Kuh-Angriffe

04. August 2015 15:30; Akt: 04.08.2015 16:15 Print

Gefährliche Mutterkühe auf Baselbieter Weiden

von Matthias Kempf - Letzte Woche kam eine Frau bei einer Kuh-Attacke in Laax ums Leben. Auch auf den Wanderwegen in der Region kommt es zu brenzligen Situationen.

storybild

Die Weiden im Baselland haben sich verändert. Wo früher Milchkühe weideten, grasen heute vielerorts Mutterkühe. Diese haben kaum Kontakt zu Menschen und können deshalb aggressiver auftreten. (Bild: Wasserfallen / Baselland Tourismus)

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Auf eingezäunten Weiden ist Vorsicht geboten», sagt Hans Wüthrich vom Verein Wanderwege beider Basel. Im Bündnerland war letzte Woche eine 77-jährige Frau von Mutterkühen in einer eingezäunten Weide niedergetrampelt worden. Die Frau hatte auf dem Wanderweg durch die Herde hindurchgehen wollen, als die Tiere sie attackierten. Der Verein Bündner Wanderwege (BWA) fordert nun, dass Wege besser abgesichert werden und ruft die Gemeinden dazu auf, diese besonders bei Mutterkuhhaltung auszuzäunen.

«In der Region Basel werden Mutterkühe schon seit mehreren Jahren ausgezäunt, weil es einfach zu gefährlich ist», sagt Wüthrich. Allerdings könne man sich nie hundert Prozent sicher sein, dass sich auf einer Weide mit durchgehendem Wanderweg keine solchen Tiere befinden. «Meistens werden wir von den Wanderern direkt informiert, dass sich Mutterkühe auf einer Weide mit Wanderweg befinden.»

Kühe sind keine Menschen mehr gewohnt

«Die Mutterkuhhaltung hat in den letzten 15 bis 20 Jahren massiv zugenommen», sagt Pascal Simon, Leiter der landwirtschaftlichen Produktion vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach. Früher seien Weiden mit Mutterkuhhaltung im Freien eine Seltenheit gewesen. «Wanderer begegneten früher hauptsächlich Milchkühen.» Der gesunkene Milchpreis habe zur Folge gehabt, dass die Anzahl der Milchproduzenten im Baselbiet in den letzten 15 Jahren von 700 auf 300 gesunken sei.

«Mutterkühe sind rund zehn Monate im Jahr draussen und kaum mehr im Stall», so Simon. Dies habe zur Folge, dass sie den Kontakt zu Menschen nicht gewohnt seien. Ein Mensch stelle somit viel eher eine Bedrohung dar als für eine Milchkuh, die regelmässig mit Menschen zu tun hat. Auf der Weide den Unterschied zu erkennen sei allerding schwierig.

«Eine Laie kann den Unterschied zwischen einer Milch- und einer Mutterkuh nicht erkennen», sagt Simon. Deshalb müsse man darauf achten, ob die Kuhherde junge Kälber bei sich habe. Kommen Kühe aus Neugierde auf einem zu, könne man davon ausgehen, dass es sich um Milchkühe oder Rinder handle.

Mutter mit Kinder im Glück

«Auf den Weiden kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen», sagt Hans Wüthrich. Diese seien aber grösstenteils selbstverschuldet. «Ich weiss von einem Fall, bei dem eine Mutter mit Kindern eine Weide überquerte und die Kinder dazu animierte, die Kälber zu streicheln.» Die Situation sei glimpflich ausgegangen. Mit einem Schubser gegen die Frau hätten die Kühe das Überschreiten der «roten Linie» markiert.

«Wenn die Tiere zu stampfen beginnen, sollte man sich langsam entfernen», sagt Simon – aber nicht rennen. «Eine Kuh ist sowieso schneller als ein Mensch.» Wenn man mit Hunden unterwegs ist, sollte man laut Simon das Überqueren von Weiden am besten gänzlich meiden.

Bauern sollen melden

Für Hans Wüthrich wäre es am einfachsten, wenn Bauern melden würden, wo sich Mutterkühe befinden. «So könnten wir dann zur Sicherheit der Wanderer umzäunen.»

Für die Bauern bedeute das Auszäunen von Wanderwegen allerdings einen Mehraufwand. «Wir hatten schon einen Fall, bei dem der Bauer seine Weide in zwei Teile trennen und extra eine Wasserleitung verlegen musste, um die Mutterkühe vom Wanderweg fernzuhalten», so Wüthrich. Dem widerspricht Pascal Simon. «Hier besteht eine Holschuld der Wanderer und nicht eine Bringschuld der Bauern. Wer eine Weide überquert soll sich informieren, ob darauf Muttertiere sind oder sonst einen Weg um das Gehege wählen.»


Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 04.08.2015 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin kein Experte

    Aber ich bin öfters in Regionen mit Mutterkühen oder Munis unterwegs. Man muss halt die Tiere etwas lesen lernen, nicht direkt auf sie zugehen und anstarren - aber immer im Auge behalten! Quer durch eine Herde latschen geht absolut nicht - schon gar nicht zwischen Mutter und Kalb, warten oder Umweg in Kauf nehmen.

    einklappen einklappen
  • PS am 04.08.2015 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oftmals selber schuld

    was ich immer wieder beobachten muss ist, dass die Wanderer wild mit ihren Skistöcken herum fuchteln und zum Teil sogar auf sie einschlagen anstatt einfach ruhig und gelassen in einem Bogen um das Tier herum zu gehen. Ich muss die Kuh doch nicht vom Weg treiben, ich kann doch einfach drum herum laufen.

    einklappen einklappen
  • Omi am 04.08.2015 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mutterkühe...

    Auf meiner Laufroute mit meinem Hund, liegt auch neben der Strasse eine eingezäunten Weide. Wenn da Mutterkühe mit ihren Kälbern grasen, dann kommen die im Galoppschritt daher. Obwohl ich auf der anderen Strassenseite laufe.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cora Schmid am 05.08.2015 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unberechenbar!

    Was nutzt mir als Wanderin eine Tafel, die mich warnt, wenn der Wanderweg mitten durch die Weide führt? Die Bauern, die Mutterkühe mit Kälbern auf der Weide haben, sollten so einzäunen, dass der Weg ausserhalb verläuft.

  • Beatrice Fritschi am 05.08.2015 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Naturverbunden

    Der Mensch hat keinen Respekt mehr vor der Natur. Tiere sind beseelt und somit mit Aengsten verbunden.

    • Scorpionne am 05.08.2015 17:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Beatrice Fritschi

      Aus meiner Sicht agiert ein Tier vorallem instinktiv und deshalb kann es oft auf ganz kleine Dinge reagieren,wie eine blitzende Schnalle oder eine falsche Handbewegung und schon rastet es aus und wird dann für den Menschen,der nichts Böses getan hat, zur tödlichen Gefahr. Solche Unfälle zeigen eben gerade,dass ein Tier die Sprache des Menschen nicht versteht und auch die Absicht eines Menschen nicht erkennen kann.Viele Tierflüsterer behaupten das ja. Wenn ein Tier mich ableckt,dann denke ich nicht: oh,es liebt mich,sondern es braucht Salz.

    einklappen einklappen
  • sigi am 05.08.2015 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    bisschen studieren

    ..nicht mehr als logisch.. denn, mutterkuhhaltung ist nichts anderes wenn.. ein elternteil mit seinem kind durch die stadt laufen würde. käme irgend ein fremder daher gelaufen und wollte einfach in den kinderwagen fassen, würden wir uns auch wehren... und so denken auch die kühe... es ist nicht immer alles als herzig und süss zu betrachten. die menschen müssten halt einfach wiedermal das lernen was sie verlernt haben: Selber denken!

  • Land Lord am 05.08.2015 06:38 Report Diesen Beitrag melden

    Natur und ich

    Wir haben von unseren Eltern noch gelernt, dass man ohne Probleme durch eine kuhweide gehen kann, aberimmer in respektvollem Abstand zu den gehörnten. Ansonsten muss man halt einen Umweg in Kauf nehmen. Ich glaube aber, dass die heutige Generation nicht mehr in der Lage ist, sich in der Natur zu bewegen, ohne in eine missliche Lage zu geraten. Und zwar deshalb, weil de gesunde Menschenverstand langsam verkümmert.

  • Mutter am 05.08.2015 05:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mutterinstinkt

    Also ich finde der Mensch viel gefährlicher als die Mutterkühe! Würde der Bauer mehr Kontakt zu den Tieren haben wäre dem auch nicht so! Lasst bitte die armen Tiere in Ruh sie verteidigen ja nur ihre Jungen!