Sicherheitskonzept

30. März 2011 17:46; Akt: 31.03.2011 07:49 Print

Harte Kritik nach Millionenraub

von A. Luethi/A. Mustedanagic - Die Baselworld ist nach dem Millionenraub unter Beschuss. Es habe zu wenig Sicherheitspersonal und die Stände seien ungenügend gesichert. Der Veranstalter widerspricht.

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Sie schlugen eiskalt zu und flüchteten mit einer Millionenbeute. Nach dem Diamantendiebstahl vom Mittwochmorgen an der Schmuckmesse «Baselworld» fahndet die Polizei nach den Tätern. Jetzt wird Kritik am Veranstalter der Messe laut. «Es fehlt an Sicherheitspersonal», sagt ein Standbetreiber, der anonym bleiben will, gegenüber 20 Minuten Online.

Es sei kein Zufall, dass die Diebe gerade eine Aussenvitrine leer räumten. «Sie sind ungenügend gesichert und wir können nichts dagegen unternehmen», sagt der Edelsteinhändler weiter. Die Verantwortlichen der «Baselworld» verbiete es den Mietern, irgendwelche Anpassungen an den Ständen vorzunehmen. «Wir dürfen nicht einmal Panzerglas einsetzen.» Sein Unternehmen setze deshalb in die Aussenvitrinen nur falsche Steine. «Es hat auch viel zu wenig Sicherheitspersonal», ist er überzeugt. Die Baselworld ignoriere aber entsprechende Kritik von Seiten der Standmieter.

Veranstalter sieht keine Lücken im Sicherheitkonzept

Der Messe-Veranstalter bestätigt, dass die Mieter keine Anpassungen an den Ständen machen dürfen – auch keine sicherheitsrelevanten. «Die Stände entsprechen unserem Sicherheitsniveau, welches den Ansprüchen der Versicherungen entspricht», sagt Pressesprecher Bernard Keller. Schliesslich würden keine Aussteller und keine Versicherung ein unnötiges Risiko eingehen. Ob die Vitrine durch Panzerglas geschützt sei oder nicht, wollte er nicht beantworten. «Was Panzerglas ist, ist eine Definitionsfrage», sagt Keller. Trotz erneutem Überfall ist er überzeugt, dass die Stände alle «nötigen Sicherheitsvorkehrungen» erfüllten.

Warum es den Dieben dennoch gelang, die Vitrine aufzubrechen und die Diamanten zu stehlen, sei unklar: «Wir werden den Diebstahl untersuchen. Sollten Anpassungen nötig sein, werden wir diese vornehmen.» Einen Grund dazu sieht der Messe-Veranstalter trotz des Diebstahles bisher nicht. «Wir sind von unserem Sicherheitskonzept überzeugt», so Keller. Schliesslich sei «sehr schnell» Alarm geschlagen und die Halle umgehend geschlossen worden, nach dem man den Diebstahl bemerkt hat. Allerdings dauerte dies fünf bis zehn Minuten, heisst es bei der Basler Polizei.

Diebe verschwanden unbemerkt

Entgegen Augenzeugenberichten, ist Keller überzeugt, dass die Diebe bei ihrer Flucht nicht gerannt sind. Einerseits gebe es dafür keine Anzeichen, andererseits hätten die Sicherheitsleute die Diebe spätestens beim losrennen gestoppt und festgehalten. «Unsere Leute stehen an jedem Ausgang und auch im Gebäude verteilt», sagt Keller. Die Kritik, es habe zu wenig Sicherheitspersonal, hält er jedenfalls für unbegründet.

Dass die Aussteller trotz aller Sicherheitsmassnahme in den Aussenvitrinen teilweise auf gefälschte Steine setzen, sei gut möglich und erlaubt. Ob dies auch auf das betroffene Unternehmen, die Andre Messika Ltd., zutrifft, ist unklar. Der Chef aber brachte nach dem Raub kaum ein Wort heraus: «Der Schmerz ist zu gross», sagte er zu 20 Minuten Online.