Hunderte an Gedenkfahrt

27. Juni 2019 10:18; Akt: 27.06.2019 13:44 Print

McLaren-Opfer immer noch im künstlichen Koma

Eine Woche nach einem schweren Unfall zwischen einem McLaren-Fahrer und einem Velofahrer in Dornach SO forderten zahlreiche Radfahrer mehr Sicherheit.

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Über 300 Velofahrer nahmen am Mittwochabend, 26. Juni, an einer Gedenkfahrt auf der Gempenstrasse teil. Genau eine Woche zuvor wurde ein 38-jähriger Velofahrer bei einem Unfall mit einem Sportwagen auf dieser Strasse schwer verletzt. Der McLaren-Fahrer prallte am Mittwoch, 19. Juni, auf der Gempenstrasse auf der Überholspur in einen korrekt fahrenden Velofahrer. Der 38-Jährige wurde lebensbedrohlich verletzt. Der 23-jährige Sportwagenfahrer blieb unverletzt. Eine Woche nach dem Unfall haben mehrere hundert Velofahrer für sicherere Strassen demonstriert. Sie versammelten sich beim Dornacher Schiessstand, um für mehr Sicherheit auf Landstrassen zu demonstrieren. Zu Forderungen gehört unter anderem ein Überholverbot auf unübersichtlichen Überlandstrecken. Zudem gehörten Rennmaschinen auf die Teststrecke, so Philipp Schoch, Co-Präsident von Pro Velo beider Basel. Nach einer Schweigeminute setzte sich der Tross auf der Gempenstrasse bergwärts in Bewegung. Gemeinsam nahmen sie dann einen Teil der Bergstrecke unter die Räder. Zur Gedenkfahrt hatte Pro Velo beider Basel aufgerufen. Beim Sammelplatz markierten sie die Velo-Unfallstatistik des letzten Jahres auf den Boden. Die kurvenreiche Gempenstrasse zwischen Dornach und Gempen ist bei Auto- und Velofahrern gleichermassen beliebt. Blick ins Cockpit eines McLaren 570s. Nur eine Handvoll dieser Sportwagen sind in der Schweiz überhaupt eingelöst. Der Velofahrer wurde vom Sportwagen frontal erfasst und knallte auf dessen Windschutzscheibe. Das Rennvelo ist stark beschädigt, sein Besitzer wurde von der Rega mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Spital geflogen. Der Wagen gehört einem Münchensteiner Autohändler und war vom 23-jährigen Lenker nur zur Probe ausgefahren worden. Der Bolide war bis am Mittwoch für knapp 150'000 Franken zu haben.

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Mehrere hundert Velofahrer haben am Mittwoch eine Woche nach einem Verkehrsunfall mit einem Schwerverletzten in Dornach SO für sicherere Strassen demonstriert. Die Teilnehmenden riefen in einer Resolution die Behörden dazu auf, Überlandstrassen sicherer zu machen.

An der Kundgebung und einer Schweigeminute für den verletzten Radfahrer am Unfallort auf der Strasse zwischen Dornach und Gempen nahmen über 300 Velofahrerinnen und Velofahrer teil, wie der Verein Pro Velo beider Basel in der Nacht auf Donnerstag mitteilte. «Das ist ein starkes Zeichen für mehr Sicherheit auf Landstrassen, aber auch für die Familie des verunfallten Velofahrers», erklärte Philipp Schoch, Co-Präsident von Pro Velo beider Basel auf Anfrage.

«Rennmaschinen» verbieten

Die Demonstranten forderten, dass auf Strassen ohne abgetrennten Velo- und Fussweg generell nicht mehr schneller als Tempo 60 gefahren werden dürfe. Zudem riefen sie den Bund dazu auf, «Rennmaschinen» nicht weiter auf öffentlichen Strassen zuzulassen oder deren Benutzung durch Neu- und Junglenker einzuschränken. «Die gehören auf die Teststrecke», so Schoch.

Vor einer Woche war in Dornach ein 38-jähriger Velofahrer bei einer Frontalkollision mit einem 570 PS-starken McLaren Sportwagen lebensgefährlich verletzt worden. Der 23-jährige Autolenker hatte auf der Probefahrt mit dem Boliden auf der unübersichtlichen, kurvenreichen Strecke mehrere Fahrzeuge überholt. Auf der Gegenfahrbahn kollidierte er frontal mit dem korrekt fahrenden Velofahrer.

Noch immer im künstlichen Koma

Das Unfallopfer befindet sich auch eine Woche nach dem Crash noch im künstlichen Koma. «Er befindet sich aber nicht mehr in akuter Lebensgefahr», teilt der Sprecher der Solothurner Staatsanwaltschaft Jan Lindepütz auf Anfrage mit. Gegen den McLaren-Lenker wurde durch die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen qualifizierter grober Verletzung der Verkehrsregeln und fahrlässiger schwerer Körperverletzung eingeleitet.

Der Unfallfahrer, ein Jungunternehmer aus Delémont, sagte gegenüber Tele M1, dass es ihm wahnsinnig leid tue. Das Unfallfahrzeug ist nach wie vor sichergestellt.



(lha/sda)