Wohnblock ohne Heizung

21. Januar 2020 17:32; Akt: 21.01.2020 17:46 Print

«Man kann die Leute nicht zwei Tage frieren lassen»

Seit Montag gibt es in einem grossen Wohnblock in Basel kein warmes Wasser mehr und die Heizungen bleiben kalt. 29 Mietparteien müssen die Kälte aussitzen.

Keine Heizung und kein warmes Wasser, und das mitten im Winter. (Video: las)
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«Es ist wie in Sibirien», klagt eine Anwohnerin der Liegenschaft in der Basler Laufenstrasse. Sie ist in eine Winterjacke gehüllt und sichtlich verärgert. In dem Wohnblock, in dem 29 Parteien eingemietet sind, kommt seit Montag nur kaltes Wasser aus den Leitungen und die Heizungen verweigern den Dienst – und das Mitten im Winter.

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Mehrere Mieter sagen, das Heizöl sei ausgegangen. Wieso man das nicht gemerkt habe, sei ihnen ein Rätsel. Nun müssten sie die Kälte aussitzen. «Man kann doch die Leute nicht zwei Tage frieren lassen», moniert eine Frau. Wenn es darum gehe, die Miete einzustreichen und die Nebenkosten einzufordern, sei die Verwaltung hingegen sehr schnell.

Zwei Tage Indoor-Winter

«Es ist wirklich sehr kalt», sagt ein 21-jähriger Bewohner. In der Nacht auf Dienstag habe er er mit drei Decken schlafen müssen. Für seine Eltern, die ebenfalls in dem Gebäude wohnen, sei es noch schlimmer. Eine andere Anwohnerin sagt, sie könne gar nicht schlafen.

Viele der Anwohner machen der Verwaltung Vorwürfe. Das Gebäude sei ohnehin in einem schlechten Zustand, und nun müssten sie auch noch frieren. Dabei sei es inzwischen die vierte Verwaltung in vier Jahren, und keine habe etwas gegen die Probleme getan.

Anzeige defekt

«Unglücklicherweise war der Heizölanzeiger defekt, was zur einer verfälschten Anzeige führte», erklärt die Verwaltung auf Anfrage von 20 Minuten. Deshalb habe man nicht bemerkt, dass der Tank leer war. Am Montag sei das Problem erkannt und das Öl per Expresslieferung bestellt worden. Laut dem Unternehmen sei der Tank am Dienstagmorgen gefüllt worden.

«Die Heizung ist inzwischen wieder in Betrieb», so das Unternehmen. Vor Ort war davon noch nichts zu bemerken. Eine Anwohnerin vermutet, dass es dauern könne, bis eingeheizt sei. «Am Nachmittag werden wir vielleicht Duschen können», hofft sie.

Das können Mieter einfordern

«Der Vermieter ist verpflichtet, warmes Wasser und Heizung zu gewährleisten», sagt Peter Steiner von der Rechtsabteilung des Mieterverbands Basel-Stadt. Die Anwohner könnten die umgehende Behebung des Problems einfordern. Zudem bestehe die Möglichkeit eine Mietzinsreduktion einzufordern. Auch stehe den Mietern eine Entschädigung für Mehrkosten durch Ersatzheizungen zu.

Die Verwaltung sei zwar ausführend und der erste Ansprechpartner, der Besitzer trage aber am Ende die Verantwortung, so Steiner. Er habe ein gewisses Verständnis für die schwierige Situation, wenn die Verwaltung so oft wechsle.

So gehts weiter, wenn sich der Vermieter weigert

Im vorliegenden Fall hat die Verwaltung nach eigenen Angaben sofort Massnahmen ergriffen. Hätte sie das nicht, gebe es weitere Optionen. Einerseits könnten sie ihren Mietzins bei der Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten hinterlegen, statt ihn dem Vermieter zu überweisen.

«Es ist wichtig, vorgängig dem Vermieter per eingeschriebenen Brief eine Frist zu setzten, die Hinterlegung deutlich anzudrohen und nicht einfach die Zahlung zurückzuhalten», mahnt Steiner. Dieses Mittel sei nützlich, wenn der Vermieter Mängel nur unzureichend behebe. Denn in der betroffenen Liegenschaft beklagen sich Mieter unter anderem über Schimmel an den Wänden und einen chronisch kaputten Lift.

Wenn alle Stränge reissen, sich der Vermieter weigert oder nicht erreichbar ist, besteht noch der Weg über das Gericht. Steiner: «Es ist möglich, beim Zivilgericht eine vorsorgliche Massnahme zu erwirken, die den Vermieter dazu verpflichtet, die Mängel in Angriff zu nehmen.» Er empfiehlt jedoch, sich bei solchen Schritten beim Mieterverband oder einer anderen Stelle rechtlich beraten zu lassen.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Becci am 21.01.2020 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    24 Stunden

    Sehr ärgerlich, verständlich. Aber wir sprechen hier von 24 Stunden und die Mieter rennen schon zu den Medien. Ernsthaft??

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  • Lucy am 21.01.2020 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das kann passieren

    Das kann immer mal passieren. Wir hatten das auch schon. Es gibt Decken und Jacken. Es gibt Länder, die überhaupt keine Heizung haben und ständig frieren müssen. Ich finde, dass das keinen Artikel wert ist.

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  • Bernd am 21.01.2020 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Öluhr ist nur behelfsmittel

    Jeder Heizöltank hat einen Ölmessstab der exakt stimmt! Fast niemant auf den Verwaltungen weiss das und zuständige Hausabwarte gibts auch fast nicht mehr. Die Mieter sind die leidtragenden, wie fast immer. Viel wärmendes Glück.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stolli am 21.01.2020 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halbes Jahre

    Bei uns im Wohnblock hatten wir seit Juli bis zum 6.januar kein warmwasser nur am Abend lauwarm Der Eigentümer und die Verwaltung hat es nicht gekratzt

  • Ehrlich am 21.01.2020 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Einerseits sind 2 Tage nicht viel. Andererseits leben wir in der CH und zahlen mitunter die höchsten Preise auf der Welt. Da darf angenommen und mit Recht gefordert werden, dass sowas entweder nicht passiert und falls doch, die Mieter mind. 3 Tage (zwei für die Tage, wo die Leistung nicht erbracht wurde und ein Tag für die Unannehmlichkeiten!) bei den Miertkosten erlassen bekommen! Wird kaum so sein. Aber eben. Wir leben in der Schweiz. Lobbyismus, Veternwirtschaft und Co... Viel Kraft an alle betroffenen Mieter

  • Sandra am 21.01.2020 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also jammern können wir

    Tiere erfrieren weil Sie zu wenig Nahrung haben, Obdachlose erfrieren weil Sie keine Unterstützung haben und wir jammern wenn die Heizung nicht geht. Jeder hat Winterkleidung oder Skikleidung. Hören wir doch auf zu jammern

  • txtDealer am 21.01.2020 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    Diesel ?

    und keiner kam auf die Idee 100-200 liter Diesel von der tanke zu hollen ? Ist das selbe, nur anderer Farbstoff. Teurer, aber besser als Frostschäden an Leitungen....

  • Möchte etwas dazulernen am 21.01.2020 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    Das grössere Problem ist doch, wenn so eine Ölheizung leerläuft wird das Sediment angesaugt und so geht die Heizung kaputt, nicht? Würde mich über eine Antwort freuen. :)