Basler Vekehrs-Betriebe

20. März 2020 15:23; Akt: 20.03.2020 15:24 Print

Fahrplanumstellung früher wegen Personalausfall

Konzerte abgesagt, also ab ins Studio. Die Basler Aushänge-Punkrocker der Bitch Queens bekämpfen die Corona-Pandemie mit harten Riffs.

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Die Basler Verkehrsbetriebe dünnen ihren Fahrplan früher als geplant aus. Infolge Betreuungsverpflichtungen, Krankenstand oder Risikogruppen-Zugehörigkeit ist die Zahl der Abwesenden bei Fahrdienspersonal markant gestiegen. Busse und Trams verkehren darum schon ab Samstag tagsüber im 10-Minuten-Takt und nach 20 Uhr im Vierstelstunden-Takt. Die Spitzenvolleyballerinnen von Sm'Aesch Pfeffingen haben jetzt viel freie Zeit. Diese wollen sie dafür nutzen, ihren Fans zu helfen. Die Spielerinnen bieten Hütedienste, Hundespaziergänge oder auch die Besorgung von Einkäufen an. «Ihr unterstützt uns seit Jahren, jetzt ist es an uns, etwas zurückzugeben», sagt die Spielerin. Auch die Flotte von Bandbus.ch ruht zurzeit, da keine Konzerte mehr gespielt werden. Die Busse sollen darum jetzt für solidarische Aktionen genutzt werden, teilte das Basler Unternehmen mit. An den Grenzen gibt es infolge der Ausweitung der Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus wieder Kontrollen. Der Grenzverkehr in der Region Basel wird aber nicht eingeschränkt. DIe Basler Regierung informierte am Freitagnachmittag die Medien über die kantonale Umsetzung der vom Bundesrat zuvor verordneten Massnahmen. Neben den Schulen, die bis zu den Frühlingsferien geschlossen bleiben, machen auch die kantonalen Museen und Sportanlagen dicht. Erziehungsdirektor Conradin Cramer stellte für Eltern, die in Gesundheitsberufen arbeiten oder in einer Notsituation sind, ein Betreuungsangebot für deren Kinder in Aussicht. Wegen des Coronavirus haben die Behörden beider Basel am 12. März verfügt, dass Schulreisen und Klassenlager vorderhand nicht mehr stattfinden. Die Regelung gilt vorerst bis zu den Frühlingsferien. Krankheitsausbrüche in Lagersituatiuonen seien schwer kontrollierbar, hielt das Basler Erziehungsdepartement fest. Vertreter der Basler Regierung, des Amts für Arbeit der IWB und Basler Kantonalbank präsentierten am Mittwoch, 11. März, Massnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus. «Wir wollen eine grosse Konkurswelle verhindern», erklärte Finanzdirektorin Tanja Soland. Dies soll mit mehreren Massnahmen gelingen. So übernimmt der Kanton etwa die Bürgschaft für Überbrückungskredite über 50 Millionen Franken. «Gastrobranche und Hotellerie schildern dramatische Zustände», sagt Christoph Brutschin. Den Hotels setze nicht nur der angeschlagene Tourismus zu, sondern auch zahlreiche Absagen von Firmenevents. Alt-Regierungspräsident Guy Morin (63) leistet als Freiwilliger Dienst in der Corona-Station des Universitätsspitals Basel. In der Predigerkircher untersucht der Mediziner Verdachtsfälle. «Wir Mediziner müssen in dieser Situation unseren Beitrag leisten», sagt der praktizierende Hausarzt. In der Basler Rehaklinik Rehab wurden sind neun Mitarbeitende an Covid-19 erkrankt. Zwei Patienten hatten sie angesteckt. Die betroffene Abteilung musste vorübergehend geschlossen werden. Dem infizierten Personal gehe es den Umständen entsprechend gut. Liestal BL, 8. März 2020: In der Schweiz gibt es den zweiten Todesfall infolge einer Infektion mit dem Coronavirus. Ein Mann verstarb im Spital in Liestal an den Folgen der Infektion.Der Kanton Basel-Landschaft informierte am Sonntagnachmittag über die Hintergründe. Es handelt sich um einen 76-jährigen Mann, der bereits an zahlreichen Vorerkrankungen litt. Er hatte Herzprobleme, Diabetes und habe in der jüngeren Vergangenheit einen Herzinfarkt erlitten. Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind verbrachte während der Fasnachtsferien einige Tage im Südtirol. Nachdem nun ganz Italien als Risikogebiet eingestuft wurde, muss sie die kommenden Tage im Home Office arbeiten, wie der Kantonale Krisenstab am Freitag, 6. März bekannt gab. Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger bedankte sich am Freitag bei der Bevölkerung für das grosse Verständnis. Er sei beeindruckt, wie die Absage der Fasnacht verdaut wurde. Stand Freitag gab es in Basel 12 Corona-Fälle. Das sind vier mehr als noch am Donnerstag. «Wir sind erst am Beginn des Anstiegs der Glockenkurve», so Steffen. Das Virus aufzuhalten, sei China nicht geglückt. Was man nun mache, ist den Verlauf zu verzögern. darauf zielten die getroffenen Massnahmen ab. «Auf diese Art probieren wir genug Zeit zu haben, um die pflegebedürftigen Patienten zu behandeln.» Steffen betonte, dass sich die Krankheit nicht stoppen lasse Die Strategie des Kantons ziele darauf ab, die Risikogruppen bestmöglich zu schützen. «Wir empfehlen Pflegeheimen die Besuchszeiten einzuschränken», so Engelberger. Besucher sollen zudem befragt werden, damit Risiken vermieden werden können. Der Gesundheitsdirektor warnt aber davor, die Besuche von Anhgehörigen ganz einzustellen, das sei ganz wichtig. «Wir stellen uns auf ein relativ garstiges Szenario ein», sagt Werner Kübler, Direktor des Universitätsspitals Basel. So rechne das Spital damit in ein paar Wochen mit einer dünneren Personaldecke mehr Fälle behandeln zu müssen, weil man damit rechne, dass es beim Spitalpersonal auch Ansteckungen gebe.

