Spendenaktion

03. Januar 2017 18:26; Akt: 03.01.2017 18:26 Print

Facebook-Aktion wärmt Basler Obdachlose

Zahlreiche Basler spenden Kleider für Obdachlose, die auch bei klirrender Kälte im Freien nächtigen. Für manche ist diese Solidarität überlebenswichtig.

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Das Schicksal obdachloser Menschen in Basel ist durch den Konflikt zwischen der Wärmestube Soup & Chill und der Basler Sozialhilfe über Neujahr in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Dass die Notschlafstelle Obdachlose abwies, die mit Bons von Soup & Chill kamen, empört viele Basler.

Umfrage
Ist es in Ordnung, dass die Notschlafstelle im Winter osteuropäische Arbeitsmigranten ohne Obdach abweist?
41 %
57 %
2 %
Insgesamt 1066 Teilnehmer

Auch die Lehrerin und Musikerin Susan Pedrazzi las die Schlagzeilen und Kommentare auf Facebook. «Ich dachte mir, statt zu reden sollte besser etwas getan werden.» Aus einem spontanen Impuls gründete sie die Gruppe «ein warmes Bett für alle» und mobilisierte innert zwei Tagen über 160 Spendenwillige. Am Dienstagnachmittag brachten sie sackweise warme Decken, Winterkleider und Schlafsäcke zum Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter an der Elsässerstrasse.

Rasch türmte sich die Ware im Hinterhof der Liegenschaft, im Innern wurde fleissig sorgiert. «Ich habe nur einen Event auf Facebook erstellt», sagt Pedrazzi bescheiden.

«Warme Kleider sind Überlebenshilfe»

Rund 40 Obdachlose schlafen in Basel auch bei Minustemperaturen im Freien. «Das sind oftmals Leute, die das schon seit Jahren so machen», erklärt Michel Steiner, Co-Leiter des Schwarzen Peter. Einige hätten auch psychische Probleme und Mühe, mit anderen in einem Mehrbettzimmer zu schlafen, erklärt er.

Für Leute in einer solch prekären Lebenssituation seien Sachspenden ein wesentlicher Beitrag zur Überlebenshilfe, so Steiner. Im Büro des Schwarzen Peters an der Elsässerstrasse sei der Warenumsatz gross. «Wir bekommen viele Kleiderspenden und es kommen auch sehr viele Leute zu uns, diese abholen.»

Gibt es bald mehr Notschlafbetten?

Die Sozialhilfe prüft derweil einen zweiten Standort für die Notschlafstelle, wo es wegen Arbeitsmigranten aus Rumänien und der Slowakei, die Übernachtungsgutscheine von Soup & Chill erhielten, vermehrt zu Problemem kam. Diesbezügliche Gespräche würden laufen, konkret sei aber noch nichts, sagte Amtsleiterin Nicole Wagner gegenüber Telebasel.

Allein schon dieser Gedanke stösst der SVP sauer auf. Für die Obdachlosen aus der Region biete die Notschafstelle genügend Platz, eine Erweiterung des Angebots lehne sie ab. Die Regierung sei gefordert, diesen «Notschlaftourismus» umgehend zu unterbinden, heisst es in einer Mitteilung der Partei vom Dienstag. Das hat die Regierung bereits getan, indem sie das Gutschein-Kontingent für Soup & Chill stark limitiert hat.

Die SP hat derweil bereits einen Vorstoss im Grossen Rat eingereicht. Darin fordert die Anzugstellerin Beatriz Greuter die Prüfung einer neuen Notschlafstelle mit Einzel- und weniger Mehrbettzimmern mit eigenem Bad und Dusche. Zudem sollen die Haustiere der Armutsbetroffenen zugelassen werden.

(lha)