Basel

31. Juli 2018 05:46; Akt: 31.07.2018 05:46 Print

Kampf dem Elend der Streunerbüsis in der Stadt

Verwilderte und unkastrierte Katzen vemehren sich in den Städten ungebremst. Auf Basels Strassen sind dutzende Streuner unterwegs – die Tierheime sind am Anschlag.

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Birdie liegt erschöpft im Gras. Eine Tierschützerin findet die wild lebende Katze im Basler St. Johann-Quartier und bringt sie in die Notfallstation. Doch die Hilfe kommt zu spät, die Katze stirbt. Ihr Hintern sei voller Maden, der Bauchraum voller Eiter und ihre Lunge stark geschädigt gewesen. «Birdie musste erlöst werden», schreibt das Network for Animal Protection (NetAP) auf Facebook.

Für die Schweizer Tierschutzorganisation ist es ein Fall, wie er in der Schweiz viel zu häufig vorkomme. Sie will am Beispiel von Birdie auf die vielen wilden Katzen aufmerksam machen, die auf Schweizer Strassen leben. Und auf die Qualen, die sie oftmals durchmachen müssten.

«Die Lage ist fatal»

«Wir kämpfen um das Leben jedes Tieres. Aber bei Birdie war die Lage wirklich aussichtslos», sagt NetAP-Präsidentin Esther Geisser. Vor einigen Wochen habe die Katze noch Junge zur Welt gebracht. Junge, die geboren wurden, weil wilde Katzen wie Birdie nicht kastriert sind. Junge, die danach wild auf den Strassen von Basel leben.

Allein im Stadtquartier St. Johann würden rund 40 verwilderte Tiere herumstreunen, berichtet Geisser. Diese würden sich immer weiter vermehren. «Die Lage ist fatal», so Geisser. «Wir wissen nicht mehr, wo wir all die verwilderten Katzen unterbringen sollen. Die Tierheime sind völlig überlastet.»

Jungtiere haben noch eine Chance

Tragisch daran sei, dass das Problem menschengemacht sei. «Viele Besitzer wollen ihre Katzen nicht kastrieren. Denn sie finden kleine Kätzchen süss. Aber sobald es Probleme mit den Tieren gibt und sie Kosten verursachen, schaut man weg. Das geht einfach nicht.» NetAP und andere Tierschützer fordern deshalb eine Kastrationspflicht, damit sich das Problem nicht weiter ausbreitet.

Seit einigen Tagen sind NetAP-Mitarbeiter im Quartier St. Johann nun daran, wilde Katzen einzufangen und zu kastrieren. Die erwachsenen Tiere werden in einer Tierarztpraxis kastriert, Katzenkinder und trächtige Tiere werden ins Katzenheim in Muttenz gebracht. «Jungtiere werden dort versorgt und dann wenn möglich in Privathaushalte vermittelt», so Geisser. Sie könnten im Gegensatz zu den meisten Muttertieren noch an Menschen gewöhnt werden. Ausgewachsene Tiere würden nach der Kastration wieder im angestammten Revier frei gelassen.

Wilde Katzen «in der ganzen Stadt»

Auch der Tierschutzbund Basel Regional, der das Katzenheim betreibt, berichtet von ernsten Zuständen in Basel. «Das St. Johann-Quartier ist kein Einzelfall. Wilde Katzenpopulationen gibt es an verschiedenen Orten in der ganzen Stadt», sagt Geschäftsführerin Mahena Haizmann.

Das kantonale Veterinäramt weiss, dass in Basel wilde Katzen leben. Wie viele es aber genau sind, kann man dort nicht sagen. Eine Sprecherin erklärt auf Anfrage, dass man bislang keine Zunahme der Wildkatzenpopulation verzeichnet habe. Zudem sei es für Passanten schwierig, eine wilde Katze von einer Hauskatze zu unterscheiden. «Im Zweifelsfall immer mit dem Veterinäramt Kontakt aufnehmen», sagt sie.

Genau hier liegt nach Meinung Geissers das Problem: Verwilderte Katzen würden in der Regel nicht den Behörden, sondern Tierschutzorganisationen gemeldet. «Die Behörden bekommen somit gar nicht mit, wie schlimm die Situation der Katzen in der Schweiz ist.»

(daf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mama Mia am 31.07.2018 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Idee....

    Jeder Hundebesitzer muss für den Hund jährlich der Gemeinde einen Betrag zahlen. Vielleicht sollte das für Katzen auch eingeführt werden? Vielleicht gäbe es auch eine Möglichkeit mit der Kastrierung von Katzen hier Anreize zu schaffen? Vielleicht könnte das helfen?

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  • Brigitta Mühlemann am 31.07.2018 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DANKE AN NETAP und allen TSORG

    Einen Riesendank an NETAP für alles, was ihr immer für Tier tut. Eine Riesenbitte an alle: unterstützt NETAP, auch ein kleiner Beitrag kann helfen, Elend zu lindern!

  • Peter Miller am 31.07.2018 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch, die Situation

    Das beste wäre, wenn man ein Tier aufnehmen/halten will, dass man eine Erklärung unterzeichnet, dass man für das Haustier aufkommt, egal was ist. Und so oder so muss dann das Tier gechipt werden. Sollte der Fall sein, dass man das Haustier nicht mehr halten kann, verpflichtet wird, das Tier im Heim abzugeben. So das die Chance besteht, es weiter zu vermitteln.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sulejka am 31.07.2018 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Katzen kastrieren

    Warum kann man diese streunenden Katzen nicht einfach bein füttern narkotisieren danach kastrieren und wieder laufen lassen?

  • Kritiker am 31.07.2018 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Warum werden Kommentare nicht veröffentlicht die klar sagen, dass letztendlich nur gezielte Tötungen das Problem lösen? Klar ist das kein schöner Gedanke, aber die vermeintlichen Tierfreunde die streunende Katzen füttern verschärfen das Problem und lösen es nicht. Eine Kätzin kann problemlos 10-12 Junge pro Jahr werfen. Da kommt man mit Kastration und Sterilisation nirgens hin. Auch bei Tauben mussten irgendwann Massnahmen ergriffen werden die gegen endlose Vermehrung wirksam sind.

  • Mike Zac am 31.07.2018 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wieso immer Basel?

    weil Basel die Ostschweiz repräsentiert.

    • Onkel Yasuo am 31.07.2018 12:24 Report Diesen Beitrag melden

      St.Gallen

      Eh Kumpel die Ostschweiz ist um ein vielfaches besser mit Umgang mit Tieren. Tja, Basel eine Stadt mit vielen Problemen plus Armut.

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  • Mussnichtsein am 31.07.2018 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverständlich

    Mein Kater( freigänger)ist Kastriert und gechipt. Alein wegen der Markiererei ist es sinnvoll und der Chip um ihn hoffendlich wieder zufinden wenn etwas ist.Schliesslich ist es ein Familienmitglied und keine Sache

  • Simba am 31.07.2018 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Hauskatzen sind eigentlich Wildtiere

    Eigentlich gehören Katzen nicht in Wohnungen eingesperrt, denn sie sind eigentlich Wildtiere. Ebenso verwildern diese "Hauskatzen" von alleine, sobald ihnen das Zuhause nicht mehr passt. Dass Katzen in Wohnungen gehalten/eingesperrt werden, ist ein rein menschliches Bedürfnis. Wilde Katzenpopulationen ist eigentlich etwas ganz natürliches. Die Lage ist im Vergleich zu Istanbul oder Lisabon überhaupt nicht fatal. Das Thema wird von Hauskatzenliebhabern aufgebauscht.