Strafgericht BS

09. März 2020 12:05; Akt: 09.03.2020 16:15 Print

«Sie haben feige ein wehrloses Opfer getreten»

Zürcher und Karlsruher Hooligans überfielen im Mai 2018 gemeinsam die Basler Muttenzerkurve. Drei der Schläger müssen nun ins Gefängnis.

Leser filmten die Strassenschlacht zwischen den Basler und den Zürcher Hooligans am 19. Mai 2018. (Video: Leser-Reporter)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Bilder der Strassenschlacht in Basel schockierten die Schweiz. Am späten Abend des 19. Mai 2018 überfielen Hooligans Fans des FC Basel, die nach dem letzten Saisonspiel gegen den FC Luzern friedlich miteinander feierten. Der Mob bestand aus rund 40 Anhängern des FC Zürich, des Grasshopper Clubs Zürich und des Karslruher SC.

Am Montag wurden die Angeklagten verurteilt. Die elf Beschuldigten im Alter zwischen 23 und 36 Jahren sassen dicht an dicht in einer Reihe vor der Richterin und nahmen ihr Urteil entgegen. Die Beschuldigten wurden allesamt verurteilt. Das gerichtliche Nachspiel der Strassenschlacht endet für drei der beteiligten Hooligans im Gefängnis. Das Basler Strafgericht verurteilte die Schläger zu Haftstrafen.

Nur knapp kein Landesverweis für Syrer

Ein in Zürich wohnhafter Syrer muss drei Jahre hinter Gitter. In seinem Fall sah das Gericht «ausnahmsweise» von einem Landesverweis ab. Das Strafmass ist damit deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die 56 Monate Gefängnis und einen 12-jährigen Landesverweis forderte.

Der mit drei Jahren aus Syrien in die Schweiz geflüchtete Mann fiel in der Vergangenheit immer wieder strafrechtlich auf. Das Gericht sprach sich nur knapp gegen einen Landesverweis aus, wie die Gerichtspräsidentin betonte.

«Die Person war wehrlos»

Die Tat des Syrers sei als «sehr, sehr feige» einzuordnen, so die Richterin. Er habe zwei am Boden Liegende Personen mit vier Tritten gegen den Kopf traktiert. «Die Opfer waren völlig kampfunfähig. Es ist nur dem Zufall zu verdanken, dass sie keine lebensgefährliche Verletzungen aufwiesen», so die Richterin. An den 25-Jährigen gerichtet sagte sie: «Das darf nicht mehr passieren, sonst könnte es auch anders herauskommen.»

Ein 32-jähriger Zürcher erhielt eine teilbedingte Freiheitsstrafe: Ausgesprochen wurden 22 Monate, davon 16 Monate bedingt. Übrig bleibt ein halbes Jahr, wobei ihm die Untersuchungshaft von diesen sechs Monaten abgezogen wird. Er habe sein Opfer, das bereits am Boden lag mit einer völligen Gleichgültigkeit brutal getreten. «Die Person war wehrlos, sie machte keinen Wank und war bereits k.o.», so die Richterin in der Urteilsbegründung.

Gefängnis- und Geldstrafen

Ein 23-jähriger Zürcher muss für sechs Monate ins Gefängnis. «Einschlägige Vorstrafen und eine gewisse Unbelehrbarkeit» waren der Grund, dass seine Strafe nicht bedingt ausgesprochen wurde.

Gegen sieben weitere Fans des FC Zürich und des Karlsruher SC hat das Basler Strafgericht bedingte Freiheitsstrafen in der Höhe von vier bis acht Monaten und teils Geldstrafen ausgesprochen. Vom Vorwurf des Raufhandels wurden diverse Zürcher Anhänger freigesprochen, da die Angeklagten in den Beweisvideos nicht klar identifizierbar seien.

Verurteilt wurde auch ein FCB-Anhänger. Der 34-Jährige erhielt wegen Landfriedensbruch eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 100 Franken.


Zürcher Hooligans werden von Basler Ultras am 19. Mai 2018 in der Redingstrasse zurückgedrängt. (Video: Leser-Reporter)

(lha jd/sda)