«Entscheid war ungeschickt»

21. November 2018 18:09; Akt: 21.11.2018 21:52 Print

Grossrätin wegen Baby aus Parlament gewiesen

Eklat im Basler Kantonsparlament: Grossrätin Lea Steinle (Grüne) wurde am Mittwochnachmittag aus dem Saal gewiesen, weil sie ihr Baby dabeihatte.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Basler Grossen Rat ist es am Mittwochnachmittag laut Medienberichten zu tumultartigen Szenen gekommen. Grund dafür war das schlafende Baby von Grossrätin Lea Steinle (31). Ratspräsident Remo Gallacchi (CVP) hatte dafür kein Verständnis und verwies die junge Mutter kurzerhand des Saales. «Wir Parlamentarier sind hier im Saal grundsätzlich unter uns», sagte er gemäss der «bz Basel».

Umfrage
Soll eine Parlamentarierin ihr Kind in den Ratsaal mitnehmen dürfen?

Steinle konnte dadurch nicht an einer Abstimmung teilnehmen. Für die Intervention Gallacchis hatten viele im Rat kein Verständnis. «Unerhört! Das ist Diskriminierung!»: Die «bz Basel» berichtet von mehreren wütenden Zwischenrufen. Nach dem Vorfall musste die Sitzung vorübergehend unterbrochen werden.

«Das ist diskriminierend»

Gallacchi kam nach einem Ordnungsantrag von Danielle Kaufmann (SP) schliesslich auf seinen Entscheid zurück und liess Steinle wieder in den Saal. Für die Grossrätin der Grünen ist das Thema damit nicht erledigt. «Ich bin vom Volk gewählt worden, dennoch ist mir das Recht verwehrt worden, im Saal abzustimmen. Das ist diskriminierend», so Steinle gegenüber der «bz Basel». Auch junge Mütter müssten die Möglichkeit haben, im Parlament Einsitz zu nehmen.

«Der Vorfall zeigt, wie weit wir in puncto Gleichstellung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind», so Steinle auf Anfrage von 20 Minuten. Sie habe ihr Kind nur ausnahmsweise dabeigehabt: «Es war eine Notsituation.»


Ratsbüro klärt nun Rechtslage

Die Rechtslage wird nun vom Ratsbüro abgeklärt. Tatsächlich ist dieser Fall nirgends explizit geregelt. Steinle will nun erst einmal abwarten, was das Ratsbüro dazu meint. Sollte der «gesunde Menschenverstand» nicht zum Tragen kommen, «werden wir selbstverständlich mit einem Vorstoss reagieren müssen».

Später am Abend war auf dem Twitter-Account des Kantons Basel-Stadt folgende Stellungnahme zu entnehmen: «Der Entscheid war ungeschickt. Bis zur nächsten Grossratssitzung wird das Ratsbüro eine pragmatische Lösung erarbeiten.»



(lha)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arbeitsplatz am 21.11.2018 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständlich

    Auf eine Art verständlich, das Parlament ist ein Arbeitsplatz und an einen Arbeitsplatz gehören nun einmal keine Kinder oder Babys

    einklappen einklappen
  • Verwirrter Arbeitgeber am 21.11.2018 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwirrt

    Wäre es den auch in Ordnung wenn jede Arbeit Nehmerin zur Arbeit mitnehmen würde? Wo kämen wir da hin?

    einklappen einklappen
  • Hugo Götz am 21.11.2018 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bireweich

    Das hat mit Gleichberechtigung nichts zu tun. Als Vater und Mutter muss man eben auch verzichten können. Säuglinge gehören weder ins Theater noch ins Parlament. Die junge Mutter soll lernen, sich zu organisieren!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Te Rasse am 01.12.2018 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Darum

    Wehret den Anfängen

  • Fragt am 24.11.2018 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragender

    Wie kommen solche Personen in den Rat.....(haben sich evt..bei der Abstimmung..die Stimmenzähler verzählt..(oder beeinflussen..) irgendwo von bis mit dem Zug.. Prahlte so ein Typ..(kein Witz..)

  • Und Ego am 24.11.2018 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ego

    Und nochmals Ego..d.h.wer auffallen will..fällt eben auf..ich meine diese Sitzung..die soo wichtig war..ist sicher nicht von heute auf Morgen bekannt geworden...niemand zum Kind hüten..? ...hängt mit Einteilung zusammen..(oder eben das auffallen..)das zählt..und wird von ebensolchen..Möchtegern noch unterstützt..?

  • Ja am 24.11.2018 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Privat und Beruf

    Muss getrennt werden. In einer Zahnarztpraxis ca 4 jähriges Kind einer Angestellten vermutlich. Spazierte durch ganze Praxis, liess sich alles erklären. Ich bin nicht kinderfeindlich, fühlte mich trotzdem gestört.

  • Stolze Mama am 24.11.2018 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich denke

    Sie wollte ihr Baby präsentieren.

    • Carmen Siegrist am 27.11.2018 11:57 Report Diesen Beitrag melden

      Die Freude teilen

      Sie hat den Säugling mitgenommen, weil sie noch stillt. Vielleicht haben Sie recht. Die Freude über das Kind mit anderen zu teilen, ist etwas Wunderbares. Leider hat es unter den Grossräten und -rätinnen Missfallen erregt. Das Kind hat die Sitzung nicht gestört, und es hat geschlafen. Im Grossrat wird während der Reden miteinander geschwatzt, auf das Handy gestarrt usw., einfach keine Konzentration auf die Rede. Weshalb haben sich diese Unkonzentrierten so sehr über das Baby gestört? Wohl weil die Mutter eine Grüne ist.

    einklappen einklappen