Mutmasslicher Kindervergewaltiger

18. Juni 2019 04:47; Akt: 18.06.2019 04:47 Print

Er schwänzt Prozess kurz vor Verjährung der Tat

Blöder Zufall oder Taktik? Der Mann, der zwei Mädchen vergewaltigt haben soll, tauchte nicht vor Gericht auf. Eine der Taten steht kurz vor ihrer Verjährung.

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Ein heute 39-Jähriger Schweizer soll im Jahr 2004 im Alter von 24 Jahren eine damals 15-Jährige auf einem Spielplatz in Pfäffikon ZH vergewaltigt haben. Doch als ihm am Montag, 17. Juni am Baselbieter Strafgericht der Prozess gemacht werden sollte, tauchte der Mann nicht auf.

Während der Beschuldigte die sexuellen Handlungen mit dem Mädchen im Schutzalter zugibt, bestreitet er die Vergewaltigung. Kann diese nicht nachgewiesen werden, verjährt der andere Anklagepunkt am 8. August. Der Verteidiger gab an, er wisse nicht, wieso sein Mandant nicht erschienen ist. «Ich habe gehofft, dass er kommt», sagte er.

Danach forderte er noch, dass beim Opfer ein Glaubwürdigkeitsgutachten erstellt wird, was das Verfahren weiter verzögert hätte. Das Gericht ging aber nicht darauf ein – die heute 30-Jährige befindet wegen schwerwiegender psychischer Probleme in einer Klinik. Zudem glaubt die Dreierkammer nicht, dass ein Gutachten nach einer so langen Zeit sinnvoll wäre.

Ist es Taktik?

Sowohl die Staatsanwaltschaft wie auch die Opfervertretung waren sich am Dienstag einig, dass der Antrag auf das Gutachten reine Taktik des Verteidigers sei. «Man will sie nur als unglaubwürdig darstellen», sagte der Anwalt der Frau. Der Verteidiger dementierte dies.

Den Verdacht, dass der Beschuldigte wegen der anstehenden Verjährung dem Gericht fernblieb, äusserte im Saal niemand. Es war aber zwischen den Zeilen herauszulesen, dass der Beschuldigte von einer Verzögerung des Verfahrens nur profitieren könne.

Nun liegt es am Gericht, den mutmasslichen Vergewaltiger innert eineinhalb Monaten erneut vorzuladen und einen Termin für den Prozess zu finden. Gelingt dies nicht, droht die Verjährung. Erscheint er erneut nicht, droht ihm ein Urteil in Abwesenheit. Das Verfahren wurde bis auf weiteres ausgesetzt.

Zweiter Fall noch offen

In einem weiteren Fall soll der Mann im Jahr 2008 eine damals 14-Jährige ebenfalls vergewaltigt haben, wie der Anklageschrift zu entnehmen ist. Auch an ihr soll er sexuelle Handlungen auf einem Spielplatz in Rothenfluh BL vorgenommen haben.

Diese angeklagte Tat hat noch mehr Spielraum bis zur Verjährung. Jedoch beeinflusst die Anzahl der Taten und der Opfer im Falle einer Verurteilung das Strafmass, nicht nur die Schwere der Delikte.

(las)