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  • In Basel-Stadt sind, Stand 18. März, 272 Personen mit dem Coronavirus infiziert, 46 der registrierten Fälle sind inzwischen genesen.

  • Im Kanton Baselland gibt es aktuell 184 Covid-19-Patienten

  • In beiden Basel hat das Virus bis am 20. März fünf Todesopfer gefordert.

BVB stellt ihren Fahrplan bereits am Samstag um

Die Basler Verkehrsbetriebe dünnen ihren Fahrplan bereits ab Samstag aus, ursprünglich war die Umstellung erst auf Montag geplant. Die frühere Umstellung sei nötig geworden, durch einen «markanten Anstieg der Abwesenden im Fahrdienst der BVB. Dies infolge von Krankenstand, Risikogruppen und Betreuungspflichten, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte.

Ab Betriebsbeginn bis ca. 20 Uhr fahren die Trams und die Busse ab Samstag nur noch im 10-Minuten-Takt, ab 20 Uhr dann im Viertelstunden-Takt. Am Sonntag herrscht der reguläre Sonntagsfahrplan, das heisst die Fahrzeuge verkehren gemäss den ausgehängten Fahrplänen an den Haltestellen im 15-Minuten-Takt. Die vorgezogene Umstellung des Fahrplans erfolgt nur bei der BVB. BLT und AAGL verkehren noch bis am Sonntag nach dem regulären Fahrplan und reduzieren ihr Angebot dann ab Montag.

Gitarrenriffs gegen die Pandemie

#Staythefuckhome und #Flattenthecurve sind derzeit die angesagten Hashtags auf Social Media. Ersteren haben die Basler Punker der Bitch Queens gleich in einen Song gepackt. Einen Händewaschsong. Das Schulungsvideo dazu haben sie gleich mitgeliefert. Wieso? Ihre geplanten Shows sind ins Wasser gefallen, also hat sich das Quartett ins Studio zurückgezogen. «Angesichts der Corona-Pandemie müssen wir als Bürder dieser Welt alle nicht notwendigen Aktivitäten unterlassen und dazu zählen auch unsere Konzerte», teilte die Band auf Facebook mit.

Grosse Solidaritätswelle

Während die Infektionszahlen weiter ungebremst in die Höhe schnellen, wächst in der Bevölkerung auch die Hilfsbereitschaft. Über 10'000 Menschen aus der Region Basel haben sich bereits in der «Gärn gschee - Basel hilft»-Facebookgruppe des Medien-Startups Bajour registiert. Und täglich kommen neue Angebote hinzu. So hat Bandbus.ch, eine Basler Bandbus-Vermietung seine Flotte jetzt für solidarische Aktionen freigegeben, da zurzeit keine Band irgendwo ein Konzert spielen kann.

Keine Spiele hat auch das Profi-Damenvolleyballteam von Sm'Aesch Pfeffingen. Die Spielerinnen haben am Montag auf Facebook ihren Fans ihre Hilfe angeboten. «Ihr unterstützt uns seit Jahren, jetzt ist es an uns, etwas zurückzugeben», erklärt die Spielerin im Video. So bietet sich die Mannschaft an für Kinderhütedienste, Hundespaziergänge oder Einkäufe.

Trams bleiben zu zwei Dritteln leer

Angesicht der von der Baselbieter Regierung beschlossenen Notlage dürfen die im Kanton Basel-Landschaft verkehrenden Transportunternehmen des Öffentlichen Verkehrs die pro Fahrzeug zur Verfügung stehenden Plätze jeweils höchstens zur Hälfte nutzen, wie es in der am Sonntag veröffentlichten Medienmitteilung des Regierungsrates heisst.

Wie will aber die BLT garantieren, dass die Trams und Busse nur zur Hälfte ausgelastet sind? Andreas Büttiker, Direktor der BLT sagt auf Anfrage von 20 Minuten: «Wir haben die Fahrzeuge angeschaut und festgestellt, es ist gar nicht nötig hier einzugreifen.» Die Auslastung betrage in etwa 30 Prozent.

Eine der wenigen, die am Montag im Tram unterwegs waren, ist SP-Landrätin Miriam Locher. «Der Ernst der Lage scheint nun doch angekommen zu sein», berichtete sie auf Twitter aus dem fast leeren 11-er-Tram.

Büttiker betonte aber auch, dass es wichtig sei, den Normalfahrplan aufrecht zu erhalten. «Das ist auch der Auftrag des Bundesrats an die sogenannten Systemführer, zu denen die BLT zählen», sagt er. «Den öffentlichen Verkehr zu reduzieren, wie etwa in Frankreich, macht in dieser Hinsicht somit keinen Sinn», so Büttiker. Nur so könnten sich die Fahrgäste, die reisen müssen, optimal verteilen.

Fahrgäste zum Distanzhalten sensibilisieren

«Was ich aber beobachtet habe, ist, dass sich Fahrgäste trotz des vielen Platzes gerne auf die beliebten Einzelsitzen setzen.» Dann würden sich die Leute wieder zu nahe beieinander befinden, «anstatt, dass sie auf die freien Zweierbänke ausweichen». Deshalb werde jetzt - auch in Zusammenarbeit mit den Basler Verkehrs-Betrieben - Sensibilisierung betrieben. «Wir alle müssen in dieser ungewohnten Situation unsere Gewohnheiten anpassen», so Büttiker.

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