Strafgericht BS

30. Juni 2019 12:09; Akt: 30.06.2019 15:00 Print

Ehemann zog Frau im Tram Flasche über den Kopf

Ein 47-jähriger Sri Lanker schlug seiner Frau in aller Öffentlichkeit eine volle Weinflasche auf den Kopf. Der Familienvater ortete das Problem vor Gericht aber nicht bei sich selbst.

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Am hellichten Tag in einem Tram der Linie 3 eskalierte der Streit zwischen dem Sri Lankischen Ehepaar. Kurz vor der Haltestelle Burgfelderhof stand 47-Jährige auf und griff nach einer Weinflasche in der Einkaufstasche. «Er zog diese auf und schlug die 1,162 Kilogramm schwere Flasche mit voller Kraft auf den Hinterkopf seiner sitzenden Ehefrau», heisst es in der Anklageschrift zum Vorfall, der sich am 9. Juni 2018 zugetragen hatte.

Damit musste zumindest in Kauf nehmen, dass seine Gattin lebensgefährliche Verletzungen und möglicherweise bleibende Schäden davonträgt. Sie hatte allerdings Glück und trug «nur» ein Quetsch-Riss-Wunde und eine Beule davon.

Der gewalttätige und zum Tatzeitpunk betrunkene Ehemann konnte kurze Zeit später von der Polizei festgenommen werden. Ein Jahr nach der Tat, wurde dem Sri Lanker nun am Freitag der Prozess gemacht.

Eine nicht-endende Familientragödie

Wenige Monate vor dem Zwischenfall verstarb die älteste Tochter des Paares, nachdem sie an einem Tumor erkrankt war. Der Angeklagte, der bereits vor dem tragischen Todesfall teilweise zu einem exzessiven Alkoholkonsum tendierte, trank in der Folge noch mehr. Dies führte regelmässig zu Konflikten zwischen dem Ehepaar. So auch an jenem Nachmittag, als die Eheleute in Frankreich einkaufen waren und der Mann einmal mehr zu viel getrunken hatte.

Der Beschuldigte war zwar geständig, es kamen vor Gericht jedoch Zweifel auf, ob er sich der Schwere seiner Handlung in vollem Umfang bewusst war. Es scheint auch fraglich, ob er die Problematik seines Alkoholmissbrauchs richtig einordnen kann.

Denn in seinen Augen, ist seine Frau die Patientin. Ihre Krebserkrankung mache sie aggressiv, erklärte er dem Gericht. Zudem habe er das ja nicht extra gemacht. Das kaufte ihm Gerichtspräsident René Ernst nicht ab. «Wie kann man jemandem nicht extra mit einer Flasche auf den Kopf schlagen?», fragte er den Beschuldigten rhetorisch. «Sie sind das Problem, nicht ihre Frau.»

«Bitte, er muss eine Therapie machen»

Die krebskranke Ehefrau sorgte sich in Bezug auf die Taten ihres Gatten vor allem um das Wohlergehen ihrer Tochter. «Bitte, sie müssen sich darum kümmern, dass er eine Therapie macht. Ich denke jetzt nur an meine kleine Tochter. Wer kümmert sich sonst um sie? Meine Krankheit ist sehr schwer.»

Diesen Wunsch erhöhrte das Gericht, das in seinem Urteil weitgehend den Forderungen von Staatsanwältin Claudia Schneider folgte. Der Sri Lanker wurde wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten bei dreijähriger Probezeit verurteilt. Zudem muss er sich wegen seines Alkoholkonsums einer Therapie unterziehen.

«Das ist ihre letzte Chance», mahnte Richter Ernst den Familienvater und schloss die Verhandlung.

(jes)