Geckicke am 17.06.2019 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussballleihe von feinsten

    WOW - die Basler "MIMIMI-Fraktion" in vollen Zügen. Zwei Jahre kein Meistertitel und DER Schuldige ist gefunden. Schweizer Fussball auf dem Boden der Tatsachen - zwischen Basel und Zürich liegt halt doch nur eine Stunde Autofahrt...

    • Zürich wo? am 17.06.2019 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Grotten Geckicke

      Stimmt nicht ganz. Basel Platz 2 und Cupsieger.

    • Ja aber am 17.06.2019 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Grotten Geckicke

      ...auch die beste CL Teilnahme, Cupsieger. Wenn das nichts ist.

    • Umberto am 17.06.2019 08:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Ja aber

      Welche CL-Teilnahme? Die vor zwei Jahren? Auf die man ein peinliches Out in der Europa-League-Qualifikation gegen Limassol folgen liess? Okay, da war noch der Cupsieg. Doch welche Bedeutung ist einem Wettbewerb zuzuschreiben, dessen Final einst ein Mega-Happening am Pfingstmontag war und heutzutage an irgend einem beliebigen Sonntag kurz nach dem Mittagessen stattfindet???

    • Ja aber am 17.06.2019 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Umberto

      CL Teilnahme mit Wicky als Trainer.

    • Na am 17.06.2019 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Umberto

      Nichts bleibt, wie es ist. Alles ändert sich. Ein Cupfinal bleibt ein Cupfinal, ob er am Pfingstmontag oder an einem andern Tag gespielt wird.

    • Tina am 17.06.2019 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Grotten Geckicke

      CL Achtelfinals 17/ 18. Das ist doch nicht soo schlecht, oder?

    • Umberto am 17.06.2019 11:23 Report Diesen Beitrag melden

      @Ja aber / Na

      Ich sehe, ihr versteht den tieferen Sinn meiner in Frageform gestellten ironischen Anmerkungen nicht... Aber es ist schön, dass in Basel der Cupsieg plötzlich wieder eine Bedeutung bekommen hat... ;-)

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  • Tina am 17.06.2019 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Sündenbock

    Für alles ist Streller? Ob das so stimmt? Wir wissen nicht alles. Die Fäden im Hintergrund zieht Burgener .