Riehener Priesterkandidat

15. Januar 2019 10:14; Akt: 15.01.2019 16:10 Print

Pfarrer bestraft, weil er Bub massierte und küsste

Ein Kandidat für das Priesteramt in Riehen wurde wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind verurteilt. Laut Strafbefehl habe er Bauch und Füsse seines Opfer massiert und dessen Nacken geküsst.

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Am 10. Februar wird sich zeigen, ob Küng trotz Vorstrafe Chancen auf das Priesteramt hat. Dann stimmen die Mitglieder der römisch-katholischen Pfarrei Riehen-Bettingen über den umstrittenen Kandidaten ab. (Bild: stfranziskus-riehen.ch)

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Stefan Küng (48) will Priester in der baselstädtischen Gemeinde Riehen werden. Der Mann ist jedoch kein unbeschriebenes Blatt: Er wurde 2012 wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind im Kanton Thurgau bestraft. Die «bz Basel» hatte Einsicht in den Strafbefehl von Küng, der zu einer bedingten Geldstrafe auf Bewährung verurteilt wurde.

Der Priesterkandidat habe per SMS ein Treffen mit dem damals knapp 16-Jährigen vereinbart und ihn zu sich eingeladen. Während sie einen Film schauten, massierte der damalige Pfarrer von Aadorf TG wiederholt die Füsse des Jugendlichen. Auch soll er sich mit gespreizten Beinen hinter seinen minderjährigen Gast gesetzt haben und ihn von hinten umarmt und seine Hände unter das T-Shirt des Jungen, auf seinen Bauch gelegt haben.

«Fuss kein Sexualobjekt»

Er habe den Oberkörper und die Brustwarzen des Jugendlichen gestreichelt und ihm anschliessend «einen kurzen Kuss» auf den Nacken gegeben. Nach fünf bis zehn Minuten habe er sich dann wieder den Füssen des 16-Jährigen zugewandt.

Die Berührungen, allen voran die Fussmassage, nannte der damalige Staatsanwalt einen pädophilen und sexuellen Akt. Küng habe nach einer einmonatigen Untersuchungshaft keinen Rekurs gegen das Urteil eingelegt. In den Augen von Stefan Suter, Präsident der Riehener Pfarrwahlkommission, war dies «ein Fehler». Suter legte Anfang Januar im Saal des Römisch-katholischen Pfarreiheims St. Franziskus seinen Standpunkt vor der Riehener Bevölkerung dar. Küngs Fussmassage hatte keinerlei sexuellen Hintergründe, so Suter. «Der Fuss ist kein Sexualobjekt», so der Präsident.

Am 10. Februar wird sich bei der Urnenwahl unter 2500 Pfarreimitgliedern zeigen, ob Stefan Küng trotz Vorstrafe wegen sexuellen Handlungen mit einem 16-Jährigen, zum Priester gewählt werden wird.

«Übergriff ist Übergriff»

Solche Verharmlosungsversuche des Vorfalls seien eine «Verhöhnung aller Opfer von Übergriffen», sagt Xenia Schlegel, die Geschäftsführerin von Kinderschutz Schweiz, gegenüber der «bz Basel». Sie betont: «Übergriff ist Übergriff.» So sehen das auch Riehener, die den Bericht über den Strafbefehl gegen Küng in der Facebook-Gruppe «Du weisch, dass de vo Rieche bisch, wenn...» kommentieren. «Wenn das stimmt, was in der Zeitung steht, geht das gar nicht», meint einer. Für einen andern User ist klar: «Gewählt wird dieser Priester mit Sicherheit nicht.»

(jd)