Ladenöffnungszeiten

06. Juni 2018 15:55; Akt: 06.06.2018 17:18 Print

«Zwei Stunden retten den Detailhandel nicht»

Im Kanton Basel-Stadt sollen Läden am Samstag länger offen haben. Gegen den Beschluss des Grossen Rats wird aber das Referendum ergriffen, die Vorlage kommt vors Volk.

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Samstags bis 20 Uhr statt bislang 18 Uhr – das sind die neuen Ladenöffnungszeiten in Basel, wenn es nach dem Grossen Rat geht. Eine knappe Mehrheit von 50 gegen 47 Stimmen bei einer Enthaltung hat sich gestern nach einer hitzigen Debatte für die Liberalisierung der Öffnungszeiten durchgerungen. Für den Antrag stimmten alle bürgerlichen Parteien samt GLP. An Gründonnerstag steht es den Läden zudem frei, künftig bis 18 Uhr ihre Ware zu verkaufen.

In der Debatte warb die Rechte für mehr Freiheiten für den Basler Detailhandel, der unter Onlinekonkurrenz und Einkaufstourismus leide. Schliessen die Basler Läden, könne die Kundschaft per Tram im Nachbarkanton und nebenan im Ausland länger einkaufen. Kein Laden werde gezwungen, länger offen zu haben, hiess es. Die Bevölkerung ändere zudem ihr Einkaufsverhalten, und dem müsse man entgegenkommen, lautete ein weiteres Argument.

«Zwei Stunden mehr bringen nichts»

Ganz anders sieht man das bei der Gewerkschaft Unia. Aus ihrer Sicht bringen längere Ladenöffnungszeiten nichts. «Die Arbeitsbedingungen im Detailhandel sind ohnehin schon prekär und sie werden mit längeren Ladenöffnungszeiten noch prekärer. Davon profitieren nur die grossen Geschäfte. Den Detailhandel insgesamt werden zwei Stunden mehr am Samstagabend aber nicht retten», glaubt Thomas Leuzinger, Sprecher der Unia Aargau-Nordwestschweiz. «Die Arbeitgeber erhalten mehr Freiheiten auf Kosten der Arbeitnehmer, die sich nach noch flexibleren Arbeitszeiten richten müssen.»

Die Unia wird gegen den Beschluss des Grossen Rates das Referendum ergreifen. Leuzinger ist optimistisch, dass das Volk das Gewerbe zurückpfeift und die Ladenöffnungszeiten so bleiben wie bisher. «Ich bin überzeugt, dass wir bei der Abstimmung erneut gute Chancen haben.» Zuletzt hatte sich das Basler Stimmvolk 2013 gegen eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ausgesprochen.

Flexiblere Öffnungszeiten nicht aufzuhalten

Die Detailhandelsvereinigung Pro Innerstadt findet den Entscheid des Grossen Rats richtig: «Das erleichtert den Ladenbetreibern die Arbeit sehr», sagt Geschäftsführer Mathias Böhm. Sie könnten so ihr Angebot gezielter ausrichten. Bei längeren Öffnungszeiten gehe es aber nicht darum, gegen Onlinehandel und Einkaufstourismus zu bestehen, betont Böhm.

«Von steigenden Gewinnen kann zurzeit sowieso keine Rede sein. Es geht darum, den Detailhandel zu stabilisieren und die Verkaufszahlen zu halten.» Flexiblere Öffnungszeiten liessen sich über kurz oder lang ohnehin nicht aufhalten, glaubt Böhm zudem. «Sie werden durch die Entwicklung unserer Gesellschaft kommen. Mit dieser Entwicklung gilt es Schritt zu halten.»

(daf/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Koda am 06.06.2018 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Beschlüsse

    Das Volk hat beschlossen das Banken und Ämter die öffnungszeiten den Läden anzupassen haben. Ausserdem soll der Grosse Rat an Samstagen bis 20.00 Uhr tagen.

  • M.Müller am 06.06.2018 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    Super. Noch weniger Freizeit. Denkt doch mal an die Familien die durch das immer weniger Zeit miteinander haben. Und als hätte man nicht genug Zeit um von 8-18 einkaufen zu gehen am Samstag.

    einklappen einklappen
  • T.E am 06.06.2018 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht

    So wird die Meinung der mündigen Bürger mit Füssen getreten. Für was braucht es noch Volksabstimmungen wenn die Damen und Herren im Rathaus eh machen was Sie wollen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • m. mc fly am 06.06.2018 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    in 20 jahren

    das verkaufspersonal welches noch einen job hat sollte froh sein dass es noch einen hat. die tendenz ist ja so dass alle durch scanningkassen ersetzt werden. denen ist egal zu welcher zeit die arbeiten.

  • Didi Weidmann am 06.06.2018 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    Es braucht bald keine Mitarbeiter mehr!

    Ich verstehe gar nicht, warum sich die Unia überhaupt noch darüber aufregt! In wenigen Jahren werden sowieso nur noch Roboter in den Läden arbeiten - da ist es kein Problem, die Läden 24 Stunden offen zu halten.

  • Der Schweizer Sparfuchs am 06.06.2018 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles in Deutschland kaufen

    Und wenn die Läden in Basel 24 Stunden geöffnet hätten, würde ich trotzdem weiterhin in Deutschland einkaufen.

  • Laura Mara am 06.06.2018 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    Freizeit

    Ich arbeite im ShoppiTivoli. Wir haben jeden Tag bis 20:00 Uhr offen. Da wir Personal sparen müssen, arbeiten wir oft von 09:00-20:00. Mein Arbeitsweg ist ca. 45min. Mind. 30min rechne ich ein, da ich zu 99% im Stau stehe. Das heisst: Abfahrt ca. 7:30-7:45 Ankunft zu Hause: ca. 21:00 Mein Partner, Familie und Freunde finden mich zu Besuch auf der Arbeit oder im Bett. Trotzdem...ich bin gesund. Danke

  • Markus K. am 06.06.2018 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Die Arbeinehmer müssen jetzt die bittere Pille schlucken. Egal, wenn interessierts.