Love-Scam

18. Februar 2019 12:03; Akt: 18.02.2019 14:46 Print

Frau verliert ganzes Vermögen an Betrüger

Eine Frau aus Basel-Stadt hat über mehrere Monate hinweg einer angeblichen Internetbekanntschaft hohe Geldbeträge bezahlt. Am Schluss blieb ihr nichts mehr.

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Über mehrere Monate hinweg hat eine Frau einer Internetbekanntschaft mehrere hunderttausend Franken gezahlt. Zudem bat der Mann sie, ein Offshore-Konto in England zu eröffnen, wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt am Montag schreibt. Er bat die Frau, diverse Gebühren für die Kontoführung zu übernehmen. Diese waren aber irgendwann so hoch, dass das ganze Vermögen der Frau aufgebracht war und sie mehrere zehntausend Franken Schulden angehäuft hatte. «Das ist eine persönliche, seelische Katastrophe», sagt Peter Gill, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Masche
So läuft der Betrug ab

Die Täterschaft konnte nicht ermittelt werden. Die Masche ist jedoch bekannt: Es handelt sich um sogenannten Romance-Scam, auch Love-Scam genannt. Betrüger suchen in Partnerbörsen, Dating-Portalen oder auf Social Media nach liebeshungrigen Opfern.

Profil
So tarnen sich die Betrüger

Einmal in Kontakt, geben sich die Betrüger meist «als in den USA oder Europa lebende Akademiker, Geschäftsleute, Vertreter von Konzernen etc. aus», wie die Staatsanwaltschaft schreibt. Weibliche Betrügerinnen, die Männer hinters Licht führen, treten oft als Geschäftsfrauen, Schauspielerinnen, Ärztinnen, Krankenschwestern oder Mitarbeiterinnen karitativer Organisationen auf. Ihre Profilbilder sind meist gestohlen. Im Internet haben sie ein zuvorkommendes und gepflegtes Auftreten und sprechen fliessend Englisch und Deutsch.

Trick
Betrüger machen Opfer abhängig

Das Ziel der Täter ist, sich für die Opfer unverzichtbar zu machen. Das müssen sie schaffen, ohne sich je mit ihnen zu treffen. Zwar verabreden sie sich auch mit den Opfern, die Treffen müssen dann aber meist im letzten Moment verschoben werden. Stattdessen setzen sie auf romantische Botschaften, Chats oder Telefonate. Um eine Abhängigkeit aufzubauen, beweisen die Betrüger Geduld. «Die Täter bereiten das Terrain über Monate hinweg vor», sagt Gill.

Geld
So kommen Betrüger ans Geld

Ist eine emotionale Abhängigkeit geschaffen, werden weitere Notlagen vorgetäuscht. Das können etwa Überfälle, gestohlene Pässe, schwere Krankheiten, Unfälle oder teure Spitalaufenthalte sein, für die die Betrüger sofort finanzielle Unterstützung benötigen, schreibt die Staatsanwaltschaft. Auch Flugtickets oder Gebühren für Visa sollen von den Opfern bezahlt werden. Um ein gemeinsames Konto zu eröffnen, werden sie zudem aufgefordert, eine Kopie des Passes zu schicken. Die vorgeschossenen Beträge würden natürlich zurückbezahlt, so das Versprechen.

Problem
Deshalb werden die wenigsten erwischt

Die Täter zu ermitteln, ist meist extrem schwierig. Sie sind laut der Staatsanwaltschaft gut organisiert und befinden sich in den meisten Fällen in Afrika und Osteuropa. «Die Täter zu schnappen, das ist fast unmöglich», sagt Gill.

Rat
Das sollten Sie beachten

Bei Kontakten aus dem Internet, die man nicht persönlich kennt, sollte man vorsichtig sein. Telefonnummern, Adressen, Bankkonten oder andere persönliche Daten sollten niemals preisgegeben werden. Auch intime Bilder und Videos sollten Sie nicht verschicken. Das könnte die Täter dazu verleiten, ihre Opfer zu erpressen. Tischt einem jemand eine Geschichte über einen Schicksalsschlag auf, sollte man kritische Fragen stellen, rät die Staatsanwaltschaft. Internetbekanntschaften, die man nicht persönlich kennt, sollte man nie Geld überweisen. Auch das Weiterleiten von Briefen oder Paketen sowie das Einlösen von Checks sollte man sein lassen. Eine Bilder- und Namenssuche im Internet enttarnt die Betrüger meist.

(vro/lha